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Politik Inland
09/02/2019

Faktencheck: Was uns die Vier-Tage-Woche bringt

Gewerkschaft will Rechtsanspruch in allen Kollektivveträgen durchsetzen. Im Handels-KV gibt es ihn bereits.

von Anita Staudacher

Die Gewerkschaft pocht auf einen Rechtsanspruch für Arbeitnehmer auf Vier-Tage-Woche und will dies in der kommenden Lohnrunden durchsetzen. Im Vorjahr wurde der Anspruch schon im Handels-KV festgeschrieben. Die wichtigsten Fakten zum Thema:

Rechtslage: Seit 1998 ist es grundsätzlich möglich, die Arbeitszeit auf vier Tage in der Woche zu verteilen. Nur einseitig anordnen geht nicht. Voraussetzung ist in Betrieben mit Betriebsrat eine Betriebsvereinbarung, in Betrieben ohne Betriebsrat eine Einzelvereinbarung.

An welchen Tagen in der Woche gearbeitet wird, ist egal, die Normalarbeitszeit darf auf maximal zehn Stunden und nur in Ausnahmefällen auf zwölf Stunden ausgedehnt werden. Drei Tage müssen frei bleiben. Wird an einem der freien Tage gearbeitet, müssen Überstunden bezahlt werden.

Das neue Arbeitszeitgesetz (12-Stunden-Tag) erleichtert die Vier-Tage-Woche für Arbeitgeber, weil durch die mögliche Ausweitung der Arbeitszeit die Mehrstunden auch durch Zeitausgleich – sprich größere Freizeitblöcke – abgegolten werden können.

Kollektivverträge: In einigen größeren Kollektivverträgen gibt es das Recht auf Vier-Tage-Woche bereits. Seit Jänner 2019 auch im Handels-KV. Die Gewerkschaft kritisiert, dass die Arbeitgeber dies nicht umsetzen.

Sie können die Vier-Tage-Woche aus zwei Gründen ablehnen. Weil die Einhaltung von Betriebsabläufen gefährdet ist – zum Beispiel, weil alle am selben Tag frei haben wollen. Oder, weil die Aufrechterhaltung des Geschäftsbetriebes nicht mehr gewährleistet werden kann. Dieser Punkt wird bei vielen Klein- und Mittelbetrieben schlagend.

Vorteile: Kürzere Arbeitswoche bei gleichem Lohn für Arbeitnehmer. Die Erholungsphasen sind länger, ein verlängertes Wochenende bietet mehr Zeit für Hobby und Familie. Es reduzieren sich die die Fahrtkosten von und zur Arbeit.

Für Frauen bedeutet die Vier-Tage-Woche oft eine lukrativere Variante zur Teilzeit. Arbeitgeber profitieren von höherer Produktivität und Zufriedenheit der Mitarbeiter, besonders Junge wollen mehr Freizeit-Blöcke.

Nachteile: Weniger Zeit für gleich viel Arbeit. Der Arbeitsaufwand verdichtet sich noch mehr, mit Dauer der Arbeitszeit nimmt die Ermüdung und Fehlerquote zu. Werden Überstunden notwendig, können aus zehn Stunden auch elf oder zwölf werden.

In vielen Betrieben ist Vier-Tage-Woche nicht möglich. Die Arbeitszeit auf vier, statt auf fünf Tage zu verteilen erfordert auch einen logistisch-organisatorischen Mehraufwand.