Teilnehmer einer Demo gegen ein Bergbahnprojetk und "Overtourism" im Rettenberg-Kranzegg.

© APA/dpa/Karl-Josef Hildenbrand

Reise
10/04/2019

"Münchner, bleibt daheim!": Menschenkette gegen "Overtourism"

Seen und in Wanderregionen in Bayern droht bei schönem Wetter regelmäßig der Freizeitkollaps. Gemeinden laufen Sturm.

"Tourist go home" - in Venedig und in Barcelona findet man solche und ähnliche Sprüche an Wände gesprüht. Wütende Einheimische demonstrierten für ein Ende der Invasion. So extrem ist es in Oberbayern und im Allgäu nicht. Doch auch dort wird es manchem zu viel mit dem Andrang von Urlaubern und Ausflüglern.

In Rettenberg-Kranzegg wurde am Donnerstag mit einer Menschenkette gegen ein Bergbahnprojekt und "Overtourism" protestiert.

Straßen an Seen verstopft

An den Seen um München, darunter Ammersee und Starnberger See, sind im Sommer die Strände überfüllt und die Straßen verstopft. "Münchner, bleibt daheim!", überschrieb die "Süddeutsche Zeitung" vor einiger Zeit einen Artikel. Seit Jahren nimmt der Druck vor allem auf das südliche Oberbayern zu. München wächst ungebremst, dazu kommen Urlauber aus anderen Teilen Deutschlands oder aus dem Ausland. Immer öfter droht der Freizeitkollaps.

"Overtourisms" heißt das neue Phänomen. Viele Kommunen im südlichen Oberbayern haben mit den Folgen ihrer Attraktivität zu kämpfen.

Der Dekan der Fakultät Tourismus-Management der Hochschule in Kempten, Professor Alfred Bauer, definiert Overtourism als den Zeitpunkt, wenn die Touristen am jeweiligen Ort sowohl den Einheimischen als auch den Touristen selbst zu viel werden. Laut einer Studie der Hochschule überlegt jeder Vierte seinen Urlaub wegen Massentourismus woanders zu verbringen. Um die Besucherzahlen an stark frequentierten Orten einzuschränken, wären 34 Prozent mit Besucherobergrenzen für bestimmte Attraktionen einverstanden.

Am idylischen Walchensee wird patroulliert

Kommunen ergreifen erste Maßnahmen. Am idyllisch in den oberbayerischen Bergen gelegenen Walchensee sorgen Ranger des Landratsamtes Bad Tölz-Wolfratshausen mit Forstmitarbeitern, Polizei und freiwilligen Helfern der örtlichen Feuerwehr für Ordnung - teils auch nachts, um Nachtparker weiterzuscheuchen. Die wildromantische Landschaft, über die enge Mautstraße mit Auto zugänglich, verleitet zum verbotenen Campieren. Tagsüber wiederum seien manchmal 3.000 bis 4.000 Autos am See, berichtete der Jachenauer Bürgermeister Georg Riesch im August. Teils kämen Rettungsdienste nicht mehr durch. Man spüre, dass München jährlich um 30.000 Einwohner wachse. "Man kann es den Leuten nicht verdenken, dass sie raus wollen aus der Stadt."

Am Tegernsee geht es regelmäßig nur im Schritt voran. Von "Overtourism" will Bürgermeister Johannes Hagn (CSU) aber nicht sprechen. "Wer entscheidet, wann es zu viel ist? Ist es der genervte Anrainer, weil alle Parkplätze zu sind, oder der Biergartenbesucher der keinen Platz bekommt?" Hagn setzt auf Regelungen wie Anrainerparkplätze, bessere Zugverbindungen und Radschnellwege. "Wir sind das Naherholungsgebiet für die Münchner. Wir Kommunen vor Ort müssen überlegen, wie wir damit umgehen."

Nicht noch mehr Tagesgäste, aber mehr Urlauber in den Hotels - das möchte nicht nur Hagn. Am Eibsee am Fuß der Zugspitze drängen sich die Gäste vor allem im Juli und August. Wild geparkte Autos, Müll rund um den blaugrünen See: "Das Schlimmste sind der Parkplatzmangel und der Verkehr - und das Umweltbewusstsein der Besucher", sagt der Grainauer Bürgermeister Stephan Märkl.

Weitwanderweg Oberstdorf-Meran überlaufen

Der Deutsche Alpenverein (DAV) baut keine neuen Hütten mehr, obwohl der Outdoortrend immer mehr Menschen in die Berge zieht. Besonders überlaufen: der Europäische Fernwanderweg E5 von Oberstdorf nach Meran. Der Wirt der Memminger Hütte stellte zeitweise ein Zelt auf, um Gäste unterzubringen. "Die Infrastruktur ist an der Kapazitätsgrenze", sagte DAV-Sprecher Thomas Bucher. "Die Hütten haben mehr Leute da, als sie beherbergen können. Man tut sich nicht unbedingt einen Gefallen, wenn man den E5 geht."

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