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Politik von innen
10/23/2019

SPÖ-Krise: Warum Doris Bures nun doch als Personalreserve gilt

Das Rumoren in der Bundes-SPÖ will nicht verstummen. Die neue starke Frau in der Partei: Doris Bures.

von Christian Böhmer

Pamela Rendi-Wagner soll im kleinen Kreis immer häufiger einen Satz fallen lassen: "Haben wir uns das wirklich verdient?" Mit "wir" meint die SPÖ-Vorsitzende die Sozialdemokratie als Ganzes; vor allem aber meint sie auch sich selbst und ihre Berater.

Nach dem Wahldesaster, der Kritik an ihrer Rede am Wahlabend, der missglückten Neubestellung des Bundesgeschäftsführers und der Intrige gegen Mandatar Max Lercher ist es unübersehbar, dass die Leidensfähigkeit der SPÖ-Chefin über Gebühr strapaziert wird.

 

Dämpfer durch eigene Abgeordnete

Der letzte Dämpfer wurde ihr am Dienstag verpasst: Bei der Wahl in der Klubsitzung schaffte Rendi-Wagner 88 Prozent – deutlich weniger als Doris Bures mit 97.

Der Unterschied spiegelt die Machtverhältnisse in der Partei wider. Längst gilt Bures als Chefstrategin einer Gruppe („Liesinger Partie“), die die Bundespartei zusammenhalten, man könnte auch sagen: übernehmen will.

Erst am Freitag wurde in kleinem Kreis beschlossen, einen früheren Sprecher von Werner Faymann in die Löwelstraße zu lotsen. Nur der Widerstand aus Teilen der Partei hat verhindert, dass der Plan publik wird.

Andere Lebensplanung

Doris Bures wird eine neue Lebensplanung nachgesagt: Offiziell gibt es für die Zweite Nationalratspräsidentin zwar nur ihren Job im Parlament. „Sie erfüllt die Aufgabe als Zweite Nationalratspräsidentin mit Freude und Stolz. Andere Ämter sind kein Thema“, sagt Bures’ Sprecher. Lange Zeit war es aber ein offenes Geheimnis, dass Bures ihre Karriere mit der Hofburg krönen wollte.

Ihr wohlmeinende Genossen nennen inzwischen aber Gründe, warum Bures die Hofburg-Kandidatur geistig ad acta gelegt habe:

1. ist die mögliche Wiederkandidatur von Alexander Van der Bellen eine Hürde, die kaum zu nehmen ist. Das zeigen auch Umfragen, die SPÖ-intern kursieren;

2. kann man mit einer darnieder liegenden Bundespartei keinen Hofburg-Wahlkampf gewinnen, und

3. ist nach einer allfälligen Demission der SPÖ-Chefin niemand da, der die SPÖ zusammenhalten könnte.

Politik-Profi Bures

Außer: Polit-Profi Bures. Ein Vertrauter von ihr sagt das so: „Die Doris hat sich schon beim Rücktritt von Christian Kern nur deshalb nicht zur Parteichefin machen lassen, weil sie an Rendi-Wagners Chance glaubte und an die Hofburg dachte. Beides hat sich geändert.“

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