Altlast der Ära Strache: Zwei Judo-Millionen sind wieder da

Altlast der Ära Strache: Zwei Judo-Millionen sind wieder da
Der internationale Judo-Verband zahlte die Gebühr für die abgesagte WM 2021 in Wien zur Gänze zurück.

Der österreichische Judo-Verband kann das Kapitel um die Zahlung von zwei Millionen Euro als Lizenzgebühr für die schließlich abgesagte WM 2021 in Wien abhaken. Laut ÖJV-Mitteilung vom Dienstag hat die neue Verbandsführung unter Präsident Martin Poiger in langen Verhandlungen die vollständige Rückzahlung des Betrages durch den Weltverband erreicht. Diese Summe war aus dem Sportbudget der Bundesregierung gezahlt worden, die Refundierung belastet nun das Verbandsbudget nicht. Die Vorgänge im Sportministerium rund um die Finanzierung der WM war Gegenstand zahlreicher parlamentarischer Anfragen.

Mit Strache nach Baku

Im September 2018 hat der ehemalige Vizekanzler und Sportminister Heinz-Christian Strache die Ausrichtung der Judo-WM 2021 in Wien gesichert. Er reiste gemeinsam mit dem damaligen ÖJV-Präsidenten Hans Paul Kutschera und einer FPÖ-Delegation in die aserbaidschanische Hauptstadt Baku. Es gab auch Kritik, weil kein klarer Finanzierungsplan vorlag. Sechs Millionen Euro sollten an den internationalen Judoverband gehen, die WM sollte insgesamt zwölf Millionen Euro kosten. Der Judo-Verband sah sich nicht imstande die restlichen sechs Millionen aufzutreiben. Allerdings waren schon zwei Millionen Euro aus dem Sportministerium an den internationalen Verband überwiesen worden. Weil die zweite Rate in Höhe von zwei Millionen nicht mehr überwiesen wurde, hat der internationale Verband 2019 die WM Österreich wieder entzogen.

Altlast der Ära Strache: Zwei Judo-Millionen sind wieder da

Österreichs Judo-Präsident Martin Poiger kann sich freuen, dass eine Altlast beseitigt wurde

Zwei Millionen an das Ministerium

Im Mai 2019 war aber auch Strache als Sportminister Geschichte. "Seit Absage der WM wurde seitens des Sportministeriums die Rückerstattung verlangt. Wenn wir diese Summe aus dem Verbandsbudget bestreiten hätten müssen, wären wir für mehrere Jahre mit finanziellen Engpässen konfrontiert gewesen", erklärte Poiger. Der ÖJV-Chef dankte dem Weltverbands-Präsidenten Marius Vizer - er ist gebürtiger Rumäne mit Wohnsitzen in Wien und Budapest und Staatsbürgerschaft in Österreich - für das Entgegenkommen. "Rein rechtlich gesehen wäre die IJF zu einer vollständigen Rückzahlung nicht verpflichtet gewesen", sagte Poiger und sprach von einem verfrühten Weihnachtsgeschenk. Die zwei Millionen seien umgehend an das Sportministerium überwiesen worden.

Erbschaft der Ära Strache

Die Turbulenzen rund um die Wien-WM hatten zu Neuwahlen des ÖJV-Präsidiums geführt. Poiger wurde zum Nachfolger von Hans Paul Kutschera gewählt. Das Sportministerium unter dem damaligen Vizekanzler Heinz-Christian Strache hatte nach Zuerkennung der WM 2018 ein Drittel der IJF-Lizenzgebühr von sechs Millionen übernommen. Als die zweite Rate nicht bezahlt wurde, entzog der Weltverband im Oktober 2019 dem ÖJV die WM, die schließlich in Budapest ausgetragen wurde.

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