Zittern vor dem Wehrpflicht-Ende
Entscheidet der Zivildienst über das Schicksal der Wehrpflicht? Der neunmonatige Wehrersatzdienst wird zum nächsten Zankapfel der Regierung. Geht es nach der ÖVP, soll das drohende Aus für den Zivildienst in die Fragestellung bei der Wehrpflicht- Volksbefragung integriert werden. Kalkül: Zahlreiche Wähler haben positive Erfahrungen mit Zivildienern gemacht. SPÖ-Verteidigungsminister Norbert Darabos ist dagegen.
Die Blaulichtorganisationen fordern im KURIER-Gespräch die rasche Ausarbeitung von Alternativen zum Zivildienst: "Bevor es große Veränderungen gibt, müssen rasch alle Ersatzmodelle auf den Tisch kommen", fordert Werner Kerschbaum, Generalsekretär beim Roten Kreuz. Sein Gegenüber beim Samariterbund, Reinhard Hundsmüller, fordert: "Wir verlangen jetzt rasche Gespräche. Man hat die Chance, ein halbes Jahr intensiv an Alternativen zu arbeiten." Die Befragung dürfe nicht nur zur Abstimmung über ein Berufsheer werden: "Man muss der Bevölkerung bei der Fragestellung auch sagen, was mit dem Zivildienst passiert."
Soziales Jahr
Die beiden Organisationen beschäftigen die meisten Zivildiener in Österreich. 13.510 Menschen wurden 2011 zum Zivildienst zugelassen – ein neuer Rekord. "Wir verzeichnen jährlich ein steigendes Interesse", meint Ferdinand Mayer, Leiter der Zivildienstserviceagentur. In Summe hätte das Innenministerium 2011 für den Zivildienst 54,8 Millionen Euro ausgegeben.
Geht es nach der SPÖ, soll ein Sozialjahr den Zivildienst ablösen. Das Budget soll gleich bleiben – die Zahl der sozial Tätigen aber auf rund 6000 Vollzeit-Äquivalente sinken. Konkret sollen sich Männer und Frauen freiwillig ein Jahr lang für Sozialarbeit verpflichten – und dafür rund 1300 Euro brutto pro Monat erhalten.
Nicht ausreichend
Auch wenn Tätigkeiten wie Schülerlotse oder Denkmalpfleger wegfallen, zittern die Rettungsorganisationen um ihre Kapazitäten. "Ein soziales Jahr ist eine denkbare Lösung, aber ich glaube nicht, dass das die Anzahl der Zivildiener komplett ersetzen könnte", meint Kerschbaum. Würde man alle Zivildiener durch hauptberufliche Mitarbeiter ersetzen, bedeute das 140 Mio. Euro an Mehrkosten jährlich. Kerschbaum: "Das kann nicht aus Eigenmitteln des Roten Kreuzes kommen.
"Wenn es nicht genug Personal gibt, dann werden Menschen länger auf Transporte ins Krankenhaus warten müssen", zeichnet Hundsmüller düstere Alternativen. Als Lösung fordert Franz Küberl, Präsident der Caritas, "den Dienst für junge Menschen attraktiver zu machen." Bezahlung sei dabei "weniger wichtig als Anrechnung des Dienstes als Vordienstzeit oder für die Pension sowie für Studienberechtigungen." Küberl: "Das darf kein verlorenes Jahr sein." Schließlich profitiere auch die Gesellschaft.
Schon in den kommenden Wochen will Sozialminister Rudolf Hundstorfer mit den Organisationen Gespräche führen, um das Modell zu überarbeiten: "Die Rettungs- und Sozialorganisationen müssen sich daher vor einem Entfall des Zivildienstes nicht fürchten."
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Hintergrund
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