Sport | Fußball 12.04.2018

Europa League: Das Wunder von Salzburg

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Nach einem sensationellen 4:1-Heimerfolg gegen Lazio Rom steht Österreichs Meister im Halbfinale.

Um 22.56 Uhr brachen am Donnerstagabend in der ausverkauften Red-Bull-Arena alle Dämme. Salzburg machte gegen Lazio mit einer Energieleistung den 2:4-Rückstand aus dem Hinspiel weg und steht im Semifinale der Europa League.

Als niemand mehr mit dem Aufstieg gerechnet hatte, gelangen von der 72. bis zur 76. Minute drei Tore zum 4:1-Endstand. Dafür benötigte Salzburg exakt vier Minuten und sieben Sekunden. Das ist Europa-League-Rekord.

Während Lazio-Trainer Simone Inzaghi die Startelf aus dem Hinspiel aufgeboten hatte, überraschte sein Gegenüber Marco Rose. Dass der gesperrte Diadie Samassekou im defensiven Mittelfeld von Xaver Schlager ersetzt wurde, war so erwartet worden. Dass Reinhold Yabo in der Startelf kam , war unerwartet.

Mit dem Deutschen änderte Rose auch die Grundordnung. Aus dem 4-4-2 mit Raute wurde ein 4-3-3. Yabo spielte den Part des rechten Stürmers, wobei die Offensivspieler flexibel agierten.

Dies verwirrte die Römer. Salzburg wäre fast ein Traumstart gelungen: Nach einem Lochpass von Schlager tauchte der am linken Flügel aufgebotene Hwang im Zentrum auf. Den Schuss des Koreaners, der in Rom gesperrt gefehlt hatte, konnte Lazios albanischer Keeper Strakosha abwehren (5.).

Inzaghi reagierte schnell auf die Probleme seiner Mannschaft, gab von der Outlinie aus lautstarke Anweisungen. Mit Mittelfeldspieler Milinkovic-Savic lieferte sich der Lazio-Trainer sogar ein Wortgefecht. Seine Spieler verstanden den ehemaligen Stürmer aber.

Lazio bekam die Partie schnell in den Griff, verdichtete die Räume im Mittelfeld, um Salzburg die Passwege in die Spitze abzuschneiden. Es entwickelte sich ein Spiel, dass sich hauptsächlich im mittleren Drittel des Spielfeldes abspielte.

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Chancen gab es erst wieder in der Schlussphase der ersten Hälfte. Zunächst tauchte Lazio-Torjäger Immobile ganz alleine vor dem Salzburger Tor auf. Anders als beim 4:2 in Rom konnte Keeper Walke den Schuss parieren (43.). Im Gegenstoß ging eine scharfe Hereingabe von Ulmer an Freund und Feind, aber auch am Tor vorbei.

Zur Pause stand es also 0:0. Salzburg benötige weiter zwei Tore, um aufzusteigen, hatte dafür aber nur mehr eine Spielhälfte Zeit.

Nur vier Minuten waren in der zweiten Halbzeit vergangen, da wäre Lazio fast in Führung gegangen. Immobile scheiterte aber erneut im Eins-zu-Eins an Walke.

Europa League Quarter Final Second Leg - RB Salzburg v Lazio
Immobile schoss Lazio in Front. © Bild: REUTERS / LEONHARD FOEGER

Seine dritte Chance ließ sich der Führende der Torschützenliste der Serie A dann aber nicht entgehen. Aus abseitsverdächtiger Position lief er alleine auf das Salzburger Tor zu und schoss unhaltbar in die Kreuzecke ein (55.).

Salzburg benötigte nun eine ganz schnelle Antwort. Und die kam nach gerade einmal 22 Sekunden: Ein Schuss von Dabbur im Gegenstoß wurde unhaltbar für Strakosha abgelenkt – 1:1.

Die Salzburger brauchten also wieder zwei Treffer, hatten jetzt aber nur mehr etwas mehr als eine halbe Stunde Zeit. In der 66. Minute kam Österreich Meister der Führung nahe: Ein platzierter Schlager-Weitschuss ging an die Stange.

FUSSBALL/EUROPA LEAGUE/VIERTELFINALE: RED BULL SALZBURG - LAZIO ROM
Haidara stellte mit einem nicht unhaltbar scheinenden Weitschuss auf 2:1. © Bild: APA/KRUGFOTO / KRUGFOTO

Türöffner

Sekunden nachdem Luis Alberto die ganz große Chance auf die neuerliche Führung für Lazio lässig vergeben hatte, begannen magische 247 Sekunden in der Red-Bull-Arena.

Der nächste Salzburger Weitschuss passte: Haidara überraschte Strakosha – 2:1 (72.). Nun fehlte nur mehr ein Tor: Und es fiel wieder nur knapp zwei Minuten später: Ein Schuss von Hwang wurde abgefälscht (74).

Erstmals war Salzburg im Semifinale. Und es dauerte erneut nicht einmal zwei Minuten, das durften die rund 28.000 Salzburg-Fans, darunter Ex-Trainer Oscar Garcia, erneut jubeln: Lainer traf nach einer von Ramalho verlängerten Berisha-Ecke per Kopf – 4:1 (76.).

Lazio benötigte nun ein Tor um wenigstens in die Verlängerung zu kommen. Aber Salzburg verteidigte den Vorsprung clever. Es blieb beim 4:1. Erstmals seit 22 Jahren steht wieder ein österreichischer Klub in einem Europacup-Semifinale. Dort warten Arsenal, Marseille und Atletico Madrid. Die Auslosung findet am Freitag schon um 12 Uhr statt. Die Spiele werden am 26. April und am 3. Mai ausgetragen.

( kurier.at ) Erstellt am 12.04.2018