Designierte Bundesparteichefin wurde von Niederösterreichs Landes-SPÖ mit stehenden Ovationen gefeiert.

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Politik Inland
09/29/2018

Rendi-Wagner: "Haben anderes Menschenbild als die Regierung"

Rummel um "Kanzlerin in Vorbereitung" Rendi-Wagner. NÖ-SPÖ-Chef Schnabl kommt bei Wiederwahl nur auf rund 86 Prozent.

Die SPÖ Niederösterreich begeht am Samstag ihren 42. ordentlichen Parteitag mit der neuen Chefin. Die designierte Vorsitzende Pamela ist somit auch der Star der Veranstaltung im Multiversum Schwechat, die am Vormittag eröffnet worden ist.

Rendi-Wagner, die mit ein wenig Verspätung eingetroffen war, wurde mit anhaltendem Applaus und u.a. einem "PAAAAAAAAAAAAAAAAAAM!"-Transparent (18 mal A, Anm.) im begrüßt. "So freut sich NÖ", war auf dem Banner ebenfalls zu lesen. Auch damit war die neue Chefin gemeint, die seitens der Landesgruppe keinen Unmut zu befürchten hatte.

Um die neue Chefin auf Bundesebene herrschte die ganze Veranstaltung über echtes G'riss und regelrechter Rummel. So musste Rendi-Wagner über die gesamte Mittagspause hinweg für Fotos zur Verfügung stehen. Delegierte hatten sich für eine Erinnerung mit der Vorsitzenden angestellt. Im Multiversum begehrt waren auch #yeswepam-Buttons mit dem Konterfei der ersten Frau an der Spitze der österreichischen Sozialdemokratie.

Rendi-Wagner trat in Schwechat erstmals als designierte SPÖ-Chefin bei einem Parteitag auf. Landesgeschäftsführer Wolfgang Kocevar bezeichnete sie überdies als "Bundeskanzlerin in Vorbereitung". Mit Rendi-Wagner war auch der neue Bundesgeschäftsführer Thomas Drozda nach Schwechat gekommen.

Von den ins Multiversum eingeladenen 443 Delegierten waren 357 erschienen. Dazu kamen mehr als 500 Gastdelegierte und Gäste. Landesparteichef Franz  wurde mit 86 Prozent wiedergewählt. Im Juni 2017 waren es allerdings noch satte 98,8 Prozent gewesen, die er bei einem außerordentlichen Parteitag in St. Pölten erhalten hatte.

Rendi-Wagner betonte dann in ihrer ersten Rede bei einem Parteitag in der Funktion als designierte SPÖ-Chefin, eine "Lebensentscheidung" getroffen zu haben. Sie sei zwar erst kurz in der Politik, "aber die Werte der Sozialdemokratie teile ich schon sehr, sehr lange", betonte sie am Samstag vor den niederösterreichischen Genossen in Schwechat. Wieder die Nummer eins zu werden, sei das Ziel.

"Kind der Kreisky-Ära"

Sie habe Unterstützung erhalten und Vertrauen bekommen, sagte Rendi-Wagner zu ihrer Bestellung als SPÖ-Chefin. Und sie wisse, dass letzteres zum Teil auch Überwindung gekostet habe. Sie habe "keine leichte Entscheidung", aber eine "Entscheidung für Verantwortung" und für "eine riesengroße Sache, um die es geht" getroffen. Ihre "Lebensentscheidung" sei jedenfalls "goldrichtig".

Rendi-Wagner stellte sich in Schwechat als "Kind der Kreisky-Ära" vor. Sie hätte "viele Chancen nicht gehabt, hätte es die Politik der Sozialdemokratie nicht gegeben". Jetzt wolle sie einen Beitrag zurückgeben.

Die Neo-SPÖ-Chefin stellte einmal mehr fest, dass Geburt, Herkunft, Geschlecht, Hautfarbe nicht über Chancen der Menschen entscheiden dürften. "Das ist unser Alleinstellungsmerkmal, wir haben ein anderes Menschenbild als die schwarz-blaue Bundesregierung."

"Ihr könnt mir vertrauen", versprach die neue Vorsitzende den Delegierten in Schwechat. "Ich vertraue euch", fügte sie hinzu, weil sie diese Verantwortung "niemals allein stemmen" könne. Rendi-Wagner rief auch dazu auf, mehr Vertrauen in die Partei zu haben und stolz auf selbige zu sein, auf Leistungen ebenso wie auf Werte.

"Es braucht uns mehr denn je"

Kritik an der Bundesregierung übte sie etwa im Zusammenhang mit dem Zwölf-Stunden-Tag und der 60-Stunden-Woche, beides "angeblich freiwillig", an der Abschaffung der Aktion 20.000, die zynischer Umgang mit Arbeitnehmern sei, oder an der Absage an die Ausbildungsgarantie bis 25. "Es braucht uns mehr denn je", betonte sie vor den "Genossinnen und Genossen" in Schwechat.

Die SPÖ werde für die Menschen kämpfen, "die uns brauchen", kündigte Rendi-Wagner an. Es gehe um soziale Wärme, Gerechtigkeit und eine fairen Leistungsbegriff.

Die SPÖ soll aus der Sicht ihrer neuen Chefin eine moderne, progressive, weltoffene Partei sein. Und sie soll sich nicht nur über den politischen Gegner definieren. "Ich will, dass wir unser Modell sind."

Rendi-Wagner gab sich in Schwechat überzeugt, "dass wir das Vertrauen der Menschen bekommen werden". Gemeinsam wolle sie "ein neues Kapitel in der SPÖ starten". Anstehende Wahlen (Arbeiterkammer, EU, Wien, Anm.) würden den "Unterschied zwischen uns und den Herausforderern zeigen".

Die SPÖ stelle viele Fragen, was auch "gut so" sei, sagte Rendi-Wagner. Aber die Partei solle auch den Mut haben, den Menschen "einfachere, verständlichere, direktere Antworten" zu geben.

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