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Interview
07/19/2020

"Ein Österreicher hat die Leute in Leeds nicht interessiert"

Leeds United ist nach 16 Jahren wieder erstklassig. Ex-Legionär Martin Hiden spricht über seine Zeit beim Traditionsklub.

von Alexander Strecha

Immer, wenn zuletzt Leeds spielte, saß er mit gedrückten Daumen vor dem Liveticker. Martin Hiden zitterte und fieberte im Aufstiegskampf mit seinem Ex-Klub, für den er von 1998 bis 2000 gespielt hatte, mit. Erfolgreich, denn nach 16 Jahren ist Leeds United wieder in die Premier League zurückgekehrt.

KURIER: Herr Hiden, wieso ist Ihre Verbundenheit zu Leeds ungebrochen?

Martin Hiden: Ich verfolge den Klub, seit ich damals weggegangen bin. Für mich war England das Richtige, ich wollte auf die Insel. Dieser Fußball passte am Besten zu mir. In Leeds lernte ich die britische Fußball-Kultur kennen, wie sie zelebriert wird, wie hoch die gesellschaftliche Wertschätzung ist.

Dort war ein rustikaler Verteidiger noch etwas wert.

Absolut. Nicht nur bei den Fans, sondern auch innerhalb der Mannschaft. Wenn die Leistungen stimmten.

Fühlten Sie sich auch außerhalb des Platzes wohl?

Ja, es war wunderschön zum Leben. Wobei ich ja nicht der Kultur oder des Landes wegen dorthin gegangen bin. Leeds ist weiter oben im Norden inmitten einer schönen Hügellandschaft. Es hat halt öfter geregnet, dafür gab es im Winter gar keinen Schnee.

Erzählen Sie von Ihrem Transfer, der im Wintertrainingslager von Rapid in Dubai 1998 zustande kam.

Es waren Newcastle und Liverpool an mir interessiert. Liverpool wäre aber eine Option für den Sommer gewesen. Plötzlich stand mein Berater Christian Flick in Dubai und erzählte mir von Leeds. Wir hatten ein Testspiel gegen eine russische Mannschaft, Leeds-Manager George Graham schaute zu. Rapid-Coach Dokupil ließ mich als einzigen Rapidler die vollen 90 Minuten spielen. Danach ging ich zu den Verhandlungen – in kurzen Hosen und mit einem T-Shirt, während George Graham im feinen Zwirn dort saß.

Haben Sie sich auf das Abenteuer überhaupt vorbereiten können?

Nicht wirklich. Ich habe schnell gemerkt, dass mein Schulenglisch auf Dauer zu wenig sein würde, daher habe ich noch ein halbes Jahr mit einem Lehrer gearbeitet. Dazu habe ich die Zeitungen gelesen, die Sprache aber in erster Linie durch den Kontakt mit meinen Mitspielern gelernt. Sie haben gemerkt, dass ich mein Englisch verbessern will, da waren sie nachsichtig. Zudem hatten wir einige Spieler wie Hasselbaink oder Haaland, den Vater von Erling, im Kader, die Deutsch sprachen.

Zu Papa Haaland pflegen Sie heute noch Kontakt.

Ja, als Salzburg in Wien bei Rapid spielte, kam Alf-Inge zu Besuch.

War die Integration schwer zur damaligen Zeit?

Ein österreichischer Fußballer hat die Leute damals dort nicht interessiert. Das Standing innerhalb der Mannschaft musste man sich erarbeiten so wie heute auch. Nach dem ersten Spiel bin ich mit allen zum Essen gegangen. Das war Teil der Integration. Wir haben im Training Vollgas geben, auch danach.

Inwiefern?

Die Spieler hatten viele Ideen. Es wurde zum Beispiel ein alter, schäbiger Lieferwagen gekauft und in den Vereinsfarben lackiert. Am Ende jeder Woche wurde von allen derjenige gewählt, der am schlechtesten trainiert hatte. Der musste dann eine Woche lang mit dem Wagen durch die Stadt fahren und damit zu jedem Training kommen.

Wie oft haben Sie den Wagen kutschiert?

Nie. Unglaublich, oder?

Kommen wir zum Sportlichen. Wie sieht Ihre Leeds-Bilanz aus?

Das erste Jahr war überragend, ich habe stets gespielt. Danach war ich eineinhalb Jahre durchgehend verletzt. Kreuzbandriss, Rippenbruch, Innenbandverletzung. Wäre das alles nicht passiert, wer weiß, ob ich in meiner aktiven Karriere zurück nach Österreich gekommen wäre.

Was genau macht Leeds zum Traditionsverein?

Es gibt nur einen Klub in der Stadt, keinen Rivalen. Das bedeutet, dass alle hinter dem Klub stehen. Er ist das Aushängeschild für die gesamte Region. Im Wappen von Leeds findet man die weiße Rose des Hauses York, während die rote Rose des Hauses Lancaster das Wappen von Manchester ziert. Das geht zurück auf die Rosenkriege. Manchester United ist auch der größte Rivale von Leeds.

Was bedeutet der Aufstieg für den Klub?

Leeds ist eine Bereicherung, nicht nur für die Region, sondern für die Premier League. Legenden anderer Klubs sagen immer, dass etwas fehlt, wenn sie nicht gegen Leeds spielen.

Werden Sie wieder ein Ticket nach Leeds buchen?

Ja. Ich habe mit Alexander Manninger (Anm.: Ex-Teamgoalie, der bei Arsenal gespielt hat) schon ausgemacht, dass wir gemeinsam zum Spiel zwischen Leeds und Arsenal fliegen werden.

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