Sport | Fußball 30.11.2016

Überlebende Chapecoense-Spieler mit schweren Verletzungen

Alan Ruschel ist einer der wenigen Passagiere, die den Absturz überlebten. © Bild: AP/Guillermo Ossa

Goalie Follmann musste das rechte Bein amputiert werden, Helio Neto und Alan Ruschel befinden sich auf der Intensivstation.

Nach dem Absturz einer Chartermaschine der bolivianischen LaMia Airlines, bei dem nur sechs von 77 Passagieren überlebt haben, behandeln die Ärzte die traumatisierten und schwer verletzten Überlebenden. Drei Spieler, ein Journalist und zwei Crew-Mitglieder haben das Desaster überlebt, das brasilianische Fußball-Team Chapecoense soll neu aufgebaut werden.

Die Maschine vom Typ British Aerospace 146 war gegen 22.15 Uhr Ortszeit wegen Problemen in der Elektrik bei Medellin gegen einen Berg gekracht. An Bord war ein Großteil des Fußball-Erstligisten Chapecoense, der sich innerhalb von fünf Jahren von der vierten in die ersten Division gespielt hatte, und war auf dem Weg zum bisher größten Match seiner Geschichte. Chapecoense sollte das Finalhinspiel zum Südamerika-Cup gegen den kolumbianischen Rivalen Atletico National bestreiten.

Inzwischen sind die Namen und der Gesundheitszustand der drei überlebenden Fußballer bekannt. Tormann Jackson Follman droht nach der Amputation des rechten Beins auch eine Amputation des schwer verletzten linken Beins. Verteidiger Helio Neto befindet sich in der Intensivstation und hat ein ernstes Trauma seines Schädels, seiner Brust und seiner Lunge erlitten. Der erste Gerettete, Alan Ruschel, hat Verletzungen an der Wirbelsäule und könnte durch den Unfall querschnittsgelähmt sein. Auch die weiteren Überlebenden - ein Journalist aus Brasilien sowie eine Stewardess und ein Pilot aus Bolivien - erlitten teils schwere Verletzungen.

Inzwischen wurden die beiden Blackboxes der Unglücksmaschine gefunden und auch ein Großteil der Leichen sind geborgen worden. Das Wrack wurde in der Nacht von Soldaten bewacht, Experten aus Bolivien und Großbritannien wurden eingeflogen.

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Fans light candles in tribute to the players of Brazilian team Chapecoense Real killed in a plane crash in the Colombian mountai… © Bild: APA/AFP/NELSON ALMEIDA
Während im Fußball-verrückten Brasilien eine dreitägige Staatstrauer ausgerufen wurde, herrscht weltweite Anteilnahme an der Katastrophe. Beileidskundgebungen von Messi bis Pele trudelten ein, der Bogen des Wembley-Stadions, die Christus-Statue in Rio oder auch der Präsidenten-Palast in der Hauptstadt Brasilia leuchteten in den grünen Farben des Vereins Chapecoense. Der Bürgermeister der 200.000-Einwohnerstadt Chapeco im Süden Brasiliens sagte alle offiziellen Weihnachtsfeiern ab und erklärte eine 30-tägige Trauerphase.

Große Anteilnahme

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TOPSHOT - People surround a church during a mass in memoriam of the players of Brazilian team Chapecoense Real killed in a plane… © Bild: APA/AFP/NELSON ALMEIDA
Tausende Fans, die noch vor wenigen Tagen mit Feuerwerkskrachern und großem Jubel den Aufstieg ihres Klubs ins Endspiel gefeiert hatten, versammelten sich zunächst in einer Abendmesse und füllten die Straßen der Stadt. Danach strömten sie, in den Vereinsfarben grün-weiß, zu einer spontanen Trauerfeier in das Stadion ihres Vereins.
Diego Godin, Carlos Baca
A fan of Brazil's soccer team Chapecoense mourns during a gathering inside Arena Conda stadium in Chapeco, Brazil, Tuesday, Nov.… © Bild: AP/Andre Penner
"Wir sind die Champions!", schrieen sie in Trauer, als Klubvertreter und Verwandte der Verstorbenen einander im Kreis im Mittelfeld die Hände reichten. "Wir sind von einem Traum in einen Alptraum übergegangen", meinte Metallarbeiter Fernando de Oliveira, der seine Arbeit verlassen hatte, um seine weinende Frau und seine zwei Kinder zum Zeichen der Unterstützung ins Stadion zu bringen.
Ana Maria, Henrique Senges, Fernando Jose, Guilher
Holding a statue of Our Lady of Aparecida, Ana Maria is followed by her son Henrique Senges and husband Fernando Jose during a c… © Bild: AP/Leo Correa
Der Vizepräsident des Vereins, Ivan Tozzo, will den Verein wieder aufbauen und nächstes Jahr wieder spielen lassen. "Wir werden den Klub neu aufbauen müssen, neue Spieler verpflichten und viel Geduld haben müssen. Wir möchten nächstes Jahr weitermachen", sagte Tozzo gegenüber der brasilianischen WebsiteGloboesporte.
Fans of Chapecoense soccer team gather in the stre
Fans of Chapecoense soccer team gather in the streets to pay tribute to their players in Chapeco, Brazil, November 29, 2016. REU… © Bild: REUTERS/PAULO WHITAKER
Schon zuvor hatte es zahlreiche Solidaritätskundgebungen anderer brasilianischer Erstligateams gegeben, dem Unglücks-Team Sonderrechte wie das kostenlose Ausleihen von Spielern 2017 sowie einen Nichtabstieg für drei Jahre einzuräumen. "Das ist die geringste Geste an Solidarität, die wir derzeit anbieten können, aber es kommt aus dem tiefsten Wunsch, diesen Klub wiederaufzubauen", hieß es in einem Statement der wichtigsten Vereine des Landes, darunter auch Meister Palmeiras.
( Agenturen , mod ) Erstellt am 30.11.2016