© Antun Mauch

Porträt
02/03/2021

Albert Vastić: Ivos älterer Bruder über den Erdbeben-Schock

Fußballerfamilie: Sein Vater war ein pfeilschneller Spieler, mit seinem Bruder verbindet ihn bis heute die Leidenschaft.

von Uwe Mauch

Als Dalmatiner weiß er exakt, wie sich das anfühlt: Wenn er gegen die vom Jugo oder von der Bora aufgewühlte Adria viel Anstrengung benötigt, um sich auf seinem Surfbrett zu halten. Als Dalmatiner in Zagreb war er hingegen schockiert: „Ich hatte gerade mein Lauftraining auf dem Jarun begonnen, da bemerkte ich, wie sich der gesamte Freizeitpark für eine halbe Ewigkeit lang hin- und herbewegte.“

Erst suchte der Fußballtrainer Albert Vastić den Fehler bei sich: „Ich dachte, dass mir nicht gut ist.“ Doch dann erkannte der 18 Monate ältere Bruder von Ivica Vastić, dem ersten ÖFB-Torschützen bei einer EURO (2008 in Wien), schnell: „Schon wieder bebt bei uns die Erde.“

Anders als viele seiner kroatischen Landsleute hat der 52-Jährige inzwischen seine Erdbeben-App auf dem Handy gelöscht: „Täglich Alarm, das macht dich auf Dauer wahnsinnig.“

Am Rande eines Vorbereitungsspiels der U 18 des ambitionierten Zagreber Zweitligisten NK Rudeš erklärt er einen weiteren Grund, warum er auf die App verzichten kann: „Meine Frau und ich wohnen im fünften Stock eines zum Glück modernen Wohnhauses. Das schwankt seit gut vier Wochen mehrfach am Tag oder bei Nacht.“

Regelmäßig schildert der ältere seinem jüngeren Bruder in Wien, wie das Leben zwischen den Beben mürbe macht. Das hat auch den in Österreich bekannten Spross aus der Spliter Vastić-Dynastie spontan dazu bewogen, die Hilfsaktion des KURIER zu unterstützen (siehe rechts).

Pfeilschneller Herr Papa

Beide Vastić-Buben haben die Liebe zum Fußball vom Vater geerbt, der unter anderem bei Hajduk Split und in Sarajevo in der damals höchsten Liga Jugoslawiens seine Grundschnelligkeit gut ausspielte.

„Leider hat der Ivo mehr vom Papa geerbt“, erzählt Albert mit einem Lächeln. Gut erinnert er sich an die gemeinsame Kindheit in Kaštela sowie an die Spiele im gemeinsamen Verein in Split: „Immer wenn ich den Ivo an der Seitenlinie aufwärmen sah, wusste ich, dass ich in Kürze ausgewechselt werde.“

Heute tauschen die beiden nicht nur Erinnerungen, sondern auch ihre Expertisen als Trainer von Nachwuchsfußballteams aus. Während sein Bruder in der Akademie der Wiener Austria arbeitet, ist Albert Vastić als einer von gut fünfzig Diplom-Fußballtrainern beim Zagreber Fußballverband fest angestellt.

Zuvor hat er ein insgesamt fünfsemestriges Fußball-Diplomstudium am Institut für Sportwissenschaften der hiesigen Universität mit Erfolg abgeschlossen.

Im Gegensatz zum Profitrainergeschäft bekommen die Zagreber Trainer mehr Zeit, um Spielphilosophien zu vermitteln, so Vastić. Jeder Vertrag gilt für ein Jahr und kann Anfang August beidseitig verlängert werden. Seine persönliche Bilanz: „Ich arbeite jetzt schon zehn Jahre hier im Nachwuchsbereich.“

Womit der Uni-Absolvent auch schon auf die nationalen Unterschiede in der Talenteförderung zu sprechen kommt: „Ihr habt in Österreich die bessere Infrastruktur aufgebaut und dazu eine strukturiertere Arbeitsweise.“

Aber? „Wir können hier in Kroatien mit der wahrscheinlich letzten Generation arbeiten, die ihre Technik und ihr Spielverständnis nicht auf der Playstation, sondern auf der Straße gelernt hat.“ Auch sei der Fußball in seinem Land die unumstrittene Sportart Nummer eins, gefolgt von allen anderen Ballsportarten.

Nicht auf der Playstation

Dennoch ruhte die Kugel auch im Land des Vizeweltmeisters nach dem zweiten Corona-Lockdown mehrere Wochen lang. Keine einfache Zeit für den Trainer, der 24 Spieler der Unter-13 von NK Rudeš bei Laune halten musste: „Täglich haben sie mich angerufen und gefragt, wann wir uns endlich wieder auf dem Platz sehen können.“

Wie überall konnte nur online und individuell trainiert werden, wobei das Jonglieren mit dem Ball Teil jeder Trainingseinheit war. Dazu gesellte sich die jugendliche Unbeschwertheit. Albert Vastić zeigt Verständnis, auch er war einmal ein Kind: „Der Verein konnte ihnen das nicht verbieten, aber sie trafen sich regelmäßig zum Ballestern auf den kleinen Spielplätzen in unserem Viertel.“

Auch deshalb, erklärt der Coach, habe es nach dem ersten Lockdown „gerade einmal zehn Tage lang gedauert, bis meine Kids den Trainingsrückstand aufgeholt hatten“. Seit Montag ist es übrigens wieder so: „Wir dürfen wieder gemeinsam aufs Feld.“

Ivica Vastic, Fußballtrainer mit familiären Wurzeln in Kroatien, derzeit auch Testimonial der KURIER-Hilfsaktion: „Für die Kroaten ist es  eine Herzensangelegenheit, den Erdbebenopfern zu helfen. Umso mehr freut mich die Spendenaktion des KURIER. Ich fühle mit den Betroffenen mit. Mein Bruder wohnt in einem Hochhaus in Zagreb, von ihm weiß ich, wie bedrohlich die Beben sind.“

Gemeinsam stark: Der KURIER kooperiert bei seiner Spendenaktion mit den beiden Hilfsorganisationen Rotes Kreuz und Caritas. Darüber hinaus unterstützen erfahrene Mitarbeiter des AußenwirtschaftsCenter Zagreb der Wirtschaftskammer (WKÖ) die Aktion mit ihrer in Kroatien erworbenen Expertise.

Caritas: Kennwort: „Kroatienhilfe KURIER“. Der IBAN des Spendenkontos der Caritas lautet: AT23 2011 1000 0123 4560

Rotes Kreuz: Kennwort: „KURIER Erdbebenhilfe Kroatien“.  Der IBAN des Rot-Kreuz-Spendenkontos lautet: AT57 2011 1400 1440 0144

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.