Franco Foda gelang ein Befreiungsschlag, zuletzt stand der Deutsche unter Kritik. 

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Sport | Fußball
06/11/2019

ÖFB-Teamchef Foda schwärmt von "toller Mannschaftsleistung"

Der Teamchef sieht plötzlich gute EM-Chancen und freut sich über härteren Konkurrenzkampf.

Österreichs Fußball-Nationalmannschaft ist in der EM-Qualifikation wieder voll im Rennen. Mit dem 4:1 am Montag in Nordmazedonien holte die ÖFB-Auswahl den zweiten Sieg in Folge, schob sich in Gruppe G auf Rang drei und liegt nur noch einen Punkt hinter dem von Israel gehaltenen zweiten Platz, der zur Teilnahme an der EURO 2020 berechtigt.

Dementsprechend positiv fiel das Resümee von Teamchef Franco Foda aus. "Kompliment an jeden einzelnen Spieler, das war eine tolle Mannschaftsleistung. Der Sieg in dieser Höhe ist absolut verdient." Der Fehlstart mit zwei Niederlagen im vergangenen März wurde nun halbwegs korrigiert. "Die Mannschaft hat beweisen, dass sie dem Druck standhalten kann", sagte Foda.

Nur zwei Schönheitsfehler gab es beim klaren Erfolg in Skopje - das Eigentor von Martin Hinteregger nach Missverständnis mit Goalie Heinz Lindner und die mangelnde Effizienz. "Wenn man etwas kritisieren muss oder darf, dann die Chancenauswertung. Wir hätten das eine oder andere Tor mehr erzielen müssen, doch wir sind zufrieden", erklärte Foda. "Wir haben schon in der ersten Hälfte toll gespielt und hätten 3:1 oder 4:1 führen müssen. Beim Eigentor waren wir leider unaufmerksam, sind aber trotzdem zurückgekommen."

Selbst beim Stand von 0:1 hatte der Teamchef nach eigenen Angaben so gut wie keine Zweifel an einem österreichischen Sieg. "Wir haben ein ähnliches Spiel in Israel erlebt, wo wir auch in der ersten Hälfte viele Chancen vorgefunden haben. Doch ich war mir ziemlich sicher, dass wir es drehen werden, weil wir extrem gut gespielt haben."

Die These, dass die ÖFB-Auswahl die beste Partie seit vielen Monaten ablieferte, wollte Foda nicht bestätigen. "Wir waren über 90 Minuten sehr konzentriert, aber wir haben auch schon in anderen Länderspielen gut kombiniert."

Noten nach dem Nordmazedonien-Match:    
 

Heinz Lindner: Nur er allein weiß, warum er beim Gegentor dermaßen weit aufgerückt ist, wo doch Hinteregger auf den Kopfball ging. Ein schlechtes Timing des Torhüters – das allerdings zumindest an diesem Abend keine ernsthaften Konsequenzen hatte. KURIER-Note 4

Stefan Lainer: Ohne Fehl und Tadel auf der rechten Seite. Er verteidigte solide und schaltete sich bei Gelegenheit in die Offensive ein. KURIER-Note 3

Aleksandar Dragovic: Stark in den Zweikämpfen, fast immer Sieger gegen Pandev. Ein souveräner Auftritt, der in der Pause sein Ende fand. Er musste verletzt in der Kabine bleiben, die Adduktoren schmerzten zu sehr. KURIER-Note 2

Martin Hinteregger: Verbiss die Schmerzen und agierte wie gewohnt stark. Allerdings machte er beim 0:1 keine glückliche Figur und wurde ungewollt zum Torschützen. KURIER-Note 2

Andreas Ulmer: Kam im Spiel nach vorne gut zur Geltung und hatte seine Seite im Griff. KURIER-Note 3

Xaver Schlager: Kampfkräftig, daher auch mit vielen Ballgewinnen und dynamisch im Spiel nach vorne. Der Salzburger punktete mit seiner Präsenz. KURIER-Note 2

Konrad Laimer: In seinem zweiten Länderspiel trat der Leipzig-Legionär auf wie ein Routinier. Er holte sich nicht nur die Bälle, sondern spielte sie technisch sicher in die Spitze. Der Assist zum 1:1 war großes Kino, der Pass auf Sabitzer vor dem Elfmeter wichtig. Überragend. KURIER-Note 1

Stefan Ilsanker: Der Leipziger wurde zur zentralen Figur im defensiven Mittelfeld mit vielen Balleroberungen und gewonnenen Zweikämpfen. Stark, zumal er bei seinem Verein zuletzt nicht mehr erste Wahl war. KURIER-Note 1

Valentino Lazaro: Viel aktiver als gegen Slowenien, mit guten Aktionen und vor allem dem schönen Tor zum 1:1. Hatte sogar den Doppelpack auf seiner Ferse. KURIER-Note 2

Marcel Sabitzer: Der zuletzt Umstrittene war nach seinem kleinen Disput mit dem Teamchef diesmal besonders motiviert. Hätte er seine Chancen genützt, wäre es sein bestes Länderspiel überhaupt geworden. KURIER-Note 2

Marko Arnautovic: Bewegte sich gut als Solist im Angriff und kam auch zu guten Chancen. Ein Spieler seiner Klasse hätte zumindest eine nutzen müssen. Nervenstark aber vom Elferpunkt mit einem humorlosen „Hammer“ unter die Latte. Ein wichtiger Treffer, dem er per Kopf auch noch das 3:1 folgen ließ. KURIER-Note 2

Stefan Posch Der Verteidiger kam nach der Pause für Dragovic und präsentierte sich bei seinem Länderspiel-Debüt unaufgeregt. KURIER-Note 3 Zu kurz eingesetzt: Burgstaller, Schaub.

Sommerurlaub

Auf seine Teamspieler wartet nun mit Ausnahme von Xaver Schlager, Stefan Posch und Philipp Lienhart, die mit dem U21-Team die EM bestreiten, der Sommerurlaub. Weiter geht es für sie in der EM-Qualifikation am 6. September in Salzburg gegen das punktlose Schlusslicht Lettland und vier Tage später in Warschau gegen den makellosen Spitzenreiter Polen. "Jetzt gilt es, die positiven Ergebnisse für den nächsten Lehrgang mitzunehmen", erklärte Foda.

Im September sollten Spieler wie David Alaba, Julian Baumgartlinger oder auch Florian Grillitsch wieder dabei sein, die unter Foda zum Stamm zählen. In Anbetracht der Leistungen jener Kicker, die für die Verletzten einsprangen, dürfte der Coach in den kommenden Matches die Qual der Wahl haben. "Der Konkurrenzkampf ist größer geworden, das ist schön", meinte der 53-Jährige.

Auch dieser Aspekt stimmt den Deutschen im Hinblick auf die entscheidende Phase im Herbst zuversichtlich. "Wir haben sechs Punkte geholt, die waren sehr wichtig. Jetzt gilt es, dranzubleiben und die Leistungen zu bestätigen. Wir wollen unbedingt unter die Top zwei", betonte Foda und prophezeite ein knappes Rennen. "Man sieht, dass die Gruppe sehr eng ist. Polen marschiert vorne weg, das konnte man so erwarten. Um Platz zwei wird es bis zum Schluss spannend bleiben. Wir sind jetzt wieder voll dabei, das war uns sehr wichtig."