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Politik Inland
11/25/2019

Steiermark-Wahl: Wo die ÖVP hinter der KPÖ landete

Leitspital Liezen polarisierte, Flüchtlingsthema half FPÖ nicht mehr, SPÖ verliert erneut in Hochburgen

von Elisabeth Holzer

Rottenmann? Rottenmann!

Ja, tatsächlich: In der obersteirischen Stadt wurde die ÖVP überholt und zwar von der KPÖ: Das vorläufige Endergebnis (ohne Briefwähler und Wahlkarten) weist den Kommunisten 16,8 Prozent der Stimmen aus, das ist gegenüber 2015 eine Vervierfachung. Die ÖVP liegt bei 14,7 Prozent, ein Minus von acht Prozentpunkten.

Dieses Ergebnis haben die Dunkelroten eindeutig der Debatte um das „Leitspital Liezen“ zu verdanken: KPÖ, FPÖ und Grüne kämpften in einer seltenen Allianz gegen das Leitprojekt der schwarz-roten Koalition, das die Schließung des LKH Rottenmann bedeuten würde.

Auch die Grünen legten in der Rot regierten Stadt zu (plus 3,2 Prozentpunkte), sie erreichten 8,8 Prozent.

Die FPÖ fuhr ganz gegen den Landestrend ebenfalls ein Plus ein, 5,5 Prozentpunkte mehr verhalfen in Rottenmann ihr mit 28,81 Prozent auf den zweiten Platz hinter der SPÖ, die um 12,4 Prozentpunkte auf 28,8 Prozent absackte.

Und im Bezirk selbst, der am 7. April mit 67,3 Prozent bei einer von FPÖ, Grünen und KPÖ erzwungenen Volksbefragung gegen den Spitalsneubau stimmte?

Nun, Liezen mit seinen 62.000 Wahlberechtigten blieb gesamt gesehen auf Linie: Die ÖVP überholte die SPÖ und kommt auf 34,6 Prozent (plus 5,2 Prozentpunkte). Die SPÖ landete mit 27,7 Prozent auf Platz zwei (minus 4,3 Prozentpunkte) die Wähler dort scheinen der ÖVP verziehen zu haben, dass sie trotz des Neins bei der Befragung am Projekt festhält.

Blaue Verluste

Themen- und Regionswechsel: von der Obersteiermark nach Westen sowie in den Speckgürtel rund um Graz. In drei Bezirken rückte die FPÖ 2015 glatt auf Platz Eins vor – und zwar in Graz-Umgebung, Deutschlandsberg und Voitsberg. Diese Erfolge sind wieder verspielt, die Bezirke sind wieder schwarz.

In Graz-Umgebung, wo bis vor Kurzem noch FPÖ-Spitzenkandidat Mario Kunasek zu Hause war, verloren die Blauen fast 10 Prozentpunkte, sie liegen nun mit 19,7 Prozent sogar nur auf dem dritten Platz hinter ÖVP (35,5 Prozent) und SPÖ (20,4 Prozent).

In Deutschlandsberg ist das blaue Minus mit 9,5 Prozentpunkten ähnlich wie auf Landesebene ausgefallen. Die Freiheitlichen sie sind damit ebenfalls auf den dritten Platz abgerutscht.

In Voitsberg mussten sie gar ein Minus von 11,5 Prozentpunkten hinnehmen, sie erreichten 21 statt wie zuletzt 33,3 Prozent. In Voitsberg und Deutschlandsberg war noch auffällig: Die SPÖ hatte ein geringeres Minus als landesweit, minus 3,9 bzw. 2,9 Prozentpunkte.

Auch das immer wieder von der FPÖ hochgespielte Flüchtlings- und Migrationsthema reicht der blauen Wählerschaft offensichtlich nicht mehr. Auch wenn FPÖ-Klubchef Herbert Kickl im Grenzort Spielfeld auftrat, das Ergebnis wird den Blauen kaum gefallen: 25,5 Prozent reichten zwar noch für Platz zwei hinter der ÖVP in Straß in Steiermark (Spielfeld ist ein Teil davon). Doch das Minus von 10,5 Prozentpunkte verdrängte sie von Platz eins.

Rote Problemzone

Die SPÖ hat nicht nur in Graz ein massives Problem, sondern auch in ihren früheren Hochburgen, den obersteirischen Städten. Die rot regierten Bruck an der Mur, Kapfenberg und Leoben wiesen wieder einmal ein Minus zwischen vier und acht Prozentpunkten aus, auch wenn die Partei dort noch stimmenstärkste Kraft ist. Die Sozialdemokratie kämpft dort schon seit vielen Jahren und mehreren Wahlgängen mit Wählerschwund, Rezepte dagegen fand sie bisher offensichtlich keine.

Im südlichen Leibnitz, ebenfalls eine von der SPÖ-geführte Stadt, fällt die Bilanz dieser Landtagswahl nicht besser aus: Mit einem Ergebnis von 24,1 Prozent (minus 7,6 Prozentpunkte) verlor sie dort sogar den ersten Platz an die ÖVP, die um 11,4 Prozentpunkte auf 34,3 Prozent zulegen konnte.

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