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Sport Fußball
04/26/2020

34 Jahre nach Tschernobyl: Fußball im Schatten des Supergaus

Die Katastrophe von Tschernobyl jährt sich zum 34. Mal. Es lassen sich Parallelen zur Corona-Krise ziehen.

von Wolfgang Winheim

Es war einer der unangenehmsten Tage in Rapids Vereinsgeschichte, als die Grün-Weißen im März 1986 vor 104.000 Zuschauern in Kiew vorgeführt wurden. Tormann Michael Konsel k.o. geschossen und beim Pausenstand von 1:4 wegen Gehirnerschütterung in der Kabine geblieben, 1:5 im Europacup-Viertelfinale gegen Dynamo, Rapid mit dem Gesamtcore von 2:9 ausgeschieden.

Ihr Berichterstatter in Kiew war nahe dran, Wörter zu verwenden, die auf einer Sportseite nix verloren haben, nämlich von einem Supergau zu schreiben. Nicht ahnend, dass es zu so einem nur 37 Tage danach nur 108 Kilometer nördlich von Kiew kommen sollte. Als in der Nacht von 25. auf 26. April Reaktor Block 4 des Atomkraftwerkes von Tschernobyl explodierte.

Es ist an diesem Wochenende kein runder, sondern "nur" der 34. Jahrestag. Doch einer, der dazu veranlasst, Parallelen zu ziehen 

Wie Corona von der Politspitze in Peking war anfänglich die Kernkraft-Katastrophe in Moskau unterschätzt bzw. zu vertuschen versucht worden.

Wie kürzlich die Chinesen sprachen zunächst die Sowjets (auch der von seinen Behörden angeblich fehlinformierte gewesene Michail Gorbatschow) von maßlosen Übertreibungen böser westlicher Medien.

Und wie jetzt bei Corona wurde damals über die Zahl der zigtausenden Opfer sehr unterschiedlich spekuliert.

Unleugbar war der dramatische Anstieg von (speziell Schilddrüsen-)Krebserkrankungen. Und dass die radioaktive Wolke eine Kontaminierung von 3,9 Millionen Quadratkilometern europäischen Bodens verursachte. Bedingt durch Ostwind zählte Österreich zu den meist betroffenen Ländern.

Fußball wurde in der Bundesliga zwar weitergespielt (und die Austria von Schützenkönig Toni Polster zum Meistertitel geschossen). Knipse und Jugendkicker sollten sie jedoch nicht im Freien aufhalten. Für sie blieben (so wie gegenwärtig) die Sportstätten wochenlang gesperrt.

Auch viele Erwachsene, die noch 1978 im Sinne von Kernkraft-Befürworter Bruno Kreisky mit einem Ja zu Zwentendorf gestimmt hatten, begannen umzudenken. So lautete die Schlagzeile auf Seite 1 des KURIER vom 3. Mai 1986 (siehe Titelbild): "Haltbarkost und Gasmasken bereits ausverkauft."

Auf Seite 31 derselben Ausgabe wurde Dynamo Kiews Europacuptriumph vermeldet. Die Rapid-Bezwinger hatten, die Katastrophe vor ihrer ukrainischen Haustür auf Moskaus Befehl ignorierend, im (vom Wiener Schiedsrichter und Lehrer Franz Wöhrer souverän geleiteten) Finale Atlético Madrid mit 3:0 vom Stadion-Rasen in Lyon gefegt.

Dynamo Kiew war damals, zumal die Ukraine noch der UdSSR angehörte, nahezu identisch mit der sowjetischen Nationalelf. Und Dynamo-Trainer Waleri Lobanowski zugleich Teamchef der UdSSR.

Dynamo Kiews zum europäischen Fußballer des Jahres gewählte Topstürmer Oleg Blochin wechselte 1988 zu Vorwärts Steyr. Auch das wäre heute undenkbar.

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