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Sport | Fußball
01/06/2019

Lazaro nach Kritik: "Ob man das wirklich posten muss..."

Nach der Kritik im KURIER erklärt sich der österreichische Teamspieler - selbstkritisch und ausführlich.

Für das Zurschaustellen eines Privatfluges und eines sündteuren Gucci-Joggers auf Instagram musste Valentino Lazaro – ebenso wie Freund und Kollege Sascha Horvath – vorige Woche Kritik im KURIER einstecken. Lazaro, von den Hertha-Fans zum Berliner Spieler der Herbstsaison gewählt, war es ein Anliegen, Stellung zu beziehen. Der Teamspieler erklärt aus seiner Sicht den teuren Flug, verteidigt seinen extrovertierten Kleidungsstil und begründet seinen Leistungsanstieg.

KURIER: Wie haben Sie die Kritik aufgefasst?

Valentino Lazaro: Ich war überrascht, so viele Nachrichten zu bekommen. Ich hatte in letzter Zeit viele Interviewanfragen und Termine in Berlin, weshalb ich nicht die Zeit gehabt habe, an freien Tagen nach Hause zu fliegen und die Familie zu sehen, ich habe daher das Privatflugzeug genommen, um schneller zu sein. Schade, dass man deshalb kritisiert wird. Einiges war nicht sehr schön und treffend formuliert.

Zum Beispiel?

Mein Kleidungsstil. Den kann jeder kritisieren, wie er will, weil Geschmäcker verschieden sind. Ich stehe aber zu meinem Kleidungsstil und finde es falsch, mich verstellen zu müssen. Aber auch andere Dinge haben mich enttäuscht. Deshalb hätte ich mich gefreut, wenn Sie mich angerufen und persönlich dazu befragt hätten.

Dieser Einwand ist berechtigt, allerdings hätte dies an meiner Wahrnehmung und dem Kommentar wenig geändert. Was hat Sie noch gestört?

Die Sache mit dem Privatflieger. Ob man das wirklich posten muss, kann man natürlich hinterfragen, und ich gebe Ihnen durchaus Recht, dass es dem einen oder anderen missfallen kann.

War es unbedingt notwendig, so zu reisen?

Ich muss in der kurzen Pause meinen Urlaub so gut wie möglich planen. Ich wollte noch nach dem Spiel in Leverkusen am 22. Dezember nach Hause fliegen, um am 23. alle Familienmitglieder zu sehen. Deshalb habe ich mir den Privatflieger quasi als Hintertür offen gelassen. Wir hatten dann beim Flug aus Leverkusen zurück nach Berlin eine Stunde Verspätung. Daher habe ich dem zuständigen Mann mein „Go“ gegeben, dass ich mit dem Privatjet fliegen werde. Natürlich hätte ich auch lieber die billigere Variante gewählt. Ich hätte es aber auch nicht geschafft, alle Weihnachtsgeschenke zu transportieren, die ich für meine Familie besorgt habe.

Der Auslöser war aber schließlich, dass Sie dieses Foto gepostet haben. Würden Sie das wieder tun?

Im Nachhinein ist man immer klüger. Aber hätte ich es nicht gepostet und Sie hätten es von irgendwo anders erfahren, hätten Sie es wahrscheinlich auch geschrieben.

Nein, definitiv nicht.

Na gut, vielleicht war es nicht das G’scheiteste, es zu posten. Ich hatte in diesem Moment endlich Urlaub, hab’ mich gefreut und wollte nach Hause. Es war immerhin schon der 22. Dezember spätabends. Und jeder, der mich kennt, weiß, dass ich in allen Bereichen professionell bin, aber auch, dass ich mir hin und wieder etwas gönne.

Wie drückt sich diese Professionalität aus, was gönnen Sie sich?

