Gewerkschaft zürnt Wiederkehr in offenem Brief

Heftige Kritik am Vorgehen des Bildungsministers: Er habe für „große Unruhe“ gesorgt, ein „transparenter Reformprozess“ sehe anders aus. Der Vorsitzende der AHS-Gewerkschaft erwartet Neuausrichtung des Reformprozesses.
Gewerkschaft zürnt Wiederkehr in offenem Brief

Christoph Wiederkehr ist seit einem Jahr Bildungsminister. Im ersten Jahr war er vor allem damit beschäftigt, den Schulalltag in den Brennpunktschulen zu entlasten. Nun will er aber seine Reformvorhaben angehen.

Sechsjährige Volksschule. „Tiefgreifende Veränderung“ der Lehrpläne, etwa weniger Lateinunterricht zugunsten neuer Medien und KI. Chancenbonus für 400 Brennpunktschulen. Mitwirkungspflicht der Eltern. Ausbau ganztägiger Schulformen.

Doch Christgewerkschafter Herbert Weiß, Vorsitzender der mächtigen AHS-Gewerkschaft, kritisiert Wiederkehrs Vorgehen in einem offenen Brief massiv: Die aktuelle Reformdiskussion sorge nicht nur für große Unruhe, sondern werfe auch grundsätzliche Fragen zur politischen Vorgangsweise auf, beginnt Weiß.

Zentrale Kritik: "Die Gewerkschaft wurde im Vorfeld nicht eingebunden, zugleich wird öffentlich ihre 'konstruktive Mitarbeit' eingefordert.“

Wiederkehrs Reformprojekt würde als intransparent und dialogarm wahrgenommen, ein solcher Prozess brauche „echte Einbindung der Interessensvertretung, ernsthafte Auseinandersetzung mit fachlichen Einwänden und die klare Absicherung der Meinungsfreiheit der Lehrkräfte“.

Weiß findet, dass Wiederkehr am Ende statt einer Weiterentwicklung eine strukturelle Schwächung des Gymnasiums verursache, etwa durch den Vorstoß der Verlängerung der Volksschule auf sechs Jahre.

„Ich fordere Sie, sehr geehrter Herr Bundesminister, daher auf, den Reformprozess transparent und dialogisch neu auszurichten und konkrete, fachlich fundierte Vorschläge als Diskussionsgrundlage vorzulegen“, schließt Weiß seinen Brief ohne die üblichen freundlichen Grüße.

Für Wiederkehr heißt das: Er muss nicht nur die Koalitionspartner überzeugen, viel schwieriger dürfte es werden, für jegliche Reformvorhaben auch die Gewerkschaft ins Boot zu holen. 

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