Sport | Fußball
03.08.2018

Aufbruchstimmung: „Wir müssen den neuen Schwung mitnehmen“

Austria-AG-Vorstand Markus Kraetschmer will weitere Partner ins Boot holen. Helfen soll das neue Stadion.

Den Saisonstart erlebte Austrias AG-Vorstand Markus Kraetschmer noch in seinem Urlaub in Kroatien. Da die Veilchen in ihrem neuen Stadion nicht im Europacup aufspielen können, hat die Bundesliga ebenso Priorität wie die Suche nach weiteren Finanzpartnern. Weil der heimische Markt limitiert ist, schaut man in Favoriten über die Grenzen hinweg.

KURIER: Hat die Austria mit der Generali-Arena endlich wieder einen Heimvorteil?

Markus Kraetschmer: Ich hoffe. Im ersten Spiel hat das Stadion schon einen Beitrag geleistet, als wir gegen Innsbruck die Partie drehen konnten. Ich bin mir nicht sicher, ob wir die Partie auch im Happel-Stadion gewonnen hätten.

Beim ersten Pflichtspiel fanden sich knapp über 13.000 Austrianer ein. Enttäuscht, dass die Arena nicht voll war?

Nein, wir wollen nicht unbescheiden sein. Es ist Ferienzeit in Wien, daher war der Beginn durchaus zufriedenstellend. Jetzt liegt es an uns, die Fans mit guten Leistungen ins Stadion zu locken.

Im ersten Jahr strebt die Austria einen Schnitt von 10.000 an. Realistisch?

Ja, das Ziel ist nicht vermessen. Immerhin haben wir jetzt schon 6000 Abos, da werden noch einige dazukommen, wenn die Leute aus dem Urlaub zurück sind.

Zuletzt präsentierte die Austria BWT als neuen Partner. Am Freitag kommt ein weiterer hinzu. Ist damit dann Schluss?

Das ist ein permanenter Prozess. Uns fehlt heuer das internationale Geschäft, daher müssen wir jetzt den Schwung mit der neuen Arena mitnehmen, um mögliche Partner zu begeistern.

Man hört von Gazprom als möglichem Sponsor. So soll es zumindest Sportminister Strache erzählt haben. Nur ein Gerücht?

Theoretisieren bringt nichts. Ebenso wenig wie tägliche Wasserstandsmeldungen. Klar ist, dass wir am Beginn einer neuen Ära stehen. Wie ein Rennpferd, das soeben die Startbox verließ.

Die Austria gibt Investoren die Möglichkeit, bis zu 24,9 Prozent Anteile zu kaufen. Wie soll das konkret aussehen?

Für dieses Modell haben wir die Basis geschaffen, Vergleichbares haben wir uns bei Dortmund angesehen. Unsere Form der AG macht diese Form des Investment möglich. Wir suchen in dieser Hinsicht nicht aktiv nach neuen Partnern, führen aber gerne Gespräche, wenn ein Investor zu uns passt. Es geht dabei aber nicht darum, schnelles Geld aufzutreiben, sondern darum, den Klub kontinuierlich aufzubauen.

Wie viel sind 24,9 Prozent der Austria? Und was sind eigentlich 100 Prozent?

Man kann nicht 24,9 Prozent der Austria kaufen, sondern Anteile der FK Austria Wien AG. Das ist ein großer Unterschied, denn es gibt neben der AG noch den Verein, ausgelagert sind in der Berechnung auch Gastro und Merchandising. Es geht also um die zwei Profi-Teams und die Infrastruktur.

Das neue Stadion gehört zu dieser Infrastruktur. Die Austria müsste somit einen tollen Preis erzielen.

Es gibt einen Preis, den werde ich aber nicht nennen. Wir wollen ja nicht mit einem Preisschild herumlaufen. Es gibt eine Bewertung eines Wirtschaftsprüfers. Diese berücksichtigt stets den aktuellen Zeitpunkt und die Zukunftserwartungen. Natürlich sprechen wir hier von einem zweistelligen Millionenbetrag.

Die Idee der Rising Stars, wo sich Investoren an Transfers beteiligen konnten, hat der Austria viel Geld gebracht. Mittlerweile ist das Modell von der UEFA verboten. Wird es immer schwerer, an Geld zu kommen?

Ja, man muss sich permanent weiterentwickeln, allein schon wegen der Einschränkungen im Regulativ. Auch heute würden gerne Leute bei uns in die Rising Stars investieren. Das Modell fällt nun aber unter die Third Party Ownership (Die UEFA untersagte das Investment dritter Parteien an Transfers, Anm.). Ziel muss es sein, die Austria als Marke zu entwickeln – und zwar international, weil der nationale Markt begrenzt ist. Daher tut es auch so weh, dass wir in dieser Saison nicht im Europacup spielen.