Nach Manipulations-Vorwürfen: Sanel Kuljic muss Beweise liefern

Der einst verurteilte Ex-Teamstürmer spricht von erneutem Wettbetrug und wird daraufhin geklagt.

Seit März 2017 ist Sanel Kuljic wieder auf freiem Fuß. Frühzeitig freigelassen wegen guter Führung, nachdem er im Oktober 2015 wegen Wettbetrugs, Erpressung und Nötigung zu einer fünfjährigen Haftstrafe verurteilt worden war. Im November 2013 hatte der Fall Taboga mit Kuljic als Schlüsselfigur Österreichs Fußball erschüttert.

Bis Donnerstag war es ruhig gewesen um den ehemaligen Teamstürmer. Gegenüber der Kronenzeitung ließ der 41-Jährige nun aufhorchen: „Ja, es werden in Österreichs höchster Liga weiterhin Spiele manipuliert.“ Konkret nannte Kuljic zwei Heimniederlagen von Mattersburg aus dem Vorjahr: 0:6 gegen den WAC und 1:3 gegen den LASK. „Aber es sind mehr.“

Kein Verdacht

Speziell das 0:6 der Burgenländer blieb in Erinnerung. Für den ehemaligen Mattersburger Coach Gerald Baumgartner vor allem in schlechter: „Das 0:6 hat mir den Job gekostet, aber ich habe weder vor dem Spiel noch währenddessen etwas Auffälliges vernommen. Es haben mir sogar WAC-Spieler nach der Partie gesagt, dass wir in den ersten 30 Minuten besser waren und dann bei ihnen jeder Schuss drinnen war.“

Ob sich der aktuelle Ried-Trainer eine Manipulation vorstellen könne? „Ich kann nicht in die Köpfe der Spieler schauen, aber obwohl das Spiel für mich bittere Folgen hatte, war da nie ein Verdacht.“

Scharf reagierte die Bundesliga. Vorstand Christian Ebenbauer kündigt zwar an, dass das Bundeskriminalamt eingeschalten und „alle relevanten Schritte gesetzt wurden“. Allerdings gibt es keinerlei Hinweise, die Kuljics Anschuldigungen bekräftigen würden. Weder dem ÖFB, noch Mattersburg, noch dem Play Fair Code liegen Informationen in Richtung Manipulation vor.

Mattersburgs Präsident Martin Pucher sagt: „Wir sind komplett von den zur Zeit in den Raum gestellten Anschuldigungen überrascht. Wir sind von der Integrität unserer Spieler in allen Bereichen total überzeugt. Wir werden der Sache auf den Grund gehen und den Sachverhalt genau prüfen. Aus heutiger Sicht sind wir überzeugt, dass an der Sache nichts dran ist. Vor allem für alle unsere Spieler und vor allem auch für die Fans.“

Verärgerung

Kuljic hatte schon einmal Manipulationsvorwürfe gegen Mattersburg geäußert, für die Saison 2012/’13. Im Prozess 2014 waren 30 Spieler und ehemalige Spieler als Zeugen geladen – der Verdacht hatte sich aber nie beweisen lassen.

Verärgert reagiert der Play Fair Code auf Kuljics Hinweis in der Kronenzeitung, dass Geschäftsführer Severin Moritzer an den Informationen des Ex-Teamstürmers „nicht wirklich interessiert“ gewesen sei. „Es hat zwei Treffen mit Kuljic gegeben: Im Juni 2016 wurde über eine mögliche Teilnahme an unseren Präventionsschulungen gesprochen. Und im Oktober 2018 gab es ein zufälliges Treffen in einem Café. Mögliche Manipulationen wurden von Kuljic aber nie angesprochen.“

Jürgen Irsigler stellt als Präsident des Sportwettenverbandes klar, dass es bei keinem einzigen österreichischen Wettanbieter Auffälligkeiten zu den erwähnten Partien gegeben hat. Ob das im Ausland der Fall war, wird derzeit untersucht.

Seine schweren Vorwürfe wird Kuljic, der ein Buch über „die ganze Wahrheit“ plant, jedenfalls beweisen müssen. Denn die Bundesliga und der SV Mattersburg werden rechtliche Schritte gegen den Torjäger a. D. einreichen. Kuljic stehen also Klagen auf Unterlassung und Widerruf, eventuell auch auf Ehrenbeleidigung ins Haus. Sollte er keine stichhaltigen Beweise vorlegen können, droht ihm erneut eine Verurteilung. Die Geldstrafe würde sich aber im Rahmen halten und mit Sicherheit niedriger ausfallen, als die Kosten für das wahrscheinliche Strafverfahren und einen möglichen Widerruf in der Kronenzeitung.

Kommentare