Sport | Fußball
11.10.2018

"Jankos Nominierung sollte jüngeren Stürmern zu denken geben"

Der ehemalige Teamgoalie spricht über seinen neuen Job in Mattersburg und wie er die Lage im ÖFB-Team sieht.

Sie sind momentan beim SV Mattersburg in Personalunion als Sportlicher Leiter und Tormann-Trainer tätig. Wie lassen sich diese beiden fordernden Ämter miteinander vereinbaren?

Robert Almer: Ehrlich gesagt sehr schwer. Wenn man beide Ämter mit dem Qualitätsanspruch ausführen will, den ich an mich selbst stelle, tut man sich sehr schwer. Der Tag hat nun einmal nur 24 Stunden. Da sollte man auch ein bisschen schlafen und natürlich möchte ich auch so viel Zeit wie möglich mit meiner Familie verbringen.

Sehen Sie das neue Liga-System allgemein als Verbesserung an?

Nachdem das System so neu ist, kann ich hier noch keine seriöse Bewertung abgeben. Aus Spielersicht war es im alten System aber sicher nicht attraktiv, viermal gegen die gleichen Teams zu spielen. Speziell die Möglichkeit, in der unteren Tabellenhälfte einen internationalen Startplatz zu ergattern ist attraktiv. Früher hatte man das als Verein in der unteren Tabellenhälfte ab einem gewissen Zeitpunkt nicht mehr.

Glauben Sie, dass ein Abstiegsplatz in dieser Liga aus zwölf Teams zu wenig sein könnte? Würden es zumindest zwei Plätze oder ein Relegationssystem nicht spannender machen?

Ich glaube, dass die Kapazitäten des kleinen Landes mit zwölf Profivereinen in der höchsten Spielklasse nahezu ausgeschöpft sind. Würde es mehr Abstiegsplätze geben, würde es eine höhere Fluktuation geben, was dazu führt, dass mehrere Vereine auf dieses Level der Professionalität heranwachsen müssten. Das sehe ich momentan für Österreich einfach als utopisch an.

Letztes Jahr sind Fan-Stimmen laut geworden, die eine Alpenliga mit den besten Teams der Schweiz und Österreich gefordert haben, was halten Sie davon?

Ich glaube unterhalten kann man sich ja über viele Gedankenspiele und der Gedanke ist grundsätzlich auch spannend. Im Moment sehe ich es aber einfach als unrealistisch an. Es würden schlicht zu viele Probleme auftreten - aus welchem Land kommen die Schiedsrichter, welcher Verband leitet das Ganze, wie erhält man dafür die Genehmigung der UEFA, ist es wirtschaftlich überhaupt sinnvoll, etc.

Der SV Mattersburg hat, wie viele andere kleine Vereine, immer wieder mit einem geringen Zuschauerschnitt zu kämpfen. Glauben Sie, dass hier Verbesserungsbedarf in Puncto Marketing oder den Ticketpreisen besteht?

Ich bin zu kurz beim SV Mattersburg, um diese Frage beantworten zu können und bin auch nicht im Marketing tätig. Die große Frage, der man meiner Meinung nach allerdings nachgehen müsste, ist aber warum Fans, die vor einigen Jahren regelmäßig in das Stadion gekommen sind, das nicht mehr tun. Als ich noch beim SV Mattersburg gespielt habe, hatten wir sehr gute Zuschauerschnitte – Dieser Bewegung müsste man auf den Grund gehen.

FBL-EURO-2016-MATCH24-POR-AUT

Teamchef Franco Foda hat den 35-jährigen Marc Janko für das anstehende Spiel nominiert, nachdem etliche Stammkräfte verletzungsbedingt ausfallen. Sie haben in Ihrer Zeit als Aktiver selbst mit Janko gespielt, seither sind aber einige Jahre vergangen. Halten Sie es für sinnvoll, einen so alten Spieler nochmals zu nominieren? Sollte man nicht eher frischen Spielern eine Chance geben?

Wenn der Teamchef Marc Janko einberuft, dann wird das einen guten Grund haben. Er kennt die Qualitäten von Marc Janko wie von allen anderen Stürmern. Die Einberufung eines 35-jährigen Stürmers sollte allerdings den jüngeren Spielern zu denken geben. Denn scheinbar ist dieser zum Zeitpunkt X die beste Wahl. Das sollte dazu führen, dass sich die jungen, hungrigen Spieler selbst an die Nase greifen und alles dafür tun, um beim nächsten Mal selbst die beste Wahl zu sein.

 

Wie beurteilen Sie die Ära Foda bisher?

Das ist als Außenstehender schwer zu sagen. Man sieht zwar die Ergebnisse, wie im Hintergrund gearbeitet wird allerdings nicht. Fakt ist: Wenn die Ergebnisse stimmen, arbeitet man im Auge der Öffentlichkeit gut, wenn sie nicht stimmen, dann nicht. Zunächst waren die Ergebnisse ja sehr positiv, jetzt sind erstmals Probleme aufgetaucht. Spannend wird es, jetzt zu sehen, wie das Team damit umgeht und wie sie die Niederlage gegen Bosnien verarbeiten konnten.

Sie waren selbst ein sehr beliebtes Mitglied des ÖFB Teams im Auge der Öffentlichkeit. Wird man da manchmal reumütig? Sehen Sie sich in der Zukunft irgendwann als Tormann- oder gar Cheftrainer des österreichischen Nationalteams?

Das ist jetzt ganz schwer zu sagen, die Dinge können sich rasch verändern. Vor vier Monaten sah noch alles ganz anders aus - da wollte ich erstmal Urlaub machen und mein Studium beenden, jetzt bin ich Sportlicher Leiter des SV Mattersburg. Ich sage nicht, dass mich irgendwann in der Zukunft solch eine Position nicht reizen würde, aber momentan bin ich sehr zufrieden in meiner Position und will hier einfach gute Arbeit leisten.