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Analyse
11/02/2019

Geheimer Vergleich: Wie viel Rapid an die Strabag zahlen musste

2017 erhielt Rapid vom Erbauer des Allianz-Stadions eine Millionenklage. Über die Zahlung wurde Stillschweigen vereinbart.

von Alexander Huber

Wenn Raphael Landthaler am Samstag (17 Uhr) Rapid gegen St. Pölten auf der Tribüne verfolgt, ist das für den 44-Jährigen kein Spiel wie jedes andere. Der Finanzchef von Rapid ist SKN-Gründungsmitglied, war später in St. Pölten nicht mehr gefragt, kam als Freelancer nach Hütteldorf und entwickelte sich unter Präsident Krammer zu einem gefragten Finanzexperten – dazu später.

Vor und nach dem Spiel widmet sich Landthaler der Fertigstellung des Geschäftsberichts, der in zwei Wochen veröffentlicht wird. Transparent legt Rapid jedes Jahr dar, wie viel eingenommen und wofür ausgegeben wird.

Weil gerade der Wahlkampf für die Krammer-Nachfolge läuft, ist der Geschäftsbericht von großem Interesse. Ganz besonders eine Zahl: Wie viel musste Rapid der Strabag nach einer Klage des Baukonzerns zahlen? Wird die neue Klubspitze mit geheimen Millionenkosten konfrontiert werden?

Klage über 2,7 Millionen

Der KURIER geht dieser Frage seit Monaten nach. Ebenso Gerhard Weihs von der Mitgliederinitiative "Rapid bin ich". Weihs sieht Krammer und seine aktuellen Mitstreiter äußerst kritisch und wünscht sich Veränderung an der Klubspitze. Er befürchtet, dass ein für Rapid sehr negativer, weil teurer Vergleich mit der Strabag geschlossen wurde. "Darauf deutet der letzte Geschäftsbericht hin: Die ,sonstigen Rückstellungen‘ wurden um 1,8 Millionen auf 2,9 Millionen Euro erhöht. Warum sollte diese Summe sonst so gestiegen sein?"

Konkret geht es darum, dass Rapid von der Strabag 2017 auf 2,76 Millionen verklagt wurde: Das Fundament für das Allianz Stadion war aufwendiger als angenommen, weil der Baugrund in Hütteldorf nicht die aufgrund von Erfahrungen aus älteren Bauvorhaben zu erwartende Festigkeit hatte.

  • 54,4 Millionen Euro ...

... kostete Rapid das Stadion, 20 davon kamen von der Stadt. 

  • 2,76 Millionen Euro ...

... klagte Totalunternehmer Strabag von Rapid ein, weil das Fundament teurer war als erwartet.

  • 1,5% Mehrkosten ...

... nannte Präsident Krammer im Podcast 1899fm – das wären 820.000 Euro für den (geheim gehaltenen) Vergleich.  

Der Totalunternehmer hatte eng kalkuliert, um den Auftrag inklusive Fixpreis für den Prestigebau zu bekommen. Dem Vernehmen nach versenkte der Konzern Millionen, um den Grund vor dem Tribünenbau zu stabilisieren. Gegenüber den Strabag-Aktionären soll die Klage fast Pflicht gewesen sein.

Stillschweigen

Was sagt die Strabag heute dazu? Nur einen einzigen Satz: "Rapid hat an uns eine Zahlung geleistet."

Nikolaus Rosenauer, der seit der Ära Edlinger den Verein in juristischen Belangen berät, sagt: "So wie bei manchen Transfers wurde Stillschweigen vereinbart. Das ist schade, weil wir gerne mehr Details zur Erfolgsgeschichte Stadionbau veröffentlichen würden. Wir haben viele internationale Klubs zu Gast. Da glaubt uns keiner, dass alles zusammen nur 54 Millionen gekostet hat. Das Stadion gilt als Best-Practice-Beispiel in Europa." 20 Millionen steuerte übrigens die Stadt Wien als Zuschuss bei.

FUSSBALL TIPICO BUNDESLIGA: PK - SK RAPID WIEN: KRAMMER

Ende der Geschichte? Nein, denn Krammer hat sich im Gespräch mit dem Fan-Podcast 1899fm verplaudert. Der Präsident spricht von einer Abweichung der Kosten "von 1,5 Prozent". Das wären bei 54,4 Millionen Gesamtkosten nur 820.000 Euro für den Vergleich.

Fest steht, dass ursprünglich zwei Prozent extra für ungeplante Ausgaben budgetiert waren (rund 1,1 Millionen) – und dieser Rahmen wurde laut Rapid nicht ausgeschöpft. Also ein glimpfliches Ende angesichts der Klage über 2,76 Millionen.

Landthaler verweist ebenfalls darauf, dass er nichts zum Vergleich sagen darf. Der St. Pöltner, der Rapid bei den Verhandlungen über Europacup-Reformen vertritt und ins ECA-Board (Europäische Klubvertretung, Anm.) gewählt wurde, betont selbstbewusst: "In der Branche ist bekannt, dass der Bau mit allen Kosten als Benchmark für das günstigste neue mittelgroße Stadion in Mitteleuropa gilt."

Liga will Landthaler

Es könnte übrigens der letzte Geschäftsbericht sein, den Landthaler gestaltet. Sky berichtete, dass er als Nachfolger für Reinhard Herovits und damit als zweiter Bundesliga-Vorstand neben Christian Ebenbauer im Gespräch ist. Landthaler selbst will dazu nichts sagen.

Geschäftsführer Christoph Peschek meint: „Zuletzt haben wir unseren Sales-Chef Jürgen Gruber verloren, weil er Geschäftsführer in seiner ursprünglichen Branche werden konnte. Wenn jetzt ein weiterer verdienter Mitarbeiter für einen der höchsten Posten in Österreichs Fußball im Gespräch ist, beweist das, wie gut sich Mitarbeiter bei uns entwickeln.“ Für den Fall der Fälle wird ein Nachfolger gesucht.