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Sport
01/27/2021

Eskalation im Box-Verband: Drei Top-Boxer lebenslang gesperrt

Die drei A-Kader-Boxer Kurtaj, Dzambekov und Rumpler wurden nach interner Kritik erst suspendiert und nun lebenslang ausgeschlossen.

Ein halbes Jahr vor den Olympischen Spielen in Tokio ist ├ľsterreichs Boxszene tief zerstritten. Im zuletzt ├Âffentlich ausgetragenen Streit vor allem um Daniel Nader hat sich der Boxverband (├ľBV) ganz auf die Seite des Cheftrainers gestellt und den halben A-Kader lebenslang ausgeschlossen. Deshire Kurtaj, Umar Dzambekov und Marcel Rumpler wurden bei einer Online-Vorstandssitzung am Dienstag einstimmig mit 19:0 Stimmen lebenslang gesperrt, gab der Verband bekannt.

Der A-Kader liegt in Tr├╝mmern, nicht erst seit Dienstag. Das Nationalteam, bestehend aus dem nun ausgeschlossenen Trio sowie Aleksander Mraovic, Edin Avdic und Ahmed Hagag war im Oktober nach interner Kritik suspendiert worden. Mitte J├Ąnner gingen die Sportler mit einer sechsseitigen Auflistung von Kritikpunkten und Vorw├╝rfen unter dem Titel "Die Zerst├Ârung junger Sportler und des gesamten olympischen Boxsports durch Daniel Nader" an die ├ľffentlichkeit.

Konflikt um Trainer Daniel Nader

Der Verband reagierte nun mit dem Ausschluss und begr├╝ndete seine Entscheidung mit "der Feststellung eines massiv sch├Ądigenden Verhaltens gegen├╝ber dem ├ľBV und dessen Funktion├ĄrInnen, insbesondere in den sozialen Medien und der Presse". Es habe eine gezielte Medien- und Hetzkampagne stattgefunden, ohne Vorlage von Beweisen. Die Sportler seien der Vorstandssitzung trotz Einladung ferngeblieben, schrieb der Verband und erkl├Ąrte, dass er sich straf- und zivilrechtliche Schritte vorbehalte. 

Entz├╝ndet hat sich der Streit an der Person Daniel Nader. Der Nationaltrainer ist auch Trainer seines Bruders Marcos Nader, Sportdirektor des Wiener Verbands und Chef von Bounce, des gr├Â├čten Boxclubs in ├ľsterreich. Die Sportler, teils ehemalige Bounce-Mitglieder, f├╝hlten sich von Daniel Nader nicht ausreichend betreut und erstellten eine lange Liste von Problemfeldern und teils heftigen Anschuldigungen. "Dies beinhaltet Drohungen, Mobbing, Manipulation, Ausgrenzung, Erpressung, Diskriminierung, Sexismus und Rassismus, alles verursacht ├╝ber Jahre hinweg durch den aktuellen Nationaltrainer Daniel Nader", so die Sportler in einem der APA vorliegenden Schreiben von Mitte J├Ąnner (der Standard berichtete).

Vorw├╝rfe gegen Verbandsf├╝hrung

Die Sportler berichteten von einem Anwaltsbrief mit Aufforderung zu einer Verschwiegenheitserkl├Ąrung, Unvereinbarkeiten aufgrund mehrerer Funktionen von Nader, Druck auf Sportler, dem Bounce-Club beizutreten, und auch von der Online-Vorstandssitzung im Herbst, bei der "bewusst nicht auf die von den Sportlern angef├╝hrte Beweismappe eingegangen" worden sei und "die Sportler bei jeder kritischen ├äu├čerung vom aktuellen ├ľBV-Pr├Ąsidenten Daniel Fleissner manuell auf 'stumm' geschalten" worden seien.

Sport Talk mit Boxer Marcos Nader

Den Gang an die ├ľffentlichkeit erkl├Ąrten die Sportler damit, dass "sich der Verband in keinster Weise bem├╝hte, Ver├Ąnderung zu schaffen, stattdessen die falsche Person (Daniel Nader) in Schutz nahm". Der ├ľBV sieht das anders und griff am Dienstag mit drastischen Ma├čnahmen durch. Dem stimmte wenig ├╝berraschend auch Bruder und Top-Boxer Marcos Nader zu: "Wir haben die Boxer immer gepusht, auch medial. Dieser Schritt war nach dieser Kampagne unumg├Ąnglich."

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