Kriegsdrohung nach Begnadigung eines Mörders

Aserbaidschan lässt den in Ungarn verurteilten Mörder Ramil Safarow frei. Der armenische Präsident Sersch Sargsjan droht nun mit Krieg.
Ein Panzer steht vor einem bewölkten Himmel.

Als Ramil Safarow am Freitag in Baku landete, jubelten Dutzende Aserbaidschaner. Die Menge begleitete ihn, einer hängte ihm eine Flagge um den Hals, andere übergaben ihm Blumen. Ein ungewöhnlicher Empfang für einen Mann, der einen anderen im Schlaf mit einer Axt getötet hatte.

Vor acht Jahren war Safarow mit aserbaidschanischen Soldatenkollegen in Ungarn. Gemeinsam mit Armeniern sollten sie dort im Rahmen des NATO-Programms "Partnership for Peace" Englisch lernen. In dem Camp soll ihn der armenische Soldat Gurgen Margarian mit Aussagen zu Berg-Karabach provoziert haben. In der Nacht brachte ihn Safarow um.

Vom Präsidenten begnadigt

Eine Karte, die die Lage von Berg-Karabach zwischen Armenien und Aserbaidschan zeigt.

Safarow stammt aus der umstrittenen Region Berg-Karabach (siehe Grafik), seine Familie ist einst von dort vertrieben worden. Er sagt, er sei traumatisiert, weil er als Kind mitansehen musste, wie Verwandte von Armeniern ermordet wurden.

Der heute 35-Jährige wurde 2006 von einem ungarischen Gericht zu lebenslanger Haft verurteilt. Heuer wurde die Auslieferung in Safarows Heimat Aserbaidschan beschlossen. Dort hatte man schriftlich versichert, dass es eine Freilassung frühestens nach 25 Jahren geben könne.

Seit Freitag ist Safarow in Baku – und ein freier Mann. Er wurde von Präsident Alijew begnadigt, erhielt militärische Ehren, Geld und eine Wohnung. Wie ein Nationalheld eben.

Um die Region Berg-K­arabach ist nach dem Zerfall der UdSSR 1992 ein Krieg zwischen Aserbaidschan und Armenien ausgebrochen. Armenier besetzten weite Gebiete der umstrittenen Region, 30.000 Menschen starben, mehr als eine Million wurden vertrieben. Das Waffenstillstandsabkommen von 1994 läuft bis heute. Eine Lösung des Konflikts steht aber aus. Immer wieder kommt es zu bewaffneten Zwischenfällen mit Toten – zuletzt im Juni. Beide Staaten rüsten auf. Die Kriegsrhetorik der politischen Führungen wird lauter. Nach der Freilassung Safarows drohte der armenische Präsident Sersch Sargsjan Aserbaidschan sogar mit Krieg. Die EU, USA und Russland rufen zur Ruhe auf.

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