Abenteuer Heißluftballon: Mein erstes Mal

Über der Oststeiermark debütierte KURIER.at-Redakteurin Sonja Grundtner im Ballonfahren. Sie hat es genossen, obwohl ihr die Höhe nicht ganz geheuer war.

Höhenangst? Ich doch nicht! Oder vielleicht doch…? Allzu viele Gedanken habe ich mir nicht gemacht, wie das sein wird, in einem Heißluftballon durch die Luft zu schweben. Bis es so weit war, und ich in dem Korb stand. Da war es dann plötzlich, dieses mulmige Gefühl im Bauch, aber da war es ohnehin zu spät. "Bei einer Ballonfahrt weiß man nie wohin es geht", erklärt uns unser Pilot Peter Flaggl. Er ist der Chef von Flaggl Ballooning, dem Ballonfahrerunternehmen in Stubenberg am See. Hat was, so eine Fahrt ins Blaue, finde ich. Ein Gefühl von Freiheit und Unabhängigkeit macht sich breit. Die Flaggl Ballooning GmbH gibt es seit 1995. Peter Flaggl Senior ist seit 35 Jahren Ballonfahrer. Ein erfahrener Pilot also. Das Unternehmen besitzt zwanzig Ballonhüllen und 15 Körbe. Wir fahren im "Kirchenballon", dem Don Bosco, der ein Volumen von 6000 m³ hat. Los geht’s kurz vor 8 Uhr morgens. Reif liegt über dem oststeirischen Apfelland, richtig herbstlich ist es. Der Wetterbericht verspricht einen schönen, sonnigen Herbsttag – er sollte recht behalten. Auf der Wiese vor dem Schloss Schielleiten starten wir. Innerhalb weniger Minuten wird es bunt vor der barocken Kulisse. Gleich fünf Ballone werden in die Luft gehen – nur am Morgen, für den Nachmittag haben sich wieder jede Menge willige Ballonfahrer angemeldet. "Der schöne Herbst macht die Einbußen des Sommers wieder wett", freut sich Peter Flaggl ob des verlängerten Altweibersommers. Das Aufrüsten des bunten Riesen geht ganz schnell: Den Korb vom Anhänger holen, den Ballon ausbreiten und mit Luft füllen. Der benzinbetriebene Ventilator bläst die kalte Luft in die leere, 30 Meter lange Hülle. Die Dimensionen werden erst klar, als Walter, ein Mitreisender und passionierter Ballonfahrer, sich in das Innere der Stoffbahnen begibt und ganz winzig wird. Dann ist es soweit: Peter erhitzt die Luft und der Ballon erhebt sich gen Himmel. Alles rein in den Korb – es geht los. Wir sind zu neunt, mit Peter, dem Piloten. Die Passagiere stehen jeweils zu zweit in der Kanzel – jedem Duo seine eigene Kabine. Schön, das Panorama als wir losschweben und über das Schloss gleiten. Unter uns die Karpfenteiche – kennen wir schon, vom Fischen im Sommer. Alles wird klein – die winkenden Menschen, die grünen Wälder, die großen Höfe. Wir steigen höher und höher – so langsam, dass es kaum spürbar ist. Über Funk tauschen sich die Piloten aus: Auftrieb und Strecken werden durch gegeben. Aber eigentlich bestimmt nur einer unsere Richtung – der Wind. Unter uns Stubenberger See und Tierpark Herberstein, vor uns das Teichalmgebiet und die Rax-Schneeberg-Gruppe. Die Gipfel sind alle schneebedeckt. Wo kommen die denn alle her? Der Horizont weitet sich – wir sind schon wirklich hoch oben. Und dann sind wir oben, endlich. Es hat sich gelohnt, der Ausblick ist herrlich. Da ist so viel Land rings um und unter uns. Schön. Peter macht uns auf die deutlich sichtbare Inversion aufmerksam. Invasion, Illusion – was bitte? Die Inversion ist jene Schicht am Horizont, die zu sehen ist, wenn‘s oben wärmer ist als unten. Aha. Schaut toll aus. Da oben ist die Sonne noch greller. "Jetzt sind wir also durch den Dreck geflogen", meint ein mitreisender Passagier. Allgemeines Gelächter und damit fällt auch bei mir ein wenig von der Spannung ab. Alles wird lockerer, wir gehen wieder etwas tiefer. Da sieht man doch auch ganz schön. Find ich gut. Zwischendurch dreht Peter immer wieder mal den Ballon, sodass wir sozusagen einen Rundumblick auf das Apfelland haben. Tatsache, man sieht bis nach Graz, den Schöckl. Herrlich, das Wetter – wie bestellt. Dass es kalt ist, melden nur meine Füße – das typische Frauenleiden halt: Kalte Zehen trotz dickster Wintersocken, ist ja nix Neues. Stehe ich in der Sonne, ist es wirklich angenehm warm, mit Haube, Handschuhe und dickem Daunenmantel. Dreht mich der Ballon aber weg von den wärmenden Strahlen, wird’s ein wenig kalt. Ballonfahren kann man das ganze Jahr über. Die sanfte Hügellandschaft der Oststeiermark hat zu jeder Jahreszeit ihren landschaftlichen und klimatischen Reiz. Bei guter Wetterlage kann man mit so einem Heißluftballon bis nach Oberwart oder Feldbach fahren, ganz schön weit, denken wir uns. Wohin mag es uns wohl treiben? Uns zieht es Richtung Pöllau und Pöllauberg, vorbei an großen Landwirtschaften und beeindruckenden Vierkanthöfen. Wir sind wieder auf einer Höhe, wo wir die Menschen unter uns beobachten können. Was sie tun? Äpfel klauben natürlich, es gibt jetzt genug im Apfelland. Ruhig schweben wir dahin, knapp über den Bäumen. Endlich trau ich mich auch wieder weiter nach vorne und lehne mich ein Stück weit über den Korbrand. Jetzt kann ich endlich loslassen und das Gefühl des Dahinschwebens genießen. Mich trägt eine bunte Kugel gefüllt mit heißer Luft über Dörfer, Wälder, Seen und Wiesen. Fahren wir doch bitte noch ein Stück! Unter uns landen die ersten Ballone, auch unsere Reise geht allmählich zu Ende. Wir sind schon ziemlich tief, streifen einige Baumwipfel auf der Suche nach einem geeigneten Landeplatz. Landen dürften wir übrigens überall, das ist das Recht des Ballonfahrers. Also versuchen wir unser Glück auf der Wiese eines Apfelbauern, den wir grad beim Äpfel einsammeln stören. Aber, Erfahrung hin oder her – die Stromleitung ist einfach im Weg, da kommen wir nicht runter. Macht gar nichts, suchen wir halt weiter. Jede Reise endet irgendwann – unsere Ballonfahrt nach knapp einer Stunde. Festhalten – und schon sind wir am Boden. Mit ein paar Handgriffen verschwindet der Riese wieder in einer Tasche und wir fahren zurück zum Apfelwirt. Der Heißluftballon ist übrigens das älteste Luftfahrzeug der Menschheit. 1783 bauten die Gebrüder Montgolfiere in Frankreich den ersten Ballon aus Seide. Der Legende nach erhob der König die Gebrüder nach der geglückten Fahrt über Paris in den Adelsstand, weil er sich nur mit Blaublütigen unterhalten wollte. Seither werden Ballonfahrer nach ihrer ersten Fahrt in einer Taufe in den Adelsstand erhoben.
(KURIER.at) Erstellt am
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