Reisen nach Istanbul nicht ungefährlich
Wer eine Reise in die Türkei geplant hat, sollte sich den Antritt genau überlegen. "Laut türkischen Medienberichten sind in naher Zukunft Anschläge in der Stadt Istanbul nicht auszuschließen", steht auf der Seite des Österreichischen Außenministeriums. "Es wird daher dringend empfohlen, den Anweisungen lokaler Behörden unbedingt Folge zu leisten und größere Menschenansammlungen zu meiden."
Seit den Anschlägen in Grenznähe zu Syrien wird weiters dringend empfohlen, sich nicht in der Nähe der Grenzen zu Syrien und Irak aufzuhalten und insbesondere Grenzanlagen zu meiden.
Angst vor einer Rückkehr der Gewalt
Der Bombenterror ist nach jahrelanger Abwesenheit in das Urlaubsland Türkei zurückgekehrt. Wie schon Tunesien und Ägypten sieht sich auch die Türkei einer wachsenden Gefahr von Terroranschlägen ausgesetzt. Die Nervosität am Tourismussektor steigt.
Derzeit seien noch keine Stornierungen eingegangen, erklärte der Obmann des türkischen Hotelierverbandes TÜROFED, Osman Ayik, gegenüber der türkischen Nachrichtenagentur Dogan. Das könnte sich aber mit einer Eskalation der Gewalt ändern. Mit den Luftschlägen gegen Stellungen der verbotenen türkischen Arbeiterpartei PKK und gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) habe "ein unvorhersehbarer Prozess begonnen", warnte er.
Der Chef der Fremdenführervereinigung in Antalya, Hasan Uysal, ließ durchblicken, dass sich ausländische Reiseveranstalter bereits die Frage stellen würden, ob die Sicherheitslage gut genug sei, um Touristen in die Türkei zu schicken, zitiert ihn die Tageszeitung "Milliyet".
Tourismusbranche nervös
Die Nervosität der türkischen Tourismusbranche ist berechtigt. Die Regierung in Ankara hat nach dem blutigen Attentat in der türkischen Stadt Suruc nahe der syrischen Grenze am 23. Juli und der Bilanz von 32 Toten einen Zweifrontenkrieg eröffnet. Sie geht gleichzeitig gegen die Jihadisten des IS, denen der Anschlag zugeschrieben wird, und gegen die PKK vor. Der Tourismus des Landes könnte dabei völlig unter die Räder geraten.
Die hochfliegenden Pläne des türkischen Tourismus für das laufende Jahr müssen nach dem Anschlag in der türkischen Grenzstadt wahrscheinlich zu den Akten gelegt werden. Noch im Mai hatte der Chef des türkischen Reisebüroverbandes TÜRSAB, Basaran Ulusoy, mit 36 Mrd. Dollar (32,65 Mrd. Euro) an Einnahmen und 42 Millionen Besuchern spekuliert, wie die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu berichtete. Dies war bereits vor der Zuspitzung der politischen Lage ein viel zu hoch gestecktes Ziel.
In den vergangenen Monaten hat die Wirtschaftskrise in Russland den Sektor bereits empfindlich getroffen. Der zweistellige Rückgang bei russischen Urlaubern hat die Tourismuszahlen im ersten Halbjahr insgesamt nach unten gedrückt. Die Region Antalya hat im ersten Halbjahr ein Minus von neun Prozent und einen Rückgang auf 4,2 Millionen Besucher verzeichnet. Mit rund 35 Prozent Anteil an allen Urlaubern ist die türkische Riviera die wichtigste Einnahmequelle für den Tourismus, gefolgt von der Millionenmetropole Istanbul mit rund 30 Prozent sowie der Provinz Mugla an der Westküste des Landes.
Nach aktuellen Angaben des türkischen Tourismusministeriums wurden von Jänner bis Juni knapp 15 Millionen Ausländer-Ankünfte verzeichnet, 2,25 Prozent weniger als noch ein Jahr zuvor. Nur der Zuwachs bei den Gästen aus Deutschland hat einen noch stärkeren Rückgang verhindert. 12,4 Prozent mehr deutsche Urlauber im Zeitraum Jänner bis Mai haben die Bilanz aufgefettet und den Verlust abgefedert.
Auslastung sinkt drastisch
Einer aktuellen Studie des Marktforschers STR Global zufolge sinkt die Auslastung türkischer Hotels im europäischen Vergleich jedoch drastisch. Die Auslastung fiel im Juni 2015 im Jahresvergleich um 7,6 Prozentpunkte auf 68,6 Prozent. Die sinkende Auslastung geht einher mit einem Preisverfall. In der Region Antalya etwa sank die Auslastung im Juni sogar um 9,7 Prozentpunkte auf etwas mehr als 68 Prozent. Die Hotelpreise in der Region gaben im Durchschnitt um knapp 8 Prozent nach.
Mit der Aufkündigung des Friedensprozesses mit den Kurden hat Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan den Grundstein für neue Gewalt gelegt, die bereits die Großstädte Istanbul, Izmir und Ankara erfasst hat und auf die Touristengebiete übergreifen könnte. Bisher gelten in über 30 Provinzen des Landes verschärfte Sicherheitsvorkehrungen. Dazu zählen nicht nur die Grenzgebiete zum Irak und Syrien, sondern auch die Metropolen des Landes. Gleichzeitig kursieren seit Monaten Warnungen vor Attentaten durch jihadistische Zellen des IS. Ein ähnlich blutiger Anschlag wie in Tunesien Ende Juni dieses Jahres würde den türkischen Tourismus um Jahre zurückwerfen.
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