Ex-Teamspieler Florian Klein: „Natürlich bin ich jetzt Journalist“
Oft ist die Karriere nach der Fußballer-Laufbahn ein härterer Gegner als jene, die man über Jahre auf dem Platz ausspielen musste. Florian Klein ist der Wechselpass gelungen, wenngleich in dieser Form nicht wirklich geplant. Der 36-Jährige, der als Legionär in Stuttgart und 45-mal für das Nationalteam spielte, betrachtet den Fußball nun aus dem Blickwinkel des TV-Experten. Für ServusTV ist er auch in Istanbul beim Finale der Champions League mit von der Partie.
KURIER: In der Kicker-Pension wird Ihnen scheinbar nicht langweilig. War diese Karriere für Sie absehbar?
Florian Klein: Nein, das hätte ich nicht gedacht. Als ich als Spieler aufgehört habe, war es nicht ersichtlich, dass ich irgendwann TV-Experte werde. Dass die Zusammenarbeit dermaßen intensiv und spannend wird, das hätte ich wirklich nie gedacht. Ich fühle mich ja nicht als Experte allein, sondern auch als Teil eines Teams. Ich habe meine Trainerausbildung gemacht, das hat sich nun alles ein wenig verschoben.
Die Trainerausbildung verfolgen Sie weiterhin?
Ich habe die B-Lizenz, die A-Lizenz hätte ich auch gerne gemacht, was sich aber zeitmäßig nicht ausgeht, da ich in meiner Tätigkeit sehr oft unterwegs bin, wodurch ich Kurse versäumen würde. Allein während der WM 2022 war ich wochenlang nicht im Land, daher habe ich den Plan auf die Seite gelegt, ich verliere ihn aber nicht aus den Augen. Ich bin in einer Phase der Entscheidung, wohin meine Reise gehen soll. Wenn ich Trainer werden möchte, muss ich weitermachen. Das ist mir bewusst. Umgekehrt hat ServusTV einige Sportrechte, wodurch es genügend Arbeit gäbe.
Klingt, als hätten Sie in der TV-Branche Blut geleckt.
Ja, schon. Ich finde es cool, dass mehr dazugehört als nur vor der Kamera zu stehen oder zu sitzen. Es ist ein echter Job, bei dem sich die Experten zu dem Sender bekennen. Es geht nicht nur um die Inhalte, sondern auch um die Art und Weise, wie man das vermittelt. Ich glaube, dass mir das schon liegt. Es ist ein Job mit Karrierechancen, wo man sich durchaus verwirklichen kann.
Als Spiele sind Ihnen die Medien früher ab und zu auf die Nerven gegangen. Jetzt arbeiten Sie für ein Medium. Sehen Sie das nun anders?
Als Fußballer habe ich nur auf den Sport geblickt, die Sicht der Medien ist anders, weil auch andere Geschichten erzählt werden müssen. Ich bin keiner, der auf Schlagzeilen aus ist. Ich bin froh, dass ich das nicht machen muss, sondern dass ich Expertise und ein wenig Spaß einbringen kann. Natürlich bin ich jetzt Journalist.
Sehen Sie den Fußball anders als früher?
Vom Sportlichen her nicht. Bei Erfolgen sind auch die Übertragungen einfacher, bei Niederlagen schwieriger, vor allem wenn österreichische Teams beteiligt sind. Ich sehe den Fußball anders hinsichtlich der Vermarktung, welche Storys daraus zu machen sind. Das bekommt man als Aktiver nie so mit.
Haben Sie fußballspezifisch durch den neuen Blickwinkel etwas dazugelernt?
Als Fußballer siehst du das Spiel von unten, als Co-Kommentator siehst du das Spiel anders, ganzheitlicher. Ich sitze daher mal auf der Tribüne und mal unten neben dem Spielfeld, um die Perspektive zu wechseln. Der Unterschied ist dermaßen groß, das wissen die Leute nicht. Schade, dass die Fans fast nie die Gelegenheit zu dieser Perspektive erhalten. Sie würden sich wundern über das Tempo, die Intensität, das Gerangel, was wie gesprochen wird.
Wäre für aktive Fußballer der Blickwinkel von oben nicht wichtig und ein zusätzliches Hilfsmittel?
Teilweise bekommen sie den auch bei Video-Analysen, da wird oft das Bild von oben zurate gezogen. Das ist für die Fußballer schon hilfreich. Ich bin überzeugt, dass sich mit der neuen Technik die Analysen noch weiter ändern werden. Spieler werden vielleicht über Drohnenbilder Informationen bei der Spielvorbereitung erhalten.
Wie lange brauchen Sie für eine Vorbereitung auf ein großes Spiel?
Nehmen wir das Conference-League-Finale zwischen West Ham und Fiorentina. Da schaue ich mir immer die letzten Spiele der Teams an, um einen Eindruck zu bekommen. Dann bekomme ich viele Unterlagen mit Statistiken. Und ich durchforste Transferplattformen. Ich bereite mich einige Stunden für mich vor, dann kommt noch die Vorbereitung auf die Sendung im Team.
Ist der Job familienfreundlich?
Schon. Es sind immer sehr viele intensive Phasen, in denen ich weg von der Familie bin. Dafür gibt es dann wieder ein, zwei Wochen, da bin ich fix daheim. Der Juni ist schon intensiv. Zuerst war ich beim Finale der Europa League in Budapest, kurz danach beim DFB-Pokalfinale, danach Conference League im Studio und nun Champions League in Istanbul.
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