Unvergesslich bleibt der Besuch in Sa Pa bei den Reisterrassen und den Menschen, die diese bewirtschaften.

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Reise
03/31/2019

Nordvietnam: Einer der außergewöhnlichsten Plätze der Welt

Die Reisterrassen rund um Sa Pa in Vietnam blieben von der westlichen Globalisierung bisher verschont. Zu Gast bei den Minderheiten.

von Caroline Ferstl

Mama Lili pflückt einen Farn, reißt einen Faden aus ihrem Kopftuch und wickelt die beiden Blätterenden an den Stängel. Der gebundene Farn erinnert an ein Herz. In gebrochenem Englisch erzählt sie von ihrer Familie.

Kurze Verschnaufpause, bevor es weiter bergauf geht, vorbei an Reisterrassen, freilaufenden Wasserbüffeln und Hängebauchschweinen. Mama Lili, die viel älter aussieht, als sie eigentlich ist (Mitte 50), geht trittsicher voran. Das Ziel: das kleine Dorf Háo Thào nahe des Bergstädtchens Sa Pa, wo Mama Lili mit ihrem Sohn, dessen Frau und ihren fünf Enkelkindern lebt. Dort wird übernachtet.

Abseits der Touristenstadt

Sa Pa liegt auf 1.560 Metern Höhe in der Provinz Lao Cai nahe der chinesischen Grenze. An das einst so verschlafene Bergstädtchen erinnert wenig, je mehr Touristen kommen, desto mehr Hotelkomplexe werden gebaut. Zehn Kilometer entfernt befindet sich Vietnams höchster Berg, der Fan Si Pan. Wer die auf 3.143 Metern gelegene Bergspitze erobern will, kann dies in Stilettos und Flipflops tun – seit 2016 gibt es eine Seilbahn hinauf.

Um jedoch in die malerische Naturkulisse Nordvietnams und das ursprüngliche Leben der hier ansässigen Minderheiten eintauchen zu können, muss man in die Wanderschuhe schlüpfen, Sa Pa hinter sich lassen und Mama Lili in die Reisterrassen folgen.

27 Minderheiten bevölkern den Norden Vietnams. Zu erkennen sind die Stämme an ihrer Kleidung: Die Frauen der Red Dao tragen rote Tücher auf dem Kopf, die Blumen Hmong erkennt man an ihren farbenfrohen Gewändern. Mama Lili gehört dem Stamm der Schwarzen Hmong an. Sie tragen große, silberne Ohrringe und indigofarbene Gewänder, die sie selbst färben.

Sechs Stunden dauert der Aufstieg von Sa Pa bis nach Háo Thào. Beim Besuch der Dörfer ist Einfühlungsvermögen gefragt: Vor dem Fotografieren der Minderheiten sollte man um Erlaubnis bitten, es besteht der Glaube, dass ihr Geist durch den Schnappschuss eingefangen wird. Buddhismus, Schamanismus, Ahnenkult und Konfuzianismus – Vietnam ist reich an nebeneinander existierenden Religionen und Philosophien.

Seilspringen statt Computer spielen

Mama Lilis Dorf besteht aus verstreut gelegenen Häusern, Autos gibt es keine, dafür Satellitenschüsseln auf den Dächern. Das Vertrauen der Kinder gewinnt man mit mitgebrachten Süßigkeiten, bevor es wieder zurück zum Spielen geht mit zusammengeknoteten Seilen, Fahrradreifen und Stöcken.

Die älteren Mädchen blicken auf ihr Smartphone. Englisch sprechen sie nicht. Wie interessant wäre es, zu wissen, wie viel sie hier von der globalisierten Welt da draußen mitbekommen.

Das Holzhaus, das Mama Lili mit ihrer Familie bewohnt, wurde vor sechs Jahren neu gebaut. „Seit damals haben wir Gas und Elektrizität“, erklärt sie stolz. Gekocht wird trotzdem noch auf der alten Feuerstelle, abgewaschen in einem Wasserloch auf dem Küchenboden. Die Fenster haben kein Glas. Zum Abendessen versammelt sich die ganze Familie um einen Tisch auf den typisch vietnamesischen Plastikstühlen. Serviert werden Reis, Tofu in Paradeissauce, Hühnchen mit Papaya, gebratener Fisch, Spinat und Reiswein. Der Hausherr murmelt ein schnelles Gebet, bevor sich die Kinder auf das Essen stürzen. Aufmerksam schaut Mama Lili, dass jeder etwas auf dem Teller hat, bevor sie selbst zugreift.

Frühstück mit Aussicht

Zur Dusche gelangt man über den Hof, doch darauf wird an diesem Abend verzichtet. Die Betten sind hart, vor lauter Erschöpfung kommt der Schlaf trotzdem. „Frühstück“, ruft Mama Lili am nächsten Morgen, ihr R klingt wie ein L. Für die Gäste gibt es statt der traditionellen Nudelsuppe die wohl besten Bananen-Pancakes. Vielleicht schmecken sie aber auch nur aufgrund des atemberaubenden Ausblicks, den man dazu serviert bekommt, so gut: Langsam lösen sich die frühmorgendlichen Nebelschwaden auf und das Grün der Reisterrassen kommt zum Vorschein.

Gestärkt geht es zurück ins Tal. Auf dem Weg wird halt gemacht in den schon zivilisierteren Dörfern Lao Chai und Tan Van. Hier gibt es zumindest Glas in den Fenstern. Als Souvenir wird noch schnell ein indigogefärbter Polsterbezug mitgenommen. Der ziert nun die Couch zu Hause. Auf dem Tisch davor steht Mama Lilis getrocknetes Farnherz in der Vase, eine Erinnerung an die so andere, magische Welt im Norden Vietnams.

Info

Anreise Flüge von Wien nach Hanoi nur mit Zwischenstopp. Von Hanoi aus nimmt man den (Nacht-)Zug nach Lao Cai, die restlichen 38 km legt man mit dem Bus oder Taxi zurück. Mindestens genauso abenteuerlich ist die kurvenreiche Fahrt im Schlafbus. Zwischen sieben bis zehn Stunden ist man unterwegs.

Währung  1 € = 26.231 Dong (VND)

Beste Reisezeit Von März bis Mai und von September bis November ist das Wetter sonnig und stabil. Von Dezember bis Februar herrschen kalte Temperaturen, im Sommer ist Regenzeit.

Essen & Trinken Keine Angst vor den Garküchen: In Vietnam kann man hervorragend auf der Straße essen. Rohes Gemüse, ungeschältes Obst sowie nicht abgekochtes Leitungswasser sollte man vermeiden.

Wohnen Am besten  bei den Einheimischen, etwa bei Mama Lili's Homestay Sapa, die Unterkünfte sind vor Ort buchbar. Kosten zwischen zehn und 15 € pro Nacht.

Auskunft www.sapaochau.org

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