Who let the dogs out? Baloo (l.) ist das jüngste Familienmitglied im Hause Arnautovic. 

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Sport Fußball
01/07/2019

Auf der Insel glänzt nur ein ÖFB-Legionär

Arnautovic ist in der Premier League im Hoch - Fuchs, Prödl und Suttner haben Probleme.

von Günther Pavlovics

Vier Österreicher stehen bei Vereinen der Premier League unter Vertrag. Vier weitere spielen als Profi unterhalb der Premier League. Drei spielen in Nachwuchsteams. Zwei kicken in Schottlands höchster Liga. Nicht berücksichtigt ist dabei Ashley Barnes. Der 29-jährige Stürmer von Premier-League-Klub Burnley hat eine Kärntner Großmutter, aber noch keinen österreichischen Pass. Wenn er diesen bekommt, könnte er für das Nationalteam spielen.

Somit bleibt es bei 13 Österreicher auf der Insel. Ihre Höhen und Tiefen. Ein Rück- und Ausblick.

Marko Arnautovic

Der Teamstürmer ist der Dauerbrenner, der aber immer wieder gesundheitlich auf Sparflamme stellen muss. Am Samstag traf er im Cup, wurde nach 20 Minuten ausgetauscht. Der Wiener wird im April 30 Jahre alt und spielt seit fünfeinhalb Jahren in der besten Liga der Welt. 2013 ging er von Bremen zu Stoke, 2017 wechselte er zu West Ham. Der Angreifer hat in dieser Saison immer wieder Probleme mit seinem Knie, was in der anstrengenden Saison immer wieder zu Pausen geführt hat. Von 21 Ligaspielen hat er 15 bestritten. Von den acht Partien zwischen 1. Dezember und 2. Jänner musste er vier auslassen. Sportlich ist seine Bilanz von sieben Toren und zwei Vorlagen nicht schlecht.

Sebastian Prödl

Wie Arnautovic ist der Teamverteidiger schon seit 2015 in der Premier League. Wie Fuchs und Suttner hat aber auch er seit Sommer einen schweren Stand. Erst ein Spiel in der Premier League hat er bestritten, ein Mal durfte er im Liga-Cup auflaufen. Zuerst wurde er durch eine Muskelverletzung im Spiel gegen Wolverhampton im Oktober gestoppt, als er sich gerade wieder zurückgekämpft hatte.Danach kamen die Schmerzen im Knie, eine konservative Therapie brachte nicht den gewünschten Erfolg. Mittwoch unterzog sich der Steirer einen Athroskopie. „Irgendwie hat das jetzt zu meiner bisherigen Saison gepasst – zur unglücklichen sportlichen Situation ist jetzt noch die Verletzung dazu gekommen. Solche Phasen sind nicht angenehm, gehören aber letztendlich zu einer Profikarriere dazu. Ich bin sehr zuversichtlich gestimmt, dass ich noch einige Jahre auf höchstem Niveau spielen kann“, sagt Prödl, der im Juni 32 Jahre alt wird. 76 Spiele absolvierte er für Watford in der Premier League. Prödl durfte unter Trainer Javi Gracia die ersten zehn Partien nach dessen Premiere im Jänner 2018 spielen, danach nur noch eines. Die türkische Zeitung Günes schrieb zuletzt, dass Fenerbahce Istanbul Interesse zeigen soll, für den Österreicher gar 1,5 Millionen Euro zu zahlen. Prödls Vertrag in Watford läuft noch bis 2021.

Christian Fuchs

Der ehemalige österreichische Teamkapitän hat derzeit seine schwerste Zeit auf der Insel, auch wenn er gestern im FA-Cup in Newport in der Startelf stand. 2015 wechselte er von Schalke nach England und  wurde auf Anhieb mit Leicester sensationell Meister. Seit der Franzose Claude Puel Trainer ist, läuft es nicht mehr so rund für den Niederösterreicher. Fuchs wird im April 33 und ist körperlich topfit. So fit, dass er seinen ursprünglichen Vorsatz hinterfragt.

Eigentlich wollte er 2019 seine Karriere in England beenden und in die USA zu seiner Familie übersiedeln. „Aber ein, zwei Jahre in England könnte ich mir jetzt schon noch vorstellen“, sagt Fuchs. Wohl nicht in Leicester, wo sein Vertrag im Sommer endet. Gestern berichtete der Mirror von einer Job-Option. Aston Villa (Zehnter der zweiten Leistungsklasse) bemühe sich um Christian Fuchs, um den Ausfall von Linksverteidiger Neil Taylor zu kompensieren. Auf dieser Position hat sich bei Leicester Puel für den jungen Engländer Ben Chilwell als Linksverteidiger entschieden.

Fuchs durfte das 22-jährige Eigengewächs in der Liga in 21 Spielen erst ein Mal - verletzungsbedingt - ersetzen. Im Liga-Cup schnappte er sich bei drei Elferschießen den Ball. „Ich lasse mich nicht hängen, nur weil ich in der Meisterschaft nicht spiele. Ich übernehme Verantwortung, wenn man mich lässt“, sagt der Niederösterreicher. 

