Zum Wegschauen war die Leistung der Austria beim LASK über weite Strecken

© APA/ERWIN SCHERIAU / ERWIN SCHERIAU

Sport
02/24/2019

Die Austria ist wie ein Ringelspiel

Fehlstart ins Frühjahr: Seit Jahren drehen sich die Veilchen im Kreis, das 0:2 beim LASK hat die Krise weiter verschärft

von Alexander Strecha

Was haben die Austria und ein Ringelspiel gemein? Beide drehen sich im Kreis. Die Austria seit mittlerweile mehr als fünf Jahren – und sie wundert sich dennoch, dass eine kontinuierliche Weiterentwicklung im Abseits steht. Aktuell ist der Klub drauf und dran, Fehler der Vergangenheit abermals zu begehen und besagtes Ringelspiel damit in Schwung zu halten. Seit dem Meistertitel 2013 beschäftigte man insgesamt sechs Trainer, von Liga-Krösus Salzburg ist die Austria derzeit so weit entfernt wie schon lange nicht, der Europacup ist derzeit mehr Wunschdenken als realistisch machbares Ziel.

Das Wetter kann so trügerisch sein. Sonnenschein am Samstagvormittag über Favoriten, und dennoch lange Gesichter. Nach zwei Niederlagen im Frühjahr ist die violette Gemütslage alles andere als heiter. Immerhin flüchten sich die Fans in Galgenhumor, den sie mit einem Transparent in Pasching bewiesen, als sie nochmals auf die Cup-Blamage gegen die Teilzeit-Profis des GAK anspielten: „Student, Lagerarbeiter, Büroangestellter. Und was macht ihr hauptberuflich so?“

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Kommen und gehen

Am Ende des Abends forderten sie wieder den Rauswurf von Trainer Thomas Letsch, der offiziell (noch) nicht zur Diskussion steht, aber kommende Woche das Heimspiel gegen Hartberg gewinnen sollte. Darüber hinaus ist die Frage berechtigt, was ein Trainerwechsel wirklich bringen kann. Einen Fehlgriff kann man sich nicht leisten, denn seit der Saison 2013/14, also nach dem Meistertitel und dem Einzug in die Champions League, dreht sich die Austria im Kreis. Jährlich grüßt das Murmeltier, immer wieder geht es zurück zum Start. Nenad Bjelica führte die Austria in die Champions League, wurde nach acht Monaten beurlaubt. Herbert Gager übernahm für drei Monate, er verpasste das Ziel Europacup. Gerald Baumgartners Wirken erstreckte sich über zehn Monate, Klub-Legende Andreas Ogris übernahm und kam mit seinen Veilchen ins Cup-Finale.

Dann kam die „Ära“ von Thorsten Fink, der immerhin 31 Monate bleiben durfte. Mit ihm wurde die Austria Dritter und Zweiter, zwei Mal schaffte man, wenngleich mit dem nötigen Glück, den Einzug in die Gruppenphase der Europa League. Am Ende waren die Stagnation und das sture Festhalten am System die Hauptgründe für die Trennung. Auf Fink folgte Thomas Letsch, der nun schon ein Jahr lang der Dirigent am Verteilerkreis sein darf.

Aber wie lange noch?

Denn in den violetten Gremien wird von jenen Protagonisten über die sportlichen Darbietungen diskutiert, die sich vor einem Jahr voller Überzeugung für Letsch entschieden haben, einige von ihnen haben auch im Sommer elf neue Spieler verpflichtet, sie stehen daher ebenso in der Verantwortung wie das Trainerteam. Nun geht die Angst um, dass die Austria auch im zweiten Jahr in der neuen Generali-Arena keinen internationalen Auftritt haben könnte.

Der neue Präsident Frank Hensel beschäftigt sich im Gegensatz zu seinem Vorgänger Wolfgang Katzian vermehrt mit den sportlichen Belangen, nach dem Cup-Aus gegen den GAK wollte er in einem Vier-Augen-Gespräch von Trainer Letsch die Gründe für die Pleite hören.

Nenad Bjelica: Führte die Austria in die Champions League. Blieb acht Monate Austria-Coach .

Herbert Gager: Verpasste in drei Monaten Amtszeit den angestrebten Europacup-Platz.

Gerald Baumgartner: Nach nur zehn  Monaten trennte sich die Wege.

Andreas Ogris: Die Austria-Ikone führte die Veilchen ins Cupfinale, wo man gegen Salzburg verlor. Blieb drei Monate.

Thorsten Fink: In der Liga Dritter und Zweiter, zwei Mal in der Europa League, dann folgte die Stagnation. Trainierte die Violetten immerhin 31 Monate lang.

Thomas Letsch: Der aktuelle Coach ist seit einem Jahr im Amt.

Viele Gründe

Davon gibt es reichlich, unterm Strich bleibt aber, dass das Team die Vorstellungen des Trainerteams viel zu selten umsetzt. Vielleicht verlangt der Trainer zu viel, vielleicht sind die von ihm Ausgewählten einfach nicht dazu imstande. Die Qualität, so wird oft versichert, sei vorhanden, allein, sichtbar wird sie auf dem Platz zu selten.

Fraglich, ob ein neuer Coach alles anders und vor allem besser machen könnte. Der Kader wäre nicht der seine, neue Spieler müssten somit verpflichtet werden. Und das Ringelspiel würde sich weiterdrehen. Vielleicht Zukunftsmusik, die Gegenwart lautet Hartberg. Sportdirektor Ralf Muhr weiß, was es geschlagen hat: „Ich weiß nicht, welche Steigerung es von Pflichtsieg gibt. Der Druck ist riesengroß, wir müssen ein positives Ergebnis liefern.“

Die internen Diskussionszirkel nach Niederlagen sollten endlich erfolgreichen Taten weichen. „Wir haben uns selbst in diese brenzlige Situation gebracht, das ist auch jedem klar“, berichtet Muhr nach der Aussprache.

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