Der Trainer, der Manager, jeder in Berlin weiß, wie ich arbeite, um mich weiterzuentwickeln. Was ich an Extraschichten einlege, auch außerhalb des Platzes. Wenn man schaut, was in den letzten drei Jahren passiert ist bei mir, vor allem auf Vereinsebene, ist es klar, dass ich in meinem Leben vieles geändert haben muss. Sonst könnte ich nicht bei einem Top-Ten-Klub in Deutschland ein Spieler sein, der vorangeht. Aber klar: Ich schätze auch Berlin als Stadt mit all den Möglichkeiten.

Ihre sportliche Entwicklung ist wirklich positiv. Warum ist das so?

Es gab Phasen in Salzburg, da war ich nicht einmal Stammspieler oder Monate verletzt. Da haben viele gemeint, dass aus mir eh nix mehr wird. Vor allem die Zeit meiner vielen Verletzungen war sehr hart. Ich habe aber immer an mich geglaubt, jugendlichen Leichtsinn weggesteckt und gewisse Dinge drastisch geändert. Deshalb wäre es schade, wenn man jetzt wegen eines Fotos mein Image verzerrt.

Was haben Sie denn konkret verändert?

In erster Linie mein Umfeld, das ich auf zwei, drei richtig gute Freunde reduziert habe. Zuvor waren mehr Leute dabei, mit denen ich abgehangen bin, wo man vielleicht sagt: Ich war nur zu 98 Prozent auf Fußball fokussiert. Man will halt dann andere Sachen auch machen.

Welche Leute waren das, und welche Sachen wollten Sie machen?

Das waren alles super Jungs, aber es war zu viel Ablenkung. Bei einem großen Freundeskreis will jeder immer etwas oder sich treffen. Aber irgendwann hat es Klick gemacht und ich hab’ gesagt: „Hey Jungs, ich bin jetzt mal raus für die nächste Zeit.“ Ich musste diese Zeit in meine Karriere investieren, auch weil der Körper Ruhe und Regeneration braucht. Die Jungs, die es verstanden haben, sind heute noch an meiner Seite. Ich habe mir dann privat einen Ernährungsberater genommen und mich auch bezüglich meines Schlafes beraten lassen. Wann und wie lange es wichtig ist, zu schlafen. Auch am Spieltag. Wenn man sich ansieht, wie verletzungsanfällig ich in Salzburg war und dass ich jetzt seit eineinhalb bis zwei Jahren keine Verletzung habe, war das wirklich ein Schritt in meiner Karriere.

Was würden Sie heute beruflich tun, wären Sie nicht Fußballer geworden?

Schwer zu sagen. Seit ich fünf Jahre alt war, wollte ich Fußballer werden und hab’ nur daran gearbeitet.

Welche Dinge abseits des Fußballs interessieren Sie?

Ich habe eine Liebe zur Musik entwickelt und mir vorgenommen, 2019 noch ein Instrument zu lernen. Ich habe letztes Jahr schon mit dem Keyboard angefangen, jetzt würde mich Gitarre interessieren. Das ist auch ein kleiner Traum, später mal selber Musik zu machen.

Was sind Ihre Ziele im neuen Jahr?

Ich will in Berlin meine guten Leistungen bestätigen und zwei, drei Scorerpunkte mehr machen. Und ich will die Konstanz, die ich in Berlin habe, auch beim Nationalteam hineinbekommen.

Sie waren im Grunde Offensivspieler, spielen in Berlin aber jetzt Außenverteidiger. Wo liegt Ihre Zukunft?

Ich sehe mich als Allrounder. Wenn es als rechter Verteidiger so läuft wie zuletzt, macht es dort auch Spaß. Es gibt in ganz Europa nicht so viele Außenverteidiger mit Offensivdrang, und deshalb entsteht da auch Interesse. Das ist zu einer großen Zukunftsoption geworden.

Welche Optionen tun sich denn auf?

Es gibt Interesse von verschiedenen Klubs, das arbeitet mein Berater Max Hagmayr ab. Ich will jedenfalls bis Sommer in Berlin bleiben.