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Politik Inland
10/21/2019

Zertifikat soll verhindern, dass Pflegekräfte betrogen werden

Agenturen für Pflegepersonal werden künftig genauer geprüft. Laut Sozialministerin Brigitte Zarfl greifen die Maßnahmen.

von Uwe Mauch

Vielen, die mit der Suche nach Pflegepersonal konfrontiert sind, ist die Problematik bekannt: Man findet endlich eine Pflegerin, bezahlt sie – und muss dann feststellen, dass nur ein Teil des Geldes bei der Pflegerin landet. Der Rest versickert irgendwo bei dubiosen Vermittlern.

Qualitätszertifikate für Vermittlungsagenturen von Pflegepersonal sollen solchen Praktiken entgegenwirken. Sozialministerin Brigitte Zarfl überreichte am vergangenen Montag die ersten 16 solcher Qualitätszertifikate an Agenturen, die in der 24-Stunden-Betreuung tätig sind.

Damit wurde eine langjährige Forderung von Personal- und einigen Arbeitgebervertretern erfüllt. Nach der Legalisierung des Gewerbes im Jahr 2007 gab und gibt es Kritik an den Arbeitsbedingungen der 89.145 Personenbetreuer (davon 62.298 aktiv, die meisten aus Osteuropa).

Im Interview mit dem KURIER lobt die Sozialministerin „einen ersten Schritt in die richtige Richtung“.

KURIER: Frau Ministerin, können Sie für die 16 zertifizierten Agenturen Ihre Hand ins Feuer legen?

Brigitte Zarfl: Die Intention des Zertifikats ist es, den Pflegebedürftigen und ihren Familien die Sicherheit zu geben, dass die in Österreich üblichen Qualitätskriterien eingehalten werden.

Wie lauten die Qualitätskriterien? Was wird damit garantiert?

Eine zertifizierte Agentur muss garantieren, dass ihre Betreuer die nötige Kompetenz besitzen. Auch muss der Zahlungsfluss zwischen Kunden, Agentur und Betreuern transparent sein. Drittens muss sich die Agentur angemeldeten und unangemeldeten Hausbesuchen stellen.

Ihr Ministerium hat seit Jahresbeginn 4.500 Hausbesuche veranlasst, davon waren 450 unangemeldet. Was kam dabei heraus?

Bei 98 Prozent der Kontrollen wurden keine Mängel festgestellt. Das ist erfreulich. Wenn es Probleme gibt, dann in der Delegation der Pflege. Das bedeutet: Betreuerinnen müssen Pflegedienste übernehmen, für die sie nicht ausreichend qualifiziert sind.

Allerdings kritisieren Personenbetreuer seit Jahren, dass sie wie Hausangestellte arbeiten, jedoch nicht angestellt sind. Ist das fair?

Unser System sieht grundsätzlich vor, dass man die Betreuer auch anstellen kann. Es gibt dafür auch eine höhere Förderung.

Frauen aus Osteuropa überlegen zu kündigen, weil ihnen die VP-FP-Regierung die Familienbeihilfe gekürzt hat. Verstehen Sie diesen Frust?

Es gab auch in Österreich einige kritische Stimmen, im Moment ist in dieser Causa der Europäische Gerichtshof am Zug. Ich gehe davon aus, dass in den nächsten Monaten ein Urteil gesprochen wird. Wichtig ist mir, dass wir Rechtssicherheit bekommen.

Österreich benötigt mehr Pflegekräfte, auch aufgrund der höheren Lebenserwartung. Wie rüstet sich das Land?

Wir werden Ende November gemeinsam mit den Bundesländern eine erste gesamtösterreichische Bedarfserhebung für die Pflege präsentieren. Diese ist notwendig, um weitere Schritte professionell und ohne Hektik zu planen. Die Studie wird zeigen, in welchen Regionen welches Personal in den nächsten Jahren benötigt wird.

Wie ist die heimische Versorgung im Europavergleich?

Was die Bereiche Pflege und Gesundheit betrifft, ist sie weiterhin gut. Wir müssen allerdings trachten, dass das so bleibt.

Was wünschen Sie sich als Expertin von Ihrem Nachfolger punkto Personenbetreuung?

Dass es gelingt, deutlich mehr, auch kleinere, Agenturen zu einer Zertifizierung zu bringen. Und dass die Qualität der Betreuung gesteigert werden kann. Punkto Konsumentenschutz, für den unser Ministerium auch zuständig ist, gab es bisher teilweise suboptimale Zustände.

Zertifizierungen auf: https://oeqz.at/