Sport | Fußball
15.08.2018

Ganz Italien liegt Cristiano Ronaldo zu Füßen

Am Wochenende rollt wieder der Ball in der Serie A, und dabei dreht sich alles um den Neuzugang von Juventus.

Das wird’s dann wohl also für unbestimmte Zeit gewesen sein mit der bekannten Fußball-Phrase, wonach ein Spiel 90 Minuten dauere. Im italienischen Calcio, insbesondere aber bei Juventus Turin, herrschen neuerdings andere Gesetzmäßigkeiten, die man in etwa so zusammenfassen kann: Ein Spiel dauert so lange, bis alle Flitzer wieder vom Feld sind.

Der vergangene Sonntag lieferte schon einen kleinen Vorgeschmack darauf, was die Serie A in den kommenden Monaten erwartet. Horden von Tifosi, die alle nur eines wollen: ein Selfie mit Cristiano Ronaldo. Im Idealfall mitten auf dem Spielfeld.

Als der Superstar im Dörfchen Villar Perosa am Sonntag sein Italien-Debüt im Trikot von Rekordmeister Juve gab, dauerte es nicht lange, bis die ersten Fans den Platz stürmten. Selbst die Ordner und Polizisten ließen die Ronaldo-Groupies irgendwann gewähren und gingen lieber selbst auf die Jagd nach einem Schnappschuss.

Der Mann der Träume

Cristiano Ronaldo erfüllt genau jene Sehnsüchte der italienischen Fußballfans, die die Squadra Azzurra zuletzt nicht stillen konnte. Es traf sich perfekt und war von den Marketingstrategen des Rekordmeisters gewiss auch nicht zufällig gewählt, dass Juventus die Verpflichtung des dreifachen Weltfußballers wenige Tage vor dem WM-Finale bekannt gab.

Denn das erstmalige Fehlen bei einer WM-Endrunde seit 60 Jahren hatte der stolzen Fußballnation ordentlich zugesetzt. Das konnte jeder sehen und spüren, der während des Turniers einen Fuß nach Italien setzte. Mit Ignoranz versuchten die Italiener diese Schmach zu tilgen, die Sporttageszeitungen zogen es vor, seitenweise über Transfergeflüster zu berichten statt über die WM ohne den vierfachen Weltmeister.

Der Wechsel des Popstars des Weltfußballs von Real Madrid zu Juventus war der perfekte Schachzug, um die Fußballbegeisterung der Italiener wieder neu zu entfachen, nachdem es mit der Serie A zuletzt zusehends bergab gegangen war. Sogar die Konkurrenten von Juve profitieren vom Portugiesen, viele Klubs verzeichnen einen Anstieg der Abozahlen.

Marketingstrategie

Für Juventus dürfte sich Cristiano Ronaldo ohnehin rechnen. Die Eigentümerfamilie Agnelli hat sich den Portugiesen etwas mehr als 100 Millionen Euro Ablöse kosten lassen, dazu kommen 30 Millionen Euro Jahresgage. Allein durch das Merchandising erwartet man sich bei Juventus Einnahmen in dreistelliger Millionenhöhe.

Ronaldo selbst hat mit dem Wechsel nach Italien auch viele Probleme hinter sich gelassen. Viele glauben ja, dass den 33-Jährigen weniger der sportliche Anreiz als vielmehr die Angst vor den spanischen Steuerfahndern zu Juventus getrieben hat. Nur durch eine Steuernachzahlung in Höhe von 18,8 Millionen Euro war Ronaldo im Sommer einer möglichen Haftstrafe entgangen.

Italien präsentiert sich für den Portugiesen derweil wie ein Schlaraffenland. Die Medien liegen ihm zu Füßen, wie die Gazzetta dello Sport beweist, die Ronaldo bereits zu „CrisTIAMO“ (wir lieben dich) umtaufte. Auch vor dem Finanzamt muss sich der Superstar nicht fürchten: In Italien, so berichtet Der Spiegel, müsse Cristiano Ronaldo nun lediglich 100.000 Euro Steuer-Pauschale für all seine Auslandseinnahmen zahlen.