Der Fall Rubiales - von einem Kuss bis zum Rücktritt

Der Fall Rubiales - von einem Kuss bis zum Rücktritt
Wochenlang stand der Präsident des spanischen Fußballverbandes nach seinem Kuss in der Kritik. Nun trat er zurück. Eine Chronologie.

Bei der Frauen-Weltmeisterschaft sorgte Luis Rubiales für Empörung. Der Chef des RFEF (Fußballverband von Spanien) hatte bei der Siegerehrung für das Weltmeisterteam Spanien die Siegerin Jennifer Hermoso auf den Mund geküsst und dabei ihren Kopf mit beiden Händen festgehalten. Hermoso kommentierte das anschließend in der Kabine mit "das hat mir nicht gefallen, aber was hätte ich tun sollen". 

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Der aktuelle Skandal ist nicht der erste in der Karriere des heute 46-Jährigen, der im August 1977 in Las Palmas auf Gran Canaria geboren ist und unter anderem bei Lleida, Deportivo Xerex, Levante und Alicante spielte. Eine Chronologie:

  • 2017: Noch bevor Rubiales Präsident des spanischen Fußballverbandes wurde, wird er von einer Architektin wegen eines angeblichen Übergriffes angezeigt. Rubiales wird vier Jahre später freigesprochen, die Frau wird wegen Belästigung verurteilt.
  • Mai 2022: Der erste Skandal. Luis Rubiales wird von seinem Onkel Juan angezeigt, dem Büroleiter des Fußball-Präsidenten.Luis soll 2020 Verbandsgeld veruntreut haben. Private Vergnügungpartys in einer Villa sollen mit Firmen-Kreditkarten des RFEF bezahlt worden sein. Auch dieser Vorwurf wurde vom Gericht zurückgewiesen. 
     
  • Mai 2022: Der nächst Vorwurf: Luis Rubiales soll 2018 RFEF-Geld für eine private Reise nach New York verwendet haben. Dort verbrachte er laut dem spanischen Digitalmedium El Confidencial fünf Tage mit der Mexikanerin Roberta Lobeira, mit der er eine Liebesbeziehung geführt haben soll. Offizieller Grund für die Reise war ein Treffen mit Vertretern der nordamerikanischen Fußball-Liga MLS.
Die spanische Nationalspielerin Jenni Hermoso

Die spanische Nationalspielerin Jenni Hermoso

  • Herbst 2022: In einem Whatsapp-Chat schreibt der eigentlich neutrale Rubiales über die Mannschaften, die er in der Liga am wenigsten mag: "In dieser Reihenfolge, Villarreal, Sevilla und Valencia. Schauen wir, ob wir diese Lackaffen loswerden können."
     
  • September 2022: Aus Protest gegen die umstrittenen Methoden von Teamchef Jorge Vilda erklären 15 Teamspielerinnen ihren Rücktritt. Rubiales steht hinter dem Trainer. Zwölf Spielerinnen erklären vor der WM 2023, wieder zurückkehren zu wollen. Vilda nominiert nur drei von ihnen.
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Der umstrittene Teamchef Jorge Vilda

  • 20. August 2023: Die spanische Frauen-Nationalmannschaft gewinnt 1:0 gegen England und holt erstmals den WM-Titel. Der Verbandschef ist außer Rand und Band und greift sich neben Spaniens Königin Letizia in den Schritt. Bei der Siegerehrung hält Rubiales die Spielerin Jenni Hermoso am Kopf fest und drückt ihr einen Kuss auf den Mund. In der Kabine kündigt er lachend an, Hermoso auf Ibizia heiraten zu wollen. Schon dort sagt Hermoso: "Das hat mir nicht gefallen."
     
  • 21. August: Kritik an Rubiales' Verhalten kommt auf. Er bezeichnet diese Kritik als "Blödsinn". Danach wird er in einer Stellungnahme des Verbandes zitiert: "Ich muss mich entschuldigen, daran führt kein Weg vorbei." Auch von Hermoso wird ein Statement veröffentlicht, in dem sie zitiert wird: "Es war eine natürliche Geste der Zuneigung und Dankbarkeit. Der Präsident und ich haben ein sehr gutes Verhältnis zueinander." Später bestreitet Hermoso, dies jemals gesagt zu haben. Der Verdacht liegt nahe, dass die Aussendung von der PR-Abteilung des Verbandes verfasst wurde, ohne Hermoso gefragt zu haben.
  • 22. August: Die ersten Rücktrittsaufforderungen werden laut. Der spanische Ministerpräsident Pedro Sanchez sagt: "Was wir gesehen haben, ist inakzeptabel. Die Entschuldigungen von Herrn Rubiales reichen nicht aus."
  • 25. August: Viele Menschen bezeichnen das Verhalten von Rubiales als "sexualisierte Gewalt". Der Fußballverband beruft eine Sondersitzung für 12 Uhr ein. Es scheint fix, dass Rubiales zurücktreten wird. Doch dann platz die Bombe. In einer emotionalen Rede spricht Rubiales von einer "sozialen Hinrichtung". "Ich werde nicht zurücktreten wegen einem Küsschen in beiderseitigem Einvernehmen. Ich werde kämpfen bis zum Ende." Die Situation eskaliert. Auf Social Media schreibt Hermoso: "Ich habe mich verletzlich und als Opfer einer impulsiven, sexistischen und unangebrachten Handlung gefühlt." Ihre Teamkolleginnen solidarisieren sich mit ihr. So lange Rubiales im Amt ist, werden sie nicht mehr für Spanien spielen. 
  • 26. August: Rubiales wird von der FIFA vorläufig für 90 Tage suspendiert. Fast das komplette Trainerteam der Spanierinnen tritt zurück.
     
  • 27. August: Profis des Männer-Teams des FC Cadiz gehen mit einem Transparent auf den Rasen: "Wir sind alle Jenni". Sportminister Miquel Iceta sagt: "Soweit es von uns abhängt, sind es die letzten Stunden von Rubiales."
     
  • 28. August: Die Mutter von Rubiales schließt sich in einer Kirche ein und tritt aus Protest gegen die "unmenschliche Jagd" auf ihren Sohn in Hungerstreik.
FILE PHOTO: 2030 World Cup bid - Portugal, Spain and Ukraine Press Conference

Rubiales ist Geschichte

  • 1. September: Das spanische Sportgericht (Tad) eröffnet ein Verfahren gegen Rubiales wegen eines "schweren Fehlverhaltens". FIFA-Präsident Gianni Infantino äußert sich erstmals zur Causa: "Das hätte niemals passieren dürfen."
     
  • 5. September: Spaniens Fußballverband trennt sich von Frauen-Teamchef Jorge Vilda. Nachfolgerin wird Montserrat Tome. Sie ist damit die erste Frau in dem Amt. 
  • 6. September: Jennifer Hermoso erstattet Anzeige gegen Rubiales. Nun kann die Staatsanwaltschaft entscheiden, ob sie bei einem Untersuchungsgericht die Einleitung von Ermittlungen gegen Rubiales beantragt. Nach Schätzungen von Experten könnte Rubiales zu einer Haftstrafe von bis zu fünf Jahren verurteilt werden, wenn er schuldig gesprochen werden sollte.
     
  • 10. September: Rubiales reicht schriftlich seinen Rücktritt als Fußballpräsident Spaniens ein. Er sei  nicht in der Lage, in sein Amt zurückzukehren. Er bleibt uneinsichtig und sagt in einem Interview, dass der Kuss einvernehmlich gewesen sei. "Ich glaube an die Wahrheit und werde alles in meiner Macht stehende tun, damit sie sich durchsetzt." 

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