Sport | Fußball
25.04.2018

Hickersberger: „Wären heute mit unserm Cordoba-Stil chancenlos“

Ex–Teamchef Pepi Hickersberger spricht vor seinem 70er über Cordoba, Rapid, Fans, Heynckes, und den Islam.

Er hatte es als Spieler und Teamchef zur WM-Teilnahme gebracht. Stürmte für Austria u n d Rapid, holte mit beiden Klubs (auch als Trainer) Titel. Hat sich, zumal als Fußball-Intellektueller geltend, nicht überall beliebt gemacht.

Nach turbulenten Engagements in islamischen Ländern ließ sich Josef Hickersberger zu Jahresbeginn zum Eintritt in den Rapid-Beirat überreden. Seinen 70.Geburtstag wird Hickersberger am Freitag aber nicht in Hütteldorf, sondern vor der Haustür seines Zweitwohnsitzes an der spanischen Costa del Sol erleben. Golfspielend – sofern dies sein künstliches Kniegelenk erlaubt.

Wie werden Sie Ihren 70. Geburtstag feiern?

Josef Hickersberger: Mein 70er wird nicht gefeiert. Weshalb soll ich noch feiern, dass ich alt werde.

Aber Sie sind, obwohl unter gesunheitlichen Spätfolgen ihrer Legionärs-Karriere laborierend, immer noch am Ball?

Auf dem Golfplatz. Nur fliegen dort meine Bälle nicht mehr 220 Meter, sondern maximal 190 Meter weit.

Ist der heutige Fußball noch mit jenem zu vergleichen, bei dem sie (1990 bzw. 2008) Endrunden-Teamchef waren?

Der Fußball ist viel schneller und athletischer. Aber auch technisch besser als 1990 und 2008.

Welcher Spieler fasziniert Sie aktuell am meisten?

Messi.

Jupp Heynckes wird im Mai 73 Jahre alt und zugleich deutscher Meister. Und vielleicht Champions League-Sieger mit den Bayern. So gesehen könnte auch Sie als „Jüngling“ noch eine Rückkehr auf die Trainerbank reizen.

Ich kenn’ Jupp schon als Spieler bei der Borussia in Gladbach. Später haben wir einmal gemeinsam in einer UEFA-Kommission zusammengearbeitet. Er ist ein Phänomen. Für mich kommt eine Rückkehr auf die Trainerbank nicht mehr in Frage.

Bayern oder Real Madrid? Wer wird das Champions League-Finale erreichen?

Real. Auf jeden Fall werde ich das Spiel heute Abend bei einem guten Glas spanischem Rotwein genießen.

Als bekannt wurde, dass sie heuer Rapid-Beirat wurden, hieß es in den sozialen Netzwerken, dass Ihr Engagement dem SK Rapid nur Geld koste.

Ein Glas Mineralwasser und ein kleiner Brauner pro Beiratssitzung. Aber keine Sorge. Das zahle ich schon aus der eigenen Brieftasche.

Was sagt der Rapid-Beirat zum aktuellen Trainer-Thema? Soll Goran Djuricins Vertrag verlängert werden?

Der Beirat hat keine Sitzung. Und ich bin nicht der Freddy Bickel. Prinzipiell habe ich nie negativ über Trainerkollegen geredet. Daher äußere ich mich auch über Djuricin nur positiv.

Schon vor Jahren, als Thomas Hickersberger Assistent von Peter Stöger bei Vienna war, sagten Sie, dass Ihnen Ihr Sohn, der seit Winter wieder Co-Coach bei Rapid ist, als Spin-Doctor im Fußball taktisch überlegen sei. Stehen Sie noch zu dieser Meinung?

Ich bin sehr stolz auf meinen Sohn. Er hat mehr Wissen über den Fußball als ich.

Hätte die legendäre Cordoba-Mannschaft der 78-er-Generation heute noch eine Chance?

Nein. Kein Chance.

Sie waren am 3:2 gegen Deutschland vor bald 40 Jahren im argentinischen Cordoba stark mitbeteiligt? Waren als Spieler mit Austria und Rapid Meister. Qualifizierten sich als Teamchef für eine WM. Konterten als Düsseldorf-Trainer den FC Bayern in München einmal per 1:0-Sieg taktisch aus? Woran erinnern Sie sich am liebsten?

An eine abenteuerliche Spielbeobachtung von Hekari United in Port Morisby, der Hauptstadt von Papua Neuguinea. Hekari war im FIFA-Club-Weltcup Gegner von Al Wahda Abu Dhabi, wo ich Trainer war. Ich flog First Class via Sydney und sah danach nur die zweiten Halbzeit, weil der Taxifahrer das Stadion nicht fand.

Was haben Sie in Ihrer Karriere am meisten bereut?

Den Weggang als Spieler von Fortuna Düsseldorf zu Wacker Innsbruck. Düsseldorf spielte in der nächsten Saisonsaison das Europacupfinale gegen Barcelona und Wacker in der zweiten Liga.

Sie waren Meistertrainer und Teamchef in arabischen Ländern, galten - so wie Alfred Riedl - als d e r Spezialist im Umgang mit moslemischen Spielern. Wie ist heute Ihr Verhältnis zum Islam?

Ich hatte als Trainer in Bahrain, Katar, Ägypten und in den Emiraten immer alle Sitten und Gebräuchen des Islam zu akzeptieren. Das war Bestandteil meiner Verträge. Jetzt tue ich es einfach aus Gewohnheit weiter.

In der Champions League trumpfen ägyptische Legionäre auf. Was trauen sie als ehemaliger Klubtrainer in Kairo der ägyptischen Nationalmannschaft bei der bevorstehenden WM in Russland zu?

Ägypten zählt zu den Geheimfavoriten.

Stadionverbote in Wien-Hütteldorf wurden wieder zurückgenommen. Immer mehr friedliche Rapid-Anhänger distanzieren sie sich vom Block West. Beim Derby hat ein Austria-„Fan“ eine Fotografin verletzt. Können Sie die Toleranz der Vereinsführungen gegenüber Hooligans nachvollziehen?

Toleranz gegenüber gewalttätigen Hooligans halte ich für eine völlig falsche Strategie.