Sport | Fußball
05.12.2011

Chaos im türkischen Fußball

20 Partien in der Süper Lig stehen unter Manipulationsverdacht. Der Saisonstart wurde auf September verschoben.

Mehr als 60 Spieler und Funktionäre verhaftet, Supercup abgesagt, Liga-Start verschoben - der Ball ist wund in der türkischen Süper Lig, die seit Wochen von einem schweren Bestechungs- und Manipulationsskandal erschüttert wird, der immer größere Ausmaße annimmt. Vorsorglich wurde der Auftakt der Liga bereits vom 5. August um einen Monat nach hinten verlegt (9. September).

Mindestens 20 Partien aus der vergangenen Saison stehen unter akutem Manipulationsverdacht. Mehrere Erstligaklubs, darunter auch die Traditionsvereine Besiktas und Fenerbahçe Istanbul sowie Trabzonspor, sind in den Skandal verwickelt - ihnen droht der Zwangsabstieg.

Spieler und Funktionäre sollen mit hohen Summen dazu verleitet worden sein, den Ausgang der Spiele in eine bestimmte Richtung zu drehen. Teilweise hätten sich verschiedene Geldgeber sogar gegenseitig überboten. Seit Monaten ermittelt die Staatsanwaltschaft unter dem Titel "Saubere Stollen" - bis zum 1. August will sie Ergebnisse vorlegen.

Verdächtig

Besonders im Fokus der staatsanwaltlichen Ermittlungen steht die Partie des späteren Meisters Fenerbahçe gegen Sivasspor. Fenerbahçe siegte im Mai 2011 mit 4:3 und sicherte sich damit Last Minute den Titel - auch dank eines groben Patzers von Sivasspor-Torhüter Korcan Celikay, der einen harmlosen Fernschuss zwischen seinen Beinen durchkullern ließ.

Die Staatsanwaltschaft glaubt nicht an einen Torwart-Patzer. Celikay wurde verhaftet, ebenso wie die Präsidenten von Sivasspor und Fenerbahçe. Der Vorwurf: Fenerbahçe-Chef Aziz Yildirim, ein reicher Bauunternehmer, soll seinem Verein die Meisterschaft gekauft haben. Der Klub bestreitet das. "Jeder soll wissen, dass Fenerbahçe niemals irgendwelche illegalen Aktivitäten unternommen hat und auch niemals wird", heißt es in einer Erklärung.

Offen ist auch noch, welche Mannschaften in den europäischen Wettbewerben antreten dürfen. Die UEFA hat den Ball an den türkischen Verband weitergeschoben. Die offizielle Erklärung: Für den Europacup würden nur Vereine nominiert, "die es sich sportlich verdient haben".