Führungstrio: Präsident Windtner, Geschäftsführer Neuhold und Teamchef Foda

© APA/EXPA/DOMINIK ANGERER

Sport Fußball
12/22/2019

Brennpunkt ÖFB: "Wir haben schon viel Zeit verloren"

Geschäftsführer Bernhard Neuhold über die Investition in ein Trainingzentrum und fehlende Arbeitsplätze für Nachwuchs-Teamchefs.

von Andreas Heidenreich

Vor vier Monaten hat Wiens Sportstadtrat Peter Hacker im KURIER einem Stadion-Neubau eine klare Absage erteilt. Ein Rückschlag für Österreichs Fußball-Bund. „Das ist zur Kenntnis zu nehmen“, sagt Bernhard Neuhold, Geschäftsführer der ÖFB-Wirtschaftsbetriebe. Dem größten Sportverband des Landes fehlt aber auch ein eigenes Trainingszentrum und in der Geschäftsstelle im Ernst-Happel-Stadion genügend Platz für seine Mitarbeiter.

KURIER: Wie will der ÖFB die eigene Infrastruktur auf Vordermann bringen?

Bernhard Neuhold: Im Moment ist unrealistisch, dass alle drei Projekte in einem realisiert werden. Daher geht es für uns bei Trainingszentrum und Büro darum, die nächsten Schritte zu machen, um in den nächsten zwei bis drei Jahren eine Realisierung vorzunehmen. Denn egal, wo du hinkommst in Europa, es passiert überall so viel Positives, dass wir Handlungsnotwendigkeit haben und definitiv 2020 eine Grundsatzentscheidung treffen werden. Irgendwann ist es nicht mehr argumentierbar, dass wir in diesen Bereichen im internationalen Vergleich mehr und mehr an Tuchfühlung verlieren.

Was kann der ÖFB in puncto Trainingszentrum selbst tun, wenn seitens Politik nichts oder eben zu wenig passiert?

Das kommt auf die Dimension an. Wir unterhalten uns mit Wien, Niederösterreich und auch mit dem Burgenland über potenzielle Standorte, diskutieren bestehende Standorte weiterzuentwickeln oder generell einen komplett neuen Standort zu realisieren. Da gibt es seitens der Politik durchaus Gesprächsbereitschaft, sodass wir auf Unterstützung zählen werden können. Bei Geschäftsstelle und Trainingszentrum tun wir uns natürlich wesentlich leichter, auch einen verhältnismäßig relevanten Beitrag zu leisten als bei einem Stadion, wo du dich in wirtschaftlichen Dimensionen bewegst, die für einen Verband nicht zu stemmen sind. Für uns ist auch völlig klar, dass solch ein Projekt kein reines Fußballstadion sein kann sondern für viele weitere Events genutzt werden muss.

Wie viel wäre der ÖFB in der Lage, selbst zu stemmen?

Ich will mich nicht auf Zahlen festlegen. Wir sind aber bereit, Geld in die Hand zu nehmen, weil es wirklich darum geht, für die nächsten Jahrzehnte eine seriöse Basis zu legen. Es kommt auf das Gesamtvolumen des Projekts an, aber ich gehe davon aus, dass wir bereit sein werden, einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag in die Hand zu nehmen.

Gibt es einen Fahrplan seitens ÖFB, wie lange man noch warten will auf Hilfe aus der Politik?

Wir haben im Sommer begonnen, uns von diesem Modell – alles an einem Standort – zu lösen und deshalb eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben, um alle drei Themen separat voneinander zu beleuchten und auch Kombinationen zu definieren, wo es um mögliche Standorte und verfügbare Flächen geht. Und da geht es für uns tatsächlich darum, 2020 Entscheidungen zu treffen.

Wenn es eine neue Regierung gibt und die Wahlen in Wien vorbei sind?

Ich glaube, dass es mittlerweile nicht mehr zielführend sein kann, da auf die ständigen politischen Entwicklungen zu warten und zu hoffen, weil eben Trainingszentrum und Geschäftsstelle zwei infrastrukturelle Projekte sind, die wir gemeinsam mit den politischen Vertretern unabhängig welchen Couleurs, realisieren können müssen. Wir haben einfach schon viel Zeit verloren und ich sehe es als unbedingt notwendig an, jetzt Fakten zu schaffen.

