Köchin Anita Kraisser und Kollege Max Nemec sind mit dem knallblauen Foodtruck unterwegs durch Österreich

© Servus TV / Marco Riebler

Reise
07/10/2019

Mit der "Reisenden Küche" durchs kulinarische Österreich

Anita und Max - ein ungewöhnliches Gespann aus quirliger Hüttenwirtin und einem ebenfalls nicht auf den Mund gefallenen Jungkoch in einer neuen Koch-Show

von Barbara Mader

Mit dem knallblauen Foodtruck unterwegs durch Österreich, auf der Spur von Land, Leuten und Rezepten: Was sich Köchin Anita Kraisser und Kollege Max Nemec da ausgedacht haben, mag nicht ganz neu sein, sympathisch und sehenswert ist es auf jeden Fall. Zu erleben ist ihre kulinarische Reise quer durch Österreich ab kommendem Samstag auf ServusTV. In der ersten Folge gibt’s unter anderem selbst geräucherten Fisch.

Anita Kraisser kennen Wanderer als Hüttenwirtin vom Tiroler Anton-Karg-Haus, der früheren Hinterbärenbadhütte im Kaisergebirge bei Kufstein. Zwölf Jahre hat die resolut zupackende Frau dieses traditionsreiche fast 120 Jahre alte Haus im hintersten Kaisertal geleitet und dort gemeinsam mit ihrem Mann die zwei Kinder gehütet. Sie hat gekocht, gewirtschaftet, Holz gehackt und mit den Gästen Schmäh geführt. Jede einzelne dieser Disziplinen beherrscht Anita Kraisser übrigens hervorragend und wer sie reden hört, meint, die sympathisch bodenständige Frau habe nie etwas anderes gemacht. Zupackend und nicht auf den Mund gefallen – so stellt man sich die geborene Hüttenwirtin vor.

Dabei, erzählt die gebürtige Linzerin, habe das Schicksal (oder sagen wir: ihre Eltern) einst andere Pläne für sie gehabt: Friseurin hat sie lernen müssen anstatt dem ersehnten Hotelfach. Natürlich hat sie später auf Gastronomie umgesattelt, sich vor 23 Jahren in Kufstein niedergelassen. Im Tal unter dem Wilden Kaiser hat die heute 44-jährige dann 15 Jahre verbracht, 13 davon als Wirtin.

Anita und die Hütte, das war Liebe auf den ersten Blick. Fast so wie mit ihrem Mann, einem Bergführer und Holzknecht, mit dem sie die Alpenvereinshütte pachtete und dort die Kinder großzog. Der tägliche Schulweg war nicht einfach zu bewältigen, trotzdem war’s wohl das schönste Aufwachsen, das man sich vorstellen kann. Doch alles hat einmal ein Ende. Letzte Saison beschlossen die Wirtsleute, dass dieser ihr letzter Almsommer sein sollte: „Wir haben Tränen vergossen, als wir gegangen sind.“

Wie die Leute vom Fernsehen auf Anita gekommen sind? „Des woaß i bis heit no ned.“

Unbestreitbar haben diese Fernsehleut’ wohl ein gutes Händchen beim Talente-Entdecken und das haben sie auch beim Max bewiesen.

Max, ein junger Koch aus Haslau an der Donau, ist in der Sendung Anitas Gegenpol und Ergänzung. Sie, die quirlige Autodidaktin, er der junge, deshalb aber nicht minder selbstbewusste gelernte Koch, der Theorie und Praxis zu vereinen weiß.

 

Was er am Kochen mag? „Ich ess’ einfach gern“. Und zwar? „Alles. Aber am liebsten Fleischlaberln nach dem Rezept von der Oma. Natürlich mit in Milch eingeweichten, altbackenen Semmeln anstatt vorgefertigten Bröseln. Und mit viel Zwiebel und Butter. Einen anderen Schmäh gibt’s ned.“

Souverän und fröhlich erzählt der 21-Jährige von der Lehre, die er im haubengekrönten Haslauerhof im Nationalpark Donau Auen absolviert hat. Das Metier taugt ihm, es sprudelt nur so aus ihm heraus, wenn er vom Kochen spricht. „Der Maxl, der is ned schmähstad“, sagen seine Freunde über ihn.

Und da lag es förmlich auf der Hand, ihn fürs Fernsehen zu engagieren.

Dass Kollegin Anita so etwas wie Muttergefühle für Max entwickelt hat, versteht man gut und für den Max passt es mittlerweile auch. Obwohl er sich erst daran gewöhnen musste, dass sie ihn immer fragt, ob er denn auch seine Jacke nicht vergessen habe. So hat er jetzt eben eine Zweitmama, mit der er im Öni, so nennen sie ihren Citroën-Foodtruck liebevoll, durch Österreich düst.

In der ersten Sendung macht die „Reisende Küche“ am Salzburger Fuschlsee Station, wo Almwirtin Lisi Matieschek auf 1.036 Metern Höhe ihre Hollerblüten-Rezepte verrät.

Außerdem geht’s mit Landesfischermeister Gerhard Langmaier auf den See hinaus – der frisch gefangene Fisch wird dann auch gleich geräuchert. Anschließend steht ein Besuch bei der ersten Bio-Wagyu-Rinder-Zucht Österreichs auf dem Programm. Das Ergebnis ist ein Drei-Gänge-Menü, das Anita, Max und die Salzburger Gäste gemeinsam essen. Und ja, dabei wird gelegentlich auch mit vollem Mund geredet– vor allem so, wie einem der Schnabel gewachsen ist.

Und genau das macht die „Reisende Küche“ aus. Ungekünstelt soll es ein. Denn hier wird nicht nur gekocht, sondern man will mit den Menschen aus der Gegend ins Gespräch kommen.

Und wie findet man die?

„Vor allem durch Mundpropaganda. Für mich ist das Wichtigste, dass unsere Gäste wirkliche Liebe zum Produkt haben“, erzählt Anita. „Mir imponiert weniger der Koch, der sich Jakobsmuscheln einfliegen lässt, als die Bäuerin, die mit selber angebauten Erdäpfeln kocht.“ Und hier kommt wieder die praktische Hüttenwirtin in ihr durch: „Wir haben immer selber Brot gebacken. Und natürlich nie etwas weggeschmissen. Das alte Brot haben wir zu Bröseln verarbeitet und damit die Schnitzel paniert. Das ist für mich das Wesen regionaler Küche: Möglichst viel selber machen. Und immer wieder improvisieren.“

So scheint es Anita auch mit den Zukunftsplänen zu machen. Die Dreharbeiten dauern noch bis Herbst. Auf die Frage, was danach kommt, antwortet sie: „Konkret hab ich noch nix vor. Man muss das Schicksal machen lassen, es weiß schon, was es tut.“

Info: Die Reisende Küche
Vom Tiroler Defereggental über den Salzburger Fuschlsee und die Wachau bis zum Neusiedler See sind Anita und Max mit ihrer Reisenden Küche im blauen Foodtruck unterwegs durch Österreich. Regionale Rezepte, aber auch Land und Leute will man dabei kennenlernen. In der ersten Sendung führt der  Weg der „Reisenden Küche“ an den Fuschlsee in Salzburg. Die „Reisende Küche“ ist  ab 13. Juli jeden Samstag ab 19.40 Uhr auf ServusTV zu sehen.