Kein Hahn kräht nach den Gockeln
Es sind Typen wie Zlatan Ibrahimovic, Cristiano Ronaldo oder – wenn wir in Österreich bleiben wollen – Marko Arnautovic, die die Gemüter der Zuschauer erregen. "Der is so arrogant, i hoss eam!", hat man wahrscheinlich über sie alle in diversen Wirtshäusern schon einmal gehört. Der eine hat bei einer Größe von 1,95 Metern die Nase noch 20 Zentimeter weiter oben, der zweite steht beim Freistoß da wie der Held im Italowestern beim Duell, der dritte ruft nach seinem – zugegeben – Traumtor in einem Freundschaftsspiel etwas wie "I’m the big Boss" in die Kameras. Muss denn das sein?
Es muss.
Oft ist es schwer, das Können des Spielers abgetrennt von dessen gockelhaften Auftreten zu betrachten. Auch wenn aus den Reihen der arrogantesten Typen tatsächlich manchmal die besten Fußballer kommen.
Oder umgekehrt.
Wir mögen sie nicht, die Gockel. Und gleichzeitig lieben und brauchen wir sie. Denn was wäre ein Fußballmatch ohne ein bisschen gesundem Hass? Wüssten wir Otto-Normal-Österreicher dann überhaupt, zu wem wir bei einer Europameisterschaft ohne österreichische Beteiligung halten sollen? Wäre uns dann nicht einfach wurscht, wer die EM gewinnt?
Klar, die Mannschaft, die den schöneren Fußball spielt, die Spieler, die bei unseren Lieblingsklubs verpflichtet sind oder der sympathischste Trainer.
Aber die Gockel geben uns Orientierung, sie geben uns Emotionen und sie geben uns Gesprächsstoff.
Cristiano Ronaldo erklärt sich übrigens die Tatsache, dass er während der Spiele so oft ausgepfiffen wird so: "Die Leute sind neidisch, weil ich reich, schön und ein guter Fußballer bin." Zlatan Ibrahimovic, der 2009 für 50 Millionen Euro (und Samuel Eto’o) von Inter zu Barcelona wechselte, hatte für die Pfiffe der Inter-Fans bei seinem ersten Auswärtsspiel in Mailand im Barça-Dress seine eigene Logik: "Offensichtlich hingen sie an mir."
Karoline Krause ist Redakteurin in der KURIER-Außenpolitik.
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