Sport | Formel-1
27.07.2018

Ungarn-GP: Vettel knapp Trainingsschnellster am Freitag

Die beiden Red-Bull-Piloten Max Verstappen und Daniel Ricciardo haben das Nachsehen.

Sebastian Vettel hat am Freitag mit 1:16,834 Minuten Trainingsbestzeit für den Ungarn-Grand-Prix erzielt. Der Ferrari-Star war damit auf dem Hungaroring in Magyorod um 74 Tausendstel schneller als Österreich-Sieger Max Verstappen. Dritter wurde dessen Red-Bull-Teamkollege Daniel Ricciardo (+0,227 Sek.). Weltmeister und WM-Leader Lewis Hamilton folgte mit 0,753 Sekunden Rückstand nur auf Rang fünf.

In der Fahrerwertung liegt der britische Mercedes-Pilot, der am vergangenen Sonntag in Hockenheim gesiegt hatte, vor dem zwölften der 21 Saisonrennen 17 Zähler vor seinem großen Rivalen Vettel, der heuer ebenfalls um den bereits fünften WM-Titel seiner Karriere kämpft.

Ferrari sucht einen Weg in die Zukunft

Die Flaggen auf dem Ferrari-Motorhome am Hungaroring wehen auf halbmast, für das italienische Traditionsteam steht das letzte Rennen vor der vierwöchigen Sommerpause im Zeichen der Trauer um Sergio Marchionne, den am Mittwoch verstorbenen Ex-Chef des Autokonzerns Fiat-Chrysler. Die Autos sind mit Trauerflor dekoriert, die Fahrer tragen schwarze Armbinden,   Teamchef Maurizio Arrivabene und der Finne Kimi Räikkönen wurden von ihren offiziellen Presseverpflichtungen am Donnerstag und Freitag entbunden. 

Der Tod Marchionnes hinterlässt ein Vakuum beim Team, das Vettel endlich wieder zur Weltmeisterschaft führen soll, der ersten seit Kimi Räikkönens Erfolg anno 2007. 17 Punkte fehlen dem zweimaligen Ungarn-Sieger auf den fünfmaligen Ungarn-Sieger und WM-Führenden Hamilton. Der Scuderia fehlt nun aber vor allem ein schonungsloser Antreiber.

Kritiker und Visionär

Marchionne, dessen Markenzeichen die dunklen Pullover waren, machte mit seiner Kritik vor niemandem Halt.  Einmal bezeichnete er sich als „härtesten Kritiker“ der Scuderia.  Denkwürdig war die Maßregelung für Kimi Räikkönen im vergangenen Jahr in Spielberg: „Manchmal scheint es, als ob er sich eine Auszeit nehmen würde. An manchen Tagen denke ich, dass er ein bisschen ein Nachzügler ist.“ Marchionne war ein Befürworter einer neuen Nummer zwei: Ferrari-Zögling Charles Leclerc, der bei  Sauber schon 13 Punkte eingefahren hat, war dafür auserkoren. Mit einem 20-Jährigen für einen 38-Jährigen wollte Marchionne Vettel und Ferrari Impulse geben.

Marchionne war auch treibende Kraft hinter der Verbindung von Alfa Romeo und Sauber. Die Schweizer Wagen werden von einem Ferrari-Motor angetrieben, das Team selbst firmiert jedoch als Alfa Romeo Sauber. Alfa Romeo gehört wiederum zu Fiat-Chrysler, Ferrari ist mittlerweile vom Konzern abgespalten. Marchionnes Nachfolger Elkann muss sich auch hier positionieren.

Genauso in der Frage nach der Formel-1-Zukunft von Ferrari. Denn Marchionne hatte den neuen Besitzern immer wieder mit einem Ausstieg gedroht, sollte durch die Änderungen im Motorenreglement von 2021 an seiner Ansicht nach die DNA der Rennserie verloren gehen. „Er hat mit großartiger Leidenschaft, Energie und Einsicht geführt und alle um ihn herum inspiriert“, zollte Formel-1-Geschäftsführer Chase Carey Respekt. „Sein Mitwirken an der Formel 1 ist unermesslich.“