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Sport | Fußball
03/20/2019

Kaltstart für Österreich: Polen-Alarm zum Frühjahrsauftakt

Wie Teamchef Franco Foda in der EM-Qualifikation einen Fehlstart gegen den Gruppenfavoriten verhindern will.

Es wird endlich ernst. Eineinhalb Jahre hat sich das österreichische Nationalteam mit Chef Franco Foda auf diesen Moment vorbereitet, „jetzt geht es endlich los mit der Quali“, freut sich Kapitän Julian Baumgartlinger auf das EM-Quali-Duell mit Polen am Donnerstag (20.45 Uhr/live ORFeins) im Wiener Prater. Die Nations League im vergangenen Jahr war bekanntlich nur der Plan B, quasi das Fangnetz für die EURO-Teilnahme. Diese Absicherung hat Österreich nicht genützt, muss sich daher über die Quali zur Endrunde 2020 schießen. „Dieses Kalenderjahr steht ganz in diesem Zeichen“, weiß Baumgartlinger.

Eineinhalb Jahre hat man sich eine Identität erarbeitet, ein Gesicht zugelegt, das es nun zu wahren gilt. Das rot-weiß-rote Selbstverständnis schreibt vor, dass man daheim vor den eigenen Fans, rund 40.000 werden es gegen Polen sein, ein dominantes Spiel praktizieren möchte. „Wir müssen unsere Vorgaben durchziehen“, fordert ein zuversichtlicher Baumgartlinger.

Sein Teamchef, Franco Foda, sitzt daneben und nickt zustimmend. „Die Offensiv-Qualitäten der Polen sind hinlänglich bekannt. Wir müssen daher kompakt stehen, dürfen ihnen keine Räume geben.“ Und dann der Fingerzeig, der besondere Aufmerksamkeit einfordert: „Wir spielen zu Hause. In solch großen Spielen ist es wichtig, dass wir an unsere Qualitäten glauben.“

Die Vorzüge

Und die wären? „Wir haben uns mehrere Systeme erarbeitet, sind flexibler geworden, können die Systeme auch während eines Spiels variieren und auf den Gegner schnell reagieren“, sagt der Kapitän optimistisch. Foda bestätigt: „Wir sind auf alle Eventualitäten vorbereitet.“ Beispielsweise, ob die Polen mit einer Spitze oder zwei Angreifern vorstellig werden.

Dementsprechend kann er mit einer Dreier- oder Viererabwehr kontern, wobei ein Verteidiger-Trio erwartet werden darf mit den Routiniers Hinteregger und Dragovic, sowie dem Neuling Posch. Denkbar wäre auch, dass Foda aber auf Routinier Prödl vertraut, wenngleich dieser keine Spielpraxis mitbringt.

Hinten dicht

„Eine stabile Defensive ist die Basis für eine Qualifikation“, verweist Foda auf den Umstand, dass „wir zuletzt wenige Gegentore erhalten haben.“ Auch diesmal müsse man sich vor den polnischen Kontern hüten. „Sie sind sehr variabel und schalten gut in die Offensive um“, warnt der Deutsche.

Im Mittelfeld plagt Foda die Qual der Wahl. Gleich für welche Variante er sich entscheidet, es werden zwei bis drei Spieler auf der Bank Platz nehmen müssen, die sich absolut einen Fixplatz in der Startelf verdient hätten. Nur im Sturm herrscht eine Flaute, die durch die Ausfälle von Burgstaller, Wolf und Gregoritsch noch heftiger ausfällt. So muss Marko Arnautovic die Fahnen der Angreifer hochhalten und für die nötigen Tore sorgen.

UEFA EURO 2020 QUALIFIKATION: ÖFB-TEAM-TRAINING

Neu ist im Vergleich zur letzten EM-Quali nicht nur der Teamchef, auch viele junge Spieler sind nachgerückt. „Dennoch kann man die zwei Teams schwer vergleichen“, so Baumgartlinger, „weil die Kaderstruktur eine andere ist. Die Konkurrenz ist vorhanden, die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Qualifikation sind da.“

Blut geleckt

Die verpatzte EURO 2016 hat der Kapitän nicht aus seinem Kopf gestrichen. „Natürlich ist das eine zusätzliche Motivation. Wir haben damals Blut geleckt, da will man wieder bei einer EURO dabei sein.“ Um den Wunsch Realität werden zu lassen, muss Österreich nicht nur daheim gegen Polen, sondern auch am Sonntag in Haifa gegen Israel bestehen.

Der Start in die Qualifikation hätte freilich leichter ausfallen können, doch „so sind die Sinne gleich geschärft“, nimmt Baumgartlinger die Gegner ohnehin wie es die Auslosung vorschreibt. Arnautovic versichert: „Unsere Motivation wäre ebenso hoch, würde es jetzt gegen Lettland oder Nord-Mazedonien gehen.“ Eine Rechentabelle hat Foda jedenfalls nicht. „Wir würden uns einfach über einen Sieg freuen. Aber leider gibt es da noch einen Gegner.“