Was kommt ins Glas, wenn es alkoholfrei sein soll?

Wer aus gesundheitlichen oder sonstigen Gründen auf den Wein zum Essen verzichten will, sagt meistens Obi gespritzt. Das ist okay, aber es geht auch ein wenig raffinierter.

Der Trend: Alkoholfreies Getränkemenü zum Menü

Die Feinschmecker-Restaurants "Steirereck" ( Wien), "Taubenkobel" (Schützen) und "Floh" (Langenlebarn) haben die Vorliebe der Gäste zum Verzicht bereits für sich entdeckt. Sie bieten ihren Gästen eine Getränkebegleitung zum Menü, die Wein, Bier und Champagner vollkommen auslässt und trotzdem mehr kann als der übliche gespritzte Apfelsaft. Dabei kommen nicht einfach verschiedene Fruchtsäfte zum Zug. Eveline Eselböck serviert den Gästen auch einmal eine Schale Tee, wenn es zum Essen passt. Nichttrinker müssen nicht mehr länger voller Neid auf die Tischgenossen schauen, die sich aus eleganten Gläsern tolle Weine gönnen. Wobei auch gesagt werden muss, dass nicht jeder im Verzicht auf Alkohol wirklich einen Verzicht sieht.

Die Expertenmeinung

Dass der sortenreine Apfelsaft oder auch der Tee dabei aus einem ordentlichen Glas (oder Tasse) und nicht aus dem Wasserglas serviert wird, gehört zum Ritual. Sommeliers - das sind die Leute, die es verbrieft bekommen haben, dass sie vom Wein mehr als der Durchschnitt verstehen - haben zur Getränkewahl eine eigene Vorstellung, die über das Thema Obi gespritzt weit hinausreicht. Annemarie Foidl, Österreichs Vorstandsmitglied der Sommeliers, erzählte unlängst: "Wir Sommeliers zerteilen ein Gericht in einzelne geschmackliche Bestandteile. Da ist Bitter, da ist süß, dann ein Aroma von Blüten, hier der Jodgeschmack des Meeresfisches. Jedes dieser Komponenten hat beim Getränk eine passende Ergänzung, ob das jetzt Tee, Obstsaft oder auch Kombucha ist."

Kombucha als Alternative zu Wein

Kombucha ist eine fermentierte Teemischung, zweimal fermentiert, um es genau zu sagen. Bei der ersten Fermentation kommt der Zucker zum sanft gekochten und schließlich wieder abgekühlten Tee. Bei der zweiten Gärung wird auch die letzte Spur von Alkohol, der während der ersten Fermentierung entstanden ist, beseitigt. Kombucha will sich jetzt in der Gastronomie als elegante und gesunde Alternative zum Wein positionieren. Ambitioniert. Doch tatsächlich schmecken die verschiedenen Sorten sehr gut zu dem einen oder anderen Gericht. Kombucha hat keinen Zucker und passt sich deshalb dem Essen besser an als viele Obstsäfte. Die Sorte Cranberry erinnert im Aroma entfernt an leichte, beerenfruchtige Rotweine, zum Beispiel von der Loire.

Ein Apfelsaft am Tag ...

Wer einmal die Apfelsäfte der Familie Wetter gekostet hat, weiß, dass es gute und besonders gute Jahrgänge (um die O-Töne der österreichischen Weinvermarkter zu zitieren) nicht nur beim Wein gibt. Wetter presst als einer der wenigen Produzenten sortenreine Säfte. Die Unterschiede zwischen Boskop oder Golden Delicius sind wie zwischen Forelle und Backhendl. Auch Birnensaft eignet sich gut zum Essen. Zu deftigen Speisen passt auch hervorragend Most aus Äpfeln oder Birnen. Allerdings ist da auch ein klein wenig Alkohol drin.

Trinken Sie Tee

Milliarden von Chinesen, Indern und Japanern können nicht irren. Zu gemüsigen Speisen ist Tee geradezu ideal. Zu einem Spinatgericht zum Beispiel grüner Tee oder auch Jasmin. Alles, was irgendwie asiatisch daherkommt, verlangt geradezu nach Tee. Russischer Tee, wie unsere Omas früher den schwarzen Tee genannt hat, macht sich sicher gut zu Palatschinken oder anderen böhmischen Mehlseisen - und natürlich auch zu Gerichten mit roter Rübe (Bortsch).

Wasser, Marsch

Viele Gerneesser und Gernetrinker greifen zu Wasser, wenn es einmal alkoholfrei sein soll. Wassers Vorteil: die totale Kalorienarmut, die es sich mit dem Tee teilt, und die vollkommene Geschmacksneutralität. Allerdings schmecken nicht alle Wasser gleich gut. Wer einmal zum Beispiel in Osttirol Quellwasser aus den hohen Tauern getrunken hat und dann zum Beispiel im Süden von Wien das nicht ganz so gute Leitungswasser probiert, weiß, was gemeint ist.

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