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Sport Fußball
04/01/2019

Ende Legende: Der Abschied der "Miss Hundertprozent"

Mehr Spiele als Herzog, mehr Tore als Polster – Nina Burger hört im Nationalteam auf. Künftig gehört sie zum Legendenteam.

von Günther Pavlovics

Österreichs Frauen-Teamspielerinnen sind seit der EM 2017 auch einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. Und so fiel auf, dass sich Schnaderbeck, Zinsberger, Aschauer und alle anderen auf dem Wiener Hauptbahnhof vor der ÖBB-Lounge tummelten.

Offiziell sollte die Ausdehnung der Zusammenarbeit zwischen ÖFB und ÖBB auch auf das U-21- und das Frauenteam verkündet werden. Inoffiziell wussten die Spielerinnen bereits, dass Nina Burger vorhatte, offiziell zu machen, dass sie ihre internationale Karriere beenden wird.

PK "ZUSAMMENARBEIT ÖBB UND ÖFB": BURGER

Der Test nächsten Dienstag in der Südstadt gegen Schweden wird das 109. Länderspiel in der Karriere der 31-jährigen Niederösterreicherin sein. Und das letzte.

Kurz nach Mittag setzte sich Burger vor die Kameras. „Guten Tag. Hallo. Mahlzeit. Ich bin überwältigt“, sagte sie. Denn inzwischen waren die Teamkolleginnen schon im engen Raum. Einige von ihnen hatten auf Instagram ein Bild von Burger veröffentlicht mit dem Text „She is legend“.

Miss Hundertprozent

Burger redete weiter. „Gut genug hat mir nie gereicht. Ich bin eine Miss Hundertprozent. Und das war mir im letzten Jahr aufgrund vieler kleiner Verletzungen nicht möglich. Ich will Raum schaffen, damit junge Spielerinnen und nicht mehr ganz so junge Spielerinnen Verantwortung übernehmen können.“ Dann kamen erstmals die Tränen.

Nina Burger wird im Sommer nach fünf Jahren in Deutschland ihre Karriere als Profifußballerin beenden. Sie wird zurückkehren in ihren Job als Polizistin und als Spielerin und Betreuerin zu ihrem Ex-Klub Neulengbach.

Nina Burger wuchs im Tullnerfeld auf. Die seit Dezember 31-Jährige hat vier Brüder. Sie spielte mit den Burschen im Nachwuchs des SV Hausleiten, ging dann zum Frauenteam nach Langenrohr und später nach Neulengbach. Erste Profi-Erfahrungen sammelte sie im Sommer 2014 in Houston. Im Jahr 2015 machte sie den Schritt in den deutschen Profifußball und ging zum SC Sand. Beruflich machte sie nach der HAK die Polizeischule und arbeitete als Revierinspektorin im neunten Wiener Gemeindebezirk. 2015 ließ sie sich karenzieren, um Fußball professionell betreiben zu können.

Rekordfrau: Nina Burger in Zahlen

108 Länderspiele hat Nina Burger bislang absolviert. Das erste bestritt sie am 1. September 2005 gegen England in Amstetten (1:4). Zum Vergleich: Andreas Herzog brachte es auf 103, Toni Polster auf 95.  

Rekordfrau: Nina Burger in Zahlen

88 Tore hat Nina Burger in bislang 43 Spielen für den FC Sand in der deutschen Bundesliga erzielt. Die Deutsche Inka Grings kam zwischen 1997 und 2011 auf 314 Tore. 

Rekordfrau: Nina Burger in Zahlen

53 Treffer hat Rekordtorschützin Nina Burger für das Nationalteam erzielt. Das erste am 25. September 2005 in Ungarn (3:0). Zum Vergleich: 44  Tore erzielte Toni Polster für Österreichs Herrenteam. Hans Krankl brachte es auf 34. Marc Janko (28) und Marko Arnautovic (22) kommen  gemeinsam auf 50.  

Rekordfrau: Nina Burger in Zahlen

40 Tore hat Nina Burger in der Champions League erzielt. Damit liegt sie in der ewigen Bestenliste auf Rang acht. Topschützin ist die Deutsche Anja Mittag (51).

Rekordfrau: Nina Burger in Zahlen

9 Mal wurde Nina Burger mit Neulengbach Meister.

Rekordfrau: Nina Burger in Zahlen

7 Mal wurde Nina Burger mit Neulengbach Cupsiegerin.

Rekordfrau: Nina Burger in Zahlen

6 Mal wurde Nina Burger bisher Torschützenkönigin in der österreichischen Bundesliga.

Ist es im Frauenfußball leichter Rekord aufzustellen? Das lässt Burger nicht durchgehen. „Man muss da wie dort seine Leistung bringen, man muss an sich arbeiten und sich weiterentwickeln.“ Nur ein Trainer verglich sie mit den Männern. Colin Bell, englischer Coach bei Sand, nannte sie „Toni“ in Anspielung auf den legendären Männer-Torjäger Polster.

Aber zurück zum Hauptbahnhof nach Wien. Dort kämpfte Burger immer wieder mit der Fassung. „Mädels ihr seid’s ein Wahnsinn“, sagte sie in Richtung Kolleginnen. Die brachten ihr eine Torte und fingen an „Nina Burger, Superstar“, zu skandieren. Das haben sie erstmals im Sommer 2017 gemacht, im Bus auf den Weg zurück ins Teamquartier. Davor hatte Burger das erste EM-Tor für Österreich geschossen, den 1:0-Siegestreffer gegen die Schweiz. „Als ich angefangen habe, war Frauenfußball kein richtiges Thema in der Öffentlichkeit. Da waren wirklich nur engste Bekannte und Familienangehörige bei den Spielen. Mit der EM im Sommer hat sich dann alles schlagartig geändert.“

Burger hat aufgrund ihrer sozialen Kompetenz schon lange eine Führungsrolle im Team. Kollegin Wenninger nannte sie „Idol und Vorbild für viele Mädchen.“ Und ÖFB-Boss Windtner nahm sie als 49. Mitglied in den ÖFB-Legenden-Klub auf.

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