Schönes Stadion für schön viel Geld: Der Bau der Generali-Arena belastet nachhaltig das Konto der Wiener Austria. 

© Kurier/Gilbert Novy

Sport Fußball
10/24/2019

Austrias Finanzkrise: "Derzeit ist kein Geld-Polster da"

Die Wiener mussten bei der Bundesliga Finanz-Unterlagen nachreichen. Ein violetter Teufelskreis.

von Alexander Strecha

Hinweis: Der Artikel wurde um 14:45 Uhr um eine Stellungnahme der Bundesliga erweitert.

Vor mittlerweile 13 Jahren stand die Austria wirtschaftlich vor einem Abgrund. Der damalige Geldgeber Frank Stronach hatte soeben den Betriebsführungsvertrag aufgekündigt und der Austria mitgeteilt, dass er zwölf Monate später violette Geschichte sein wird.

Der Vereinsführung mit Wirtschaftsvorstand Markus Kraetschmer, Präsident Wolfgang Katzian und Sportdirektor Thomas Parits gelang das Kunststück, die Veilchen nicht komplett welken zu lassen. Eine Leistung, die nachhaltig Anerkennung verdient. Die Austria konsolidierte sich Schritt für Schritt wirtschaftlich und sportlich und holte junge österreichische Talente, die dann den Sprung ins Ausland schafften. Den Gipfel erreichten die Wiener mit dem Meistertitel 2013 und dem Einzug in die Gruppenphase der Champions League. Der Verein wurde zu einer AG, das Gebilde wuchs und wuchs, zudem beschloss man den Aus- bzw. Neubau der Generali-Arena.

Teure Arena

Und die schmucke Arena ist aktuell der Hauptgrund für den wirtschaftlichen Engpass der Violetten, weil der Bau viel teurer gekommen ist als man veranschlagt hatte. Die Austria erhielt von der Bundesliga die Lizenz nur mit Auflagen, Mitte Oktober musste man Unterlagen zur Kontrolle nachreichen. Aus violetten Gremien ist zu vernehmen, dass die Lage ganz und gar nicht rosig ist.

„Der Sinn der Auflagen besteht darin, dass man generell genauer auf die Finanzen schaut. Es klingt zwar komisch, aber es soll eine Unterstützung für die Klubs sein,“ erklärt Bundesliga-Vorstand Christian Ebenbauer. Die jeweiligen Vereine müssen aber zusätzliche Mittel für einen Wirtschaftsprüfer ausgeben. „Es handelt sich um eine positive Fortbestandsprognose für ein Jahr.“ Bis zur nächsten Lizenzierung Mitte März 2020. Das oberste Ziel von Senat 5 der Bundesliga ist das Überleben eines Klubs für eine Saison. „Wenn man so will, ist es ein Einjahresführerschein“, sagt Ebenbauer bildlich.

Keine Alarmsignale

Kann ein Klub den Lizenzauflagen nicht nachkommen, droht ihm eine Strafe. Der Rahmen reicht dabei von einer Ermahnung über eine Geldstrafe bis hin zu einem Punkteabzug im laufenden Bewerb oder gar dem Lizenzentzug. Austria-AG-Vorstand Markus Kraetschmer kann die Gerüchte über einen möglichen Punkteabzug aber nicht nachvollziehen. „Ich bin ruhig und gelassen.“ Laut Bundesliga gibt es jedenfalls keine drohenden Sanktionen.

Die Unterlagen wurden bis 15. Oktober an die Bundesliga übermittelt, jetzt folgt alles dem gewohnten Prozedere. Der Senat 5 muss beurteilen, ob ihm die Angaben der Austrianer reichen oder ob es Grund gibt für Nachfragen. Kraetschmer nennt einige Gründe für die finanzielle Zitterpartie. „Natürlich hängt es mit dem Stadion zusammen. Der Bau hat gutes Geld gekostet, wir müssen Rückzahlungen an die Bank leisten.“

Auch der Sponsor-Markt stellt sich nicht wie erhofft dar, weil man einem Geldgeber keine Europacup-Teilnahme anbieten kann. Das hat auch zur Folge, dass sich die Spieler nicht in die Auslage für Transfers dribbeln können. Kraetschmer: „Die Konstellation macht es aus.“ Ein violetter Teufelskreis.

Update, 14:45 Uhr: In einer früheren Version des Artikels wurde Ebenbauer mit den Worten "Ein Punkteabzug ist sicher möglich" zitiert. Die Bundesliga dementierte dies in einer Aussendung am Donnerstag-Nachmittag. "Fakt ist, dass die Lizenz-Auflage (überarbeitetes Budget) vom FK Austria Wien vollständig und fristgerecht erfüllt wurde, sowie auch alle weiteren Unterlagen bis dato vollständig und fristgerecht übermittelt wurden", heißt es von Seiten der Bundesliga. Demnach gibt es in diesem konkreten Fall keinen drohenden Punkteabzug und Sanktionen für die Austria.

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