Die UEFA hat in kleineren Ländern wie etwa Weißrussland zuletzt den Bau eines Trainingszentrums finanziell unterstützt. Ist man diesbezüglich in Gesprächen?

Da sind internationale Förderungen sicher denkbar, die sind immer verknüpft daran, dass auch Eigentum geschaffen wird. Das ist aber ohnehin der Plan.

Auch Liechtenstein hat kürzlich ein Trainingszentrum eröffnet, beobachtet man Entwicklungen wie diese?

Es gibt Studien der UEFA, wie sich Infrastruktur verändert in den 55 Mitgliedsverbänden und es ist mittlerweile so, dass wir, wenn man das Infrastruktur-Paar aus Stadion und Trainingszentrum hernimmt, im letzten Drittel der Verbände angesiedelt sind. Egal, ob Minsk oder Skopje, wo wir zuletzt waren, oder Ungarn und Slowenien, es entsteht überall Infrastruktur. Auch die mittleren und kleinen Verbände haben in puncto Trainingsinfrastruktur in den letzten Jahren massiv investiert. Es passiert flächendeckend etwas. Umso wichtiger ist es für uns, da nicht den Anschluss zu verlieren.

So sieht das Trainingszentrum von Liechtensteins Verband aus:

Gibt es eine konkrete Vorstellung, was das Trainingszentrum für eine Dimension benötigt?

Die Idealvariante sieht vier Plätze, eine überdachte Halle und ein Ministadion vor. Das wäre der Wunsch, ist aber kein absolutes K.o.-Kriterium, weil es davon abhängt, ob man ein bestehendes Zentrum adaptiert oder einen Neubau schafft. Es geht auch darum, wer den ganzen Komplex betreibt und wie man die Wirtschaftlichkeit gewährleistet. Solch ein Projekt muss man im Dialog gemeinsam diskutieren und entwickeln.

Soll es auch mit einer Hotellerie verbunden sein, um die  Mannschaften dort einquartieren zu können?

Ja, das ist Teil der Zielsetzung. Bei der Unterbringung geht es darum, einen hochqualitativen Bereich zu schaffen, der auch das A-Nationalteam dort beherbergt und einen zweiten Bereich zu definieren, der unter anderem für die Nachwuchs-Nationalteams geeignet ist.

Wie kann sich so ein Zentrum für den ÖFB rechnen?

Bei der Betrachtung der möglichen Standorte ist es ein Kriterium, ob ein Hotelentwickler und -betreiber das Potenzial sieht, dass sich das Hotel auch refinanzieren lässt. Da kann es Kombinationen mit bereits vorhandener Infrastruktur geben, wie zum Beispiel einem Golfplatz, damit ein entsprechend hochpreisiges Hotel auch Auslastung finden würde.

Können Sie skizzieren, wie der ÖFB innerhalb der letzten zehn bis 20 Jahre gewachsen ist?

Wir sind in den letzten zehn bis 15 Jahren von in etwa 45 auf 65 bis 70 Personen gewachsen. Wir haben auch in St. Pölten im Frauenzentrum Kollegen und im dritten Bezirk Kollegen vom Marketing und Sales, die früher im 19. Bezirk waren. Ideal wäre, alle zusammen zu bringen und den sportlich Verantwortlichen, sprich den Trainern, hier ebenfalls ständige, adäquate Arbeitsmöglichkeiten bieten zu können.

Ist das nicht der Fall?

Die Nachwuchsteamchefs haben keinen fixen Arbeitsplatz, weil es sich einfach nicht ausgeht. Wenn wir aber in ein Trainingszentrum investieren und das möglicherweise, aber nicht zwingend, mit der Geschäftsstelle zusammenführen, wäre es in puncto interner Kommunikation und Abstimmung wünschenswert, wenn jeder dort seinen Arbeitsplatz hätte und entsprechend eng zusammengearbeitet werden könnte.

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