Wenn aus Freunden Feinde werden: Johann Gudenus und Heinz-Christian Strache waren bis Ibiza politisch und privat ein Zweigespann.

© APA/HERBERT NEUBAUER

Politik Inland
12/19/2019

14 Tage wurde Gudenus observiert – Strache dementiert

Ibiza-Affäre: Einen Tag vor seinem Rücktritt beauftragte Strache einen Detektiv und stellte das der FPÖ in Rechnung.

von Ida Metzger, Birgit Seiser

Die Rechnung für die Bespitzelung von Johann Gudenus und Wiens FPÖ-Chef Dominik Nepp muss eine enorme Summe ausmachen. 14 Tage lang etwa wurde allein Gudenus von einem Detektiv observiert. Auf Dutzenden Fotos sieht man, wie der gefallene Ex-FPÖ-Klubchef in sein Auto steigt oder sich in diversen Terminen mit dem  Anwalt oder Geschäftspartnern befindet. Das erste Foto im Ermittlungsakt ist auf den 6. Juni 2019 datiert. Das letzte auf den 20. Juni. 

Es sollen rund 200.000 Euro gewesen sein, die in Rechnung gestellt wurden. Allerdings nicht an die FPÖ. Der blaue Parteichef Norbert Hofer hatte am Donnerstag betätigt, dass eine Rechnung eines Detektivbüros in der Partei eingelangt wäre. "Aber offenbar hat sie nichts mit der bekannt gewordenen Bespitzelung zu tun, denn der Betrag macht nur einen Bruchteil der kolportierten Summe aus und auch der Zeitraum  stimmt nicht überein", so Hofer

Pikant ist allerdings das Datum, wann jene Observation von Strache in Auftrag gegeben wurde, die bei der FPÖ als Rechnung einging  – nämlich am 17. Mai. Der letzte Tag von Straches Obmannschaft. 24 Stunden später trat der Ex-Vizekanzler wegen der Veröffentlichung des Ibiza-Videos zurück.  

"Strache hatte am Tag der Veröffentlichung des Ibiza-Videos offenbar einen Verdacht  und wollte dem nachgehen", erklärt Hofer. Gegen welches Parteimitglied sich der Verdacht richtete, will Hofer nicht verraten, der betont, dass Bespitzelungen von Parteikameraden absolut nicht zu seinen Führungsmethoden zählen. 

Dominik Nepp, der auch observiert wurde, ist über das Vorgehen mehr als verärgert. "Meiner Frau ist bereits im Sommer aufgefallen, dass regelmäßig eine Person bei unserer Wohnung herumschleicht und uns ausspioniert." Ein ähnliches Gefühl, nämlich dass er rund um die Uhr bespitzelt wird, hatte auch Gudenus, der die Causa nicht kommentieren will.

"Enttäuschung"

Nepp habe die Beobachtungen Mitte September bei den Behörden gemeldet, berichtete er. Diese hätten bestätigt, "dass es sich um eine private Überwachungsaktion meiner Person und offenbar auch meiner Familie handelt". Wer dahinter steckte, war laut Nepp bisher aber unklar: "Seit heute ist offensichtlich, dass wahrscheinlich der ehemalige Parteiobmann Heinz-Christian Strache hinter dieser Aktion steckt",  so der Wiener FPÖ-Chef. "Das ist für mich eine große menschliche Enttäuschung. Ich dachte, wir wären Freunde gewesen." 

"Kein Auftrag von mir"

Gegenüber dem KURIER erklärt Ex-Vizekanzler Strache, dass er selbst nichts mit dieser Observation zu tun habe. Vielmehr seien es besorgte Strache-Fans, die in diese Richtung aktiv geworden sein sollen. 

"Es gab nach der Aktion des kriminellen Ibiza-Netzwerks engagierte Bürger, welche Hintermänner und Akteure der Ibiza Causa unter Zuhilfenahme von Privat-Detekteien ausfindig machen und zur Aufklärung beitragen wollten", so der Ex-Blaue. 

Mit manchen war Strache in Kontakt. "Von mir selber gab es jedoch keinen derartigen Auftrag für Ermittlungen", wehrt sich Strache. Wie auch immer. Fakt ist: Es wird immer skurriler. 

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