Politik | Inland
19.11.2018

Tiroler SPÖ-Chefin Elisabeth Blanik gibt den Parteivorsitz ab

Die 52-Jährige übergibt an ihren 35-jährigen Vize. Blanik war zwei Jahre SPÖ-Frontfrau.

Die Halbwertszeit von Tiroler SPÖ-Parteichefs bleibt weitere eine kurze. Am Montagabend hat Elisabeth Blanik nach dem Landesparteivorstand angekündigt, den Vorsitz zurückzulegen. Die 52-Jährige war zwei Jahre im Amt. Sie stand damit genau so lange wie ihre beiden Vorgänger Ingo Mayr (2014 bis 2016) und Gerhard Reheis (2012 bis 2014) an der Spitze.

Als Bürgermeisterin der Bezirkshauptstadt Lienz, wo Blanik 2016 mit großer Zustimmung im Amt bestätigt wurde, war sie zum Dauerpendeln verdammt. Rund 180 Kilometer und fast drei Autostunden entfernt ist das politische Machtzentrum Innsbruck von der Heimatgemeinde der Osttirolerin entfernt. Die Doppelbelastung soll Hauptgrund für den Rückzug Blaniks sein, hört man.

Blanik (SPÖ) zieht sich zurück

Sie selbst sagte in der Parteizentrale der SPÖ in Innsbruck: "Ich habe immer gesagt, dass das ein Projekt auf Zeit ist. Ich habe es mir zur Aufgabe gemacht, die SPÖ wieder in ruhiges Fahrwasser zu bringen und erfolgreich zu machen." Beides sei ihr gelungen.

Der Tiroler SPÖ steht somit der vierte Wechsel an der Parteispitze innerhalb von sechs Jahren ins Haus. In den Startlöchern scharrte bereits der ehrgeizige Partei-Vizechef Georg Dornauer. Der 35-Jährige drängte im Frühjahr bereits, anders als seine Vorsitzende, auf einer Regierungsbeteiligung. Dornauer wurde nun vom Landesparteivorstand zum geschäftsführenden Vorsitzenden bestellt.

Blanik hatte die SPÖ bei den Landtagswahlen vor der FPÖ auf Platz zwei gehalten. Die nach dem Absturz auf ein historisches Tief (13,7 Prozent) gefallene und krisengebeutelte Partei hievte die energiegeladene Politikerin wieder auf 17,2 Prozent. Den Preis für eine Neuauflage der Koalition mit der ÖVP, die 2013 zerbrach, hielt sie für zu hoch.

"Ich halte das immer noch für die richtige Entscheidung", sagte die scheidende SPÖ-Chefin, die aber weiter im Landtag sitzen wird. Die Klubführung will sie abgeben, sobald ein Nachfolger gekürt ist. Ende Februar soll der neue Obmann auf einem Parteitag bestellt werden.

Blanik geht davon aus, dass Dornauer in die Funktion gewählt wird, zumal es im Landesparteitag nur eine Gegenstimme bei seiner Wahl zum geschäftsführenden Vorsitzenden gab. Er streute seiner künftigen Ex-Chefin Rosen. Sie habe die Partei "auf ihren Schultern aus einem echten Tief getragen".

Dornauer muss nun einige Vorbehalte gegen seine Person in den eigenen Reihen ausräumen. Der linke Flügel sieht in ihm einen Querverbinder zur FPÖ. 2017 wollte der 35-Jährige die Mitglieder in seinem Bezirk Innsbruck-Land zu möglichen Koalitionsvarianten nach der Nationalratswahl befragen. Die "Vranitzky-Doktrin", nicht mit der FPÖ zusammen zu arbeiten, wurde von Dornauer in Frage gestellt. Am Montagabend wollte er Ressentiments in seiner Partei offenkundig offensiv bekämpfen, indem er die türkis-blaue Regierung attackierte und ihr "Orbanisierungspolitik" attestierte.