Sport | Fußball
26.07.2018

Karl Daxbacher: "Wir müssen uns etwas zutrauen"

Die Austria-Legende kehrt mit Aufsteiger Innsbruck nach Wien-Favoriten zurück.

Karl Daxbacher hat in Innsbruck einen neuen Kosenamen verpasst bekommen: Sir Karl wird dort auch Mister 44 genannt. „Weil du beim Karl das Gefühl hast, dass der Puls nie über 44 geht“, meint General Manager Alfred Hörtnagl.

Tatsächlich kann den 65-Jährigen kaum etwas aus der Ruhe bringen. Auch vor dem Saisonstart am Freitag bei der Austria (20.45 Uhr) ist Daxbacher die Gelassenheit in Person. Nur eines irritiert den Niederösterreicher: „Ich muss immer überlegen: ,Wie heißt das Austria-Stadion jetzt gleich noch einmal?‘ Egal, für mich wird es immer das Horr-Stadion bleiben.“

KURIER: Was bedeutet denn Ihnen die Austria?

Karl Daxbacher: Die Austria ist praktisch mein ganzes Fußballerleben. Ich bin mit 18 Jahren hin und erst mit 32 wieder weg. Dabei habe ich mir selbst nie zugetraut, jemals bei der Austria zu spielen. Wie ich als Junger das Angebot bekommen habe, wollte ich am Anfang gar nicht hingehen.

Warum das?

Weil ich geglaubt habe, dass ich eh keine Chance habe. Und dass sie mich nach einem Jahr wieder wegschicken würden. Dass ich dann eine so lange und auch erfolgreiche Zeit bei der Austria verbracht habe, war sehr speziell. Aber eine noch größere Auszeichnung war es für mich fast, dass ich Trainer der Kampfmannschaft werden durfte.

Und das für dreieinhalb Jahre.

Dreieinhalb Jahre, das ist für einen Austria-Trainer eigentlich eine Ewigkeit. Das Einzige, was mich noch immer ein bisschen wurmt, ist der verpasste Meistertitel. Es hätte damals hinhauen können.

Lassen Sie uns über Ihren jetzigen Verein sprechen. Welche Rolle kann und soll Aufsteiger Innsbruck spielen?

Im Idealfall eine sehr gute. So wie die Aufsteiger der vergangenen Jahre. Aber um das zu schaffen, werden wir uns definitiv steigern müssen. Die Spieler müssen den nächsten Schritt machen. Wenn uns das nicht gelingt, dann werden wir es in dieser Liga brutal schwer haben.

Sie wissen, wovon Sie reden: In St. Pölten sind Sie 2016 im Herbst entlassen worden.

Wir sind damals mit Punkterekord Meister geworden und hatten dann in der Bundesliga große Probleme.

Was waren denn die Probleme? Und welche Lehren haben Sie daraus gezogen?

Die Spieler, die wir geholt hatten, waren keine Verstärkungen. Da sind Holländer gekommen und andere, das waren leider auch noch so introvertierte Typen. Dadurch sind das Mannschaftsgefüge und der Teamgeist ein bisschen zerstört worden. Was dann passiert, das kennt man ja.

Nämlich?

Wenn es nicht läuft, bricht alles auf. Dann kommen die Sachen ans Tageslicht, die sonst unter der Decke bleiben. Dann passt plötzlich das Verhältnis zwischen Mannschaft und Trainer nicht mehr, zumindest heißt es dann oft so. Dann beklagt man sich über dieses und jenes. Was vorher so super und toll war, ist dann auf einmal sehr schlecht.

Regt Sie so etwas auf?

Ich sehe das mittlerweile realistisch und lass’ das alles auch nicht mehr so an mich heran. Ich bin jetzt in einem Alter, in dem mich das nicht mehr aufregt. Ich brauch’ auch keinem mehr etwas zu beweisen. Das einzige, was ich will: mit Wacker möglichst weit oben zu stehen.

Manche in Tirol träumen sogar von den Top sechs.

Grundsätzlich ist das jetzt nicht zu hoch gegriffen, weil in der Vergangenheit andere Aufsteiger auch schon gezeigt haben, was möglich ist. Für uns geht es darum, in den ersten Spielen erfolgreich zu sein und möglichst viele Punkte zu holen. Wir haben nichts davon, wenn die Leute sagen, dass wir gut mithalten, aber wir holen dann keine Punkte.

Ist die Austria denn ein dankbarer Auftaktgegner?

Bei der Austria haben sie die drei Punkte wahrscheinlich schon eingerechnet. Das Umfeld und die Fans zumindest. Für uns wird der Spagat schwierig. Wir müssen uns dort was zutrauen, aber wenn wir zu frech auftreten, dann kann’s passieren, dass du vielleicht eine ordentliche Watsch’n kriegst.

Österreichs Bundesliga wird gerne einmal belächelt.

Vieles hat mit der Optik zu tun. Wenn man irgendwelche Plätze sieht, auf denen keine Stimmung herrscht und die Tribünen leer sind, wirken Spiel und Niveau viel schlechter. Den großen Zuschauerboom werden wir wohl nie erleben. Das war zu meiner aktiven Zeit aber nicht anders: Wir waren mit der Austria extrem erfolgreich und hatten 3000 Zuschauer.

Apropos alte Zeiten: Joachim Löw hat kürzlich im KURIER-Interview gemeint, dass die heutige Spielergeneration komplett anders ticke.

Ich finde ja, dass sich die Spieler grundsätzlich zum Positiven verändert haben.

Inwiefern?

Allein schon, weil sie heute viel professioneller sind als die frühere Generation. Sie beschäftigen sich auch mehr mit dem Fußball. Früher hat es sicher mehr Schlitzohren gegeben und Typen, die echte Gfrasta waren, wie man sagt. Damals sind die Fußballer eher aus dem Arbeitermilieu und einfachen Verhältnissen gekommen. Deshalb hat’s auch gerne geheißen: Die Fußballer sind primitiv. Heute sind das fast alles wohlerzogene Spieler mit Schulausbildung und Matura.

Zur Person

Karl Daxbacher wurde am 15. April 1953 in St. Pölten geboren und wuchs in Statzendorf auf. Er spielte bei der Austria (1971 – 1985), Krems (1985/’86) und sechs Mal im Team. Als Trainer kam er via Statzendorf zu Krems, Würmla, Horn, St. Pölten, den Austria Amateuren (Aufstieg Erste Liga 2005), dem LASK (Aufstieg Bundesliga 2007), der Austria, dem LASK (Aufstieg Erste Liga 2014), St. Pölten (Aufstieg Bundesliga 2016) und 2017 nach Innsbruck (Aufstieg Bundesliga 2018).