Thomas Steiner pfiff von 1998 bis 2009 selbst in der Bundesliga

© Georg Diener/DIENER/Leena Manhart

Sport Fußball
02/22/2019

"Jedem Schiedsrichter ist bewusst, dass es um viel geht"

Thomas Steiner erklärt, nach welchem Schema er die Referees für Bundesliga-Spiele aussucht.

von Alexander Strecha

Über zehn Jahre lang hat Thomas Steiner selbst Spiele in der Bundesliga gepfiffen. Seit einigen Jahren analysiert der Wiener im ORF bei Großereignissen wie der Champions League oder zuletzt der WM in Russland die Entscheidungen der Referees. Verantwortungsvoll und manchmal auch pikant ist Steiners Funktion als Schiedsrichter-Besetzer im Rahmen der österreichischen Bundesliga. Bis zu sechs Stunden, und das ehrenamtlich, macht er sich pro Woche darüber Gedanken, welchen Unparteiischen er zu welcher Partie entsendet. Grund genug, um vor der heißesten Phase der Saison darüber zu sprechen.

KURIER: Sie haben einen heiklen Job. Wie oft gibt es Beschwerden oder gar Wünsche Seitens der Vereine?

Thomas Steiner: Ich mache das jetzt seit eineinhalb Jahren. Es hat sich noch nie ein Verein bei mir gemeldet, dass ich bei der Besetzung auf irgend etwas Rücksicht nehmen soll. Ich glaub’, dafür bin ich schon zu lange dabei im Bundesliga-Getriebe, seit 1993, dass ich abschätzen kann, wenn heute irgendwo ein Problem war bei einem Schiedsrichter oder Assistenten, dass ich den nicht im nächsten Monat oder vielleicht sogar ein halbes Jahr wieder dort hinschicken muss. Es gibt für keinen Verein eine Garantie, dass er diesen oder jenen Schiedsrichter nicht hat. Das gibt’s nicht.

Welche Spiele sind aus Ihrer Sicht die brisantesten?

Das liegt auf der Hand, das ist das Wiener Derby, die Spiele der Großen mit Rapid, Austria, Salzburg und Sturm und dem LASK, der auch ein fanatisches Publikum hat. Man darf aber die anderen Spiele auch nicht unterschätzen. Ich erinnere mich an eine Partie aus meiner aktiven Zeit zwischen Mattersburg und Innsbruck, in der ich innerhalb einer halben Stunde eine Fülle von Gelben Karten gehabt habe, weil sie sich an diesem Tag einfach nicht gern’ g’habt haben. Als Schiedsrichter kann man sich nie darauf verlassen, dass man heute einmal eine ruhigere Partie hat. Aber jeder weiß, dass bei den sogenannten Spitzenspielen der mediale Druck größer ist.

Wonach gehen Sie bei den Besetzungen vor?

Zunächst einmal kommen nur Schiedsrichter aus neutralen Bundesländern infrage, dadurch sind die Möglichkeiten schon eingeschränkt. Dazu wollen wir, dass zumindest drei Runden zwischen dem Wiedersehen eines Schiedsrichters und einer Mannschaft liegen. Und dann ist es meine Verantwortung, zu beurteilen, ob das jeweilige Spiel gerade die Möglichkeit bietet, einem jungen Kollegen die Chance zu geben, oder ob es so brisant ist, dass ich einen Routinier schicken muss. Unter all diesen Umständen ergibt sich dann meist ohnehin eine logische Wahl.

Ist diese Regelung, dass der Schiedsrichter aus einem neutralen Bundesland kommen muss, noch zeitgemäß? Gibt es Tendenzen, sie fallen zu lassen?

Leider nein. Das war noch nie ein Thema. Wir haben nur einmal darüber gesprochen, ob wir die Admira zu einem „Großraum Wien“ dazu nehmen. Aber wo hört man dann auf? Nach St. Pölten sind es ja auch nur ein paar Kilometer mehr. Wenn, dann kann es nur von den Vereinen ausgehen. Die Klubs müssten sagen: „Okay, wir nehmen zur Kenntnis, dass der Lechner aus dem Wiener Verband Salzburg gegen Rapid pfeift. Es den Vereinen aufs Aug’ zu drücken, das geht aber nicht.

In den nächsten vier Runden geht es um sehr viel. Werden da auch die Schiedsrichter vermehrt unter Druck stehen?

Das werden die Spiele zeigen. Jedem Schiedsrichter ist bewusst, dass es um viel geht, jeder kennt die Tabelle. Sicher wird die Anspannung steigen, aber ich glaube nicht, dass sich das auf ihre Entscheidungen auswirken wird.

Wie dringend braucht die Bundesliga den Video-Assistant-Referee?

Auch wir wären dafür, dass er so rasch wie möglich eingeführt wird. Wir hatten bei unserem Seminar den Holländer Jaap Uilenberg von der Schiedsrichter-Kommission der UEFA zu Gast. Er hat uns klar vermittelt, dass international der Weg nur noch über den Video-Schiedsrichter führt. Da sollten wir Schiedsrichter und auch wir als Liga nicht hinten nach hängen.

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