Sport | Fußball
04.08.2018

Emotionales Heimspiel nach 1546 Tagen Bundesligapause

Wacker Innsbruck trifft auf Sturm Graz, Trainer Daxbacher fordert: „Das Tivoli muss eine Festung werden.“

Je näher das erste Heimspiel in der Bundesliga rückte, desto öfter ertappte sich Gerhard Stocker dabei, dass seine Gedanken in die Vergangenheit abdrifteten. Und in die allgemeine Freude über die Rückkehr von Wacker Innsbruck nach vier Saisonen Zweitklassigkeit mischt sich beim Präsidenten auch persönliches Unbehagen. „Ich frage mich oft, was wohl mit diesem Verein passiert wäre, wenn wir nicht aufgestiegen wären“, sagt Stocker.

Dass Wacker am Samstag gegen Sturm im Tivolistadion sein erstes Bundesligamatch seit 1546 Tagen (11. Mai 2014, 3:3 gegen Grödig) bestreiten darf, ist keineswegs so selbstverständlich, wie es vielleicht aussehen mag. „Es kann sich ja keiner vorstellen, unter welchen Voraussetzungen wir das geschafft haben“, sagt Stocker. Ohne den Aufstieg würde es Wacker Innsbruck in dieser Form heute wohl nicht mehr geben. „Jedenfalls wäre es das auf Jahre hinaus mit dem Profifußball gewesen“, sagt Gerhard Stocker.

Im Keller

Denn was der Öffentlichkeit weitgehend verborgen bleibt, sind die Voraussetzungen, unter denen die Innsbrucker arbeiten. Der FC Wacker mag zwar mit dem Tivolistadion eine adäquate Heimstätte haben, doch die Trainingsbedingungen (zwei Rasenplätze für 17 Teams) sind eines Bundesligisten unwürdig. In der kleinen Geschäftsstelle stapeln sich die Schachteln mit Fanutensilien bis unter die Decke, weil der Verein kein eigenes Lager hat. Und die Mannschaft gehört zu den Low-Budget-Teams in dieser Liga. „Beim Hausbau wären wir gerade einmal bei der Bodenplatte für den Keller“, sagt Stocker.

Im Aufbau

Zumindest hat der Aufstieg aber bei den Fans schon einmal eine kleine Euphorie ausgelöst. Die Innsbrucker rechnen heute gegen Sturm mit 8000 Fans, das ist zwar kein Vergleich zu den Besucherzahlen zu den Glanzzeiten des Tiroler Fußballs, „aber wir müssen uns die Fans erst wieder zurück erobern“,weiß Wackers General Manager Alfred Hörtnagl. „Und dafür brauchen wir Punkte und sportlichen Erfolg.“

Die 1:2-Auftaktniederlage gegen die Austria hat einigen Innsbruckern jedenfalls bereits die Augen geöffnet. „Wir haben dort gleich einmal die Erfahrung gemacht, dass in dieser Liga jeder individuelle Fehler schnell abgestraft wird“, sagt Hörtnagl.

Dass nun mit Sturm gleich der nächste Spitzenklub wartet, ist nicht ideal, wie auch Trainer Karl Daxbacher zugibt: „Die Auslosung ist nicht einfach. Wichtig ist, dass wir das Tivolistadion wieder zu einer Festung machen und die Fans mitreißen.“