Aufstieg mit dem FAC? Ein 37-Jähriger träumt vom Bundesliga-Debüt
Unaufgeregt, in sich ruhend, aber auch sehr fokussiert wirkt Mirnes Becirovic nach dem alles in allem vierstündigen Vormittagstraining.
Der 37-Jährige ist ein Ausnahmefußballer in der 2. Liga und kämpft mit dem FAC als Zweiter überraschend um den Aufstieg.
Freitagabend steht in der Hopfengasse einiges auf dem Spiel für seinen FAC: Nach dem souveränen 3:0 in Klagenfurt könnten die Floridsdorfer mit einem weiteren Dreier auch Lustenau (ORF Sport+, 20.15 Uhr) abhängen.
Akademiker Becirovic als Anführer der von ihm so titulierten Floridsdorfer „Krieger“ und „modernen Raubritter“.
„Becis“ klare Ansage
Mirnes Becirovic, im Verein ebenso respekt- wie liebevoll „Beci“ genannt, vermeidet die üblichen Kicker-Stehsätze. Das ist angenehm. Auf die Frage, ob er selbst Meister werden möchte, erklärt er ohne Wenn und Aber: „Die erste Bundesliga wäre für mich nach 17 Jahren in der zweiten Liga schon kitschig.“
Auch seine Kollegen nehmen seit dem Winter-Trainingslager häufiger das A-Wort (A für Aufstieg) in den Mund. Wer auswärts ein Jahr unbesiegt ist, in 20 Spielen nur elf Tore kassiert und sich zuletzt auch noch in der Offensive verbessert hat, kann das.
Der Wissenschafter auf dem Platz: Mit 37 muss er nicht mehr experimentieren, berichtet er.
Kapitän Becirovic findet wie so oft die richtigen Worte: „Wir haben uns im Winter nicht verstärkt, im Gegenteil, wir haben mit Evan Eghosa an Ried eine echte Stütze abgegeben.“ Daraus leitet der Abwehrspieler eine Leichtigkeit ab, wie man sie etwa in der Südstadt und in St. Pölten so nicht verspürt: „Wir können Meister werden, aber es bricht keine Welt zusammen, wenn wir es nicht werden.“
Auf die Frage, was für einen Profisportler mit 37 anders ist als mit 22, erklärt der Absolvent des Instituts für Sportwissenschaft an der Uni Wien: „Mit 22 habe ich mehr experimentiert. Heute sind die Abläufe bei Training, Regeneration, Schlaf und Ernährung eingespielt.“
Inklusive Matchzeit zählt er in einer Woche je nach Spielplan bis zu 40 Arbeitsstunden, davon gut zwei Drittel, um sich körperlich und auch technisch-taktisch fit zu halten.
Mehr Fußballplatz als Stadion: Der "FAC-Platz" in Floridsdorf ist weiterhin kein Publikumsmagnet.
Gutes Teamwork
Dass er selbst in der mit Abstand stärksten Verteidigung der Liga spielt, relativiert der Leistungsdiagnostiker (mit eigener Firma): „30 Prozent der Abwehrarbeit gehört den giftigen Kriegern im Sturm. Moderne Raubritter sind auch unsere Mittelfeldleute. Dann erst kommen wir, und wenn wir nichts mehr tun können, haben wir hinten mit Juri noch einen richtig guten Handschuh im Tor.“
Gemeint ist Juri Kirchmayr, der in das ÖFB-U21-Team einberufen wurde.
Dass zum Spitzenspiel gegen Lustenau erneut keine Massen in die Hopfengasse strömen werden, nimmt der Bruder der beiden Jiu-Jitsu-Weltmeisterinnen Mirnesa und Mirneta Becirovic so, wie es ist: „Der Verein probiert viel. Aber die Rahmenbedingungen lassen sich nun einmal nicht verschieben.“
Vom Drumherum wollen sich die Floridsdorfer auch im aktuellen Spiel um Platz 1 nicht beeinflussen lassen, wie der Teamleader betont: „Wir haben in der Kabine schon vor Längerem vereinbart, dass wir auf dem Spielfeld selbst für gute Stimmung sorgen müssen.“
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