Strauss-Kahn: Einst Saubermann mit großen Ambitionen

Wirtschaftswissenschaftler, Finanzminister, Ex- IWF-Chef, sündiger Angeklagter: Dominique Strauss-Kahn im Porträt.

Er galt als der Hoffnungsträger der französischen Sozialisten. Doch Mitte Mai wurde Dominique Strauss-Kahn, oder "DSK", wie er in Frankreich genannt wird, wegen des Verdachts der versuchten Vergewaltigung eines Zimmermädchens in New York festgenommen. Da es jedoch Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Zeugin gab, wurde das US-Strafverfahren gegen ihn im August eingestellt. Das wenig schmeichelhafte Bild eines chronischen Ehebrechers wurde DKS allerdings nicht mehr los. Es dauerte nicht lange, da wurden weitere Vorwürfe sowie seine mögliche Verwicklung in eine Callgirl-Affäre um das Hotel Carlton im nordfranzösischen Lille bekannt.

Im Bild: Mit seiner Frau, der TV-Journalistin Anne Sinclair. Hoffnungen auf ein politisches Comeback zerschlugen sich damit endgültig. Strauss-Kahns Frau Anne Sinclair musste schon zu Beginn der Amtszeit ihres Mannes beim IWF eine Demütigung ertragen. Damals machte eine Affäre ihres Mannes mit einer ungarischen Mitarbeiterin Schlagzeilen. Nicht zu vergessen weitere Gewaltvorwürfe der Schriftstellerin Tristane Banon - immerhin die Tochter einer Parteifreundin Strauss-Kahns. Laufbahn und Biografie

Dominique Strauss-Kahn stammt aus einer jüdisch-marokkanischen Familie und wurde am 25. April 1949 im schicken Pariser Vorort Neuilly-sur-Seine geboren. 

Im Bild: Mit der sozialistischen Präsidentschaftskandidatin Segolene Royal im Jahr 2007. Er machte zunächst als Jurist und Wirtschaftswissenschaftler Karriere und unterrichtete unter anderem an der französischen Elite-Verwaltungsschule ENA. 1986 wurde er zum ersten Mal ins Parlament gewählt.  

Elf Jahre später ernannte Präsident Jacques Chirac ihn zum Finanzminister. Nach Korruptionsvorwürfen trat Strauss-Kahn 1999 zurück. Ein Gericht bescheinigte ihm seine Unschuld, einige Monate später wurde er wiedergewählt. Strauss-Kahn verschaffte sich international Respekt, indem er Frankreich auf die Einführung des Euro vorbereitete. Er privatisierte Staatsunternehmen und brachte das Haushaltsdefizit unter den Schwellenwert von drei Prozent. Er war einer der Befürworter der 2005 von den Franzosen abgelehnten EU-Verfassung. 
Zudem setzt er sich für den deutsch-französischen Motor innerhalb Europas ein. Um sein politisches Profil zu schärfen, kam Strauss-Kahn gerade zur rechten Zeit zum IWF. Seinen farblosen spanischen Vorgänger Rodrigo de Rato (rechts), löste er im November 2007 ab, gerade als alle Welt spekulierte, ob der IWF noch eine Aufgabe hätte angesichts einer boomenden Weltwirtschaft und voller Reservekoffer der zuvor so gebeutelten Schwellenländer. Als dann die Finanzkrise nicht nur über die ganze Welt, sondern vor allem auch über die europäischen Problemstaaten niederging, war es die große Stunde des IWF - man war wieder im Geschäft, man war wieder wichtig.

Im Bild: Mit der deutschen Kanzlerin Angela Merkel.

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(apa / sk, tan) Erstellt am
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