Markus Suttner

Der Niederösterreicher ging 2015 von der Austria nach Ingolstadt und 2017 zu Aufsteiger Brighton. Allerdings konnte sich der Linksverteidiger bei Trainer Chris Houghton keinen Stammplatz erarbeiten. 18 Spiele hat er seit Sommer 2017 absolviert, 14 davon in der Premier League. Diese Saison war für Suttner, der im April 32 Jahre alt wird, zum Vergessen. Ein Mal durfte er im Cup spielen, ein Mal bei der Zweiermannschaft. Seit Anfang September hat er nicht einmal mehr einen Platz im Kader.Wie The Argus berichtet, will sich Brighton vom Ex-Teamspieler, dessen Vertrag noch bis 2020 läuft, trennen. Aber auch Suttner selbst denkt an Abgang, hätte aus sportlichen Gründen schon vergangenen Sommer einen Tapetenwechsel präferiert, wäre er knapp danach nicht Vater geworden. Jetzt kann Familie Suttner in Ruhe einen Umzug ins Auge fassen. „Ein halbes Jahr ohne Chance ist genug.“ Allerdings verlangt Brighton für ihn eine nicht gerade geringe Ablösesumme. „Interessenten gibt es“, verrät Suttner.

Andreas Weimann

Der Stürmer wird im Sommer 28 Jahre und ist dann schon 12 Jahre auf der Insel. Aston Villa war die erste Station des Wieners, den es über Watford, Derby und Wolverhamton nach Bristol verschlagen hat. Dort ist er in der zweiten Leistungklasse ein Fixpunkt, hat von 26 Spielen nur eines auf der Bank verbringen müssen. Im FA-Cup kam er am Samstag beim 1:0 gegen Huddersfield kurz nach dem Führungstreffer ins Spiel.

Moritz Bauer

Der gebürtige Schweizer wird im Jänner 27, fast genau ein Jahr nachdem er aus Kasan zu Stoke gewechselt ist. Der Rechtsverteidiger konnte den Abstieg nicht verhindern. Der sechsfache österreichische Teamspieler war in der Premier League unter Trainer Paul Lambert ein Fixposten. Nach dem Abstieg durfte er auch unter Gary Rowett die erste beiden Partien noch durchspielen. Danach musste er auf die Bank, seit Anfang November ist er nicht einmal mehr im Kader.

Atdhe Nuhiu

Der 29-Jährige wurde im Kosovo geboren und wuchs in Oberösterreich auf. Er spielte bei Ried und Rapid – und auch in Österreichs U-21-Team (seit 2017 kickt er im A-Team des Kosovo). Seit 2013 ist er in England bei Sheffield Wednesday in der zweithöchsten Spielklasse. Der fast zwei Meter große Stürmer verpasste diese Saison vier von 26 Ligaspielen.

Robert Olejnik

Der 32-jährige Tormann wechselte 2003 vom Nachwuchs der Austria in den Nachwuchs von Aston Villa. Derzeit spielt er in der vierthöchsten Spielklasse (noch immer eine professionelle Liga) bei Mansfield Town, einer Kleinstadt zwischen Sheffield und Nottingham. Dort hatte er nach drei Ligaspielen ein Stammleiberl, riss sich aber im Dezember das Kreuzband.

Daniel Bachmann

2011 verließ der Tormann den Nachwuchs der Austria und ging zu Stoke. Im Sommer wurde der Tormann aus Niederösterreich 24 Jahre, stand bei Watford unter Vertrag und wurde in die schottische Liga nach Kilmarnock verliehen. Trainer Steve Clarke stellte den routinierten Jamie MacDonald nach der 1:2-Heimniederlage gegen Aberdeen Anfang November aus dem Tor und gab Bachmann die Chance. Zieht man das 1:5 bei der Niederlage gegen Celtic ab, dann hat Bachmann in neun Spielen nur drei Gegentore kassiert. Der Klub aus der Kleinstadt südlich von Glasgow war zwischenzeitlich Erster, ist aktuell Dritter – nur einen Punkt hinter Celtic und Rangers.

Peter Haring

Der 25-Jährige, der nie in einer höchsten Liga gespielt hat, schlug in Schottland sofort ein. Der Burgenländer kam im Sommer zu Heart of Midlothian nach Edinburgh. Er hatte schnell einen Stammplatz im Mittelfeld, schoss auch wichtige Tore. Allerdings verlor man im November mit vier Niederlagen die Tabellenführung, hat aber wieder Fuß gefasst und liegt sechs Punkte hinter dem Tabellenführer.

Nachwuchs

- Christoph Klarer spielt bei Southampton in der B-Mannschaft. Der 1,91 Meter große Innenverteidiger aus Böheimkirchen ist 18 Jahre alt.

- Thierno Ballo kam im Sommer zu Chelsea und steht dort im U-19-Team. Der seit 2. Jänner 17-Jährige wurde in der Elfenbeinküste geboren und wuchs in Linz auf. Mit 16 wurde er im Oktober in der Youth League eingesetzt.

- Pascal Juan Estrada spielt seit Sommer bei Wolverhampton im U-18-Team. Der Sohn von Ex-Profi Mario Mühlbauer wird im März 17 Jahre.