Politik | Inland
06.05.2018

Sobotka will NS-Ausdrücke in Alltagssprache aufspüren

Nationalratspräsident stößt gemeinsames Forschungsprojekt mit Nationsfonds-Chefin Hannah Lessing an.

„Man muss die Dinge beim Namen nennen“, hat Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka zu Michael Köhlmeier gesagt, als er den streitbaren Autor für die diesjährige Gedenkrede gegen Gewalt und Rassismus im Parlament anwarb.

Köhlmeiers Abreibung für die FPÖ saß.

Die Blauen mögen nun sauer sein, weil Sobotka keinen Weichzeichner als Redner einlud, aber sie müssten den Niederösterreicher besser kennen. Er ist kein Kompromissler und macht seinen jeweiligen Job zu 120 Prozent.

Sobotka, Lehrer im Zivilberuf, hat bereits das nächste erzieherische Projekt in der Pipeline. Eine Forschungsarbeit zu „belasteter Sprache“ soll zu sensiblem Sprachgebrauch im Alltag anregen. Gemeinsam mit Hanna Lessing vom Nationalfonds will Sobotka das Projekt umsetzen.

„Das nationalsozialistische Regime hat Sprachbilder gezielt benutzt, um Antisemitismus und Vorurteile zu befeuern. Viele damals gebräuchliche Ausdrücke werden heute noch, teils völlig unbewusst, verwendet“, sagt Sobotka. Formulierungen wie „bis zur Vergasung“, „durch den Rost fallen“ oder jemandem eine „Sonderbehandlung zukommen lassen“ habe es bereits vor dem Nationalsozialismus gegeben. „Und trotzdem bekamen sie durch die gezielte Verwendung der Nationalsozialisten eine völlig neue Dimension.

Begriffe wie ,Endlösung’ haben hingegen eine eindeutige Zugehörigkeit“, sagt Sobotka. Hannah Lessing meint, es gehe darum zu vermitteln, mit Sprache niemanden zu verletzen. Wenn Roma Roma genannt werden wollen und nicht Zigeuner, sei das zu respektieren. „Politische Korrektheit ist kein Schimpfwort“, sagt Lessing.

Sobotka und Lessing wollen demnächst an die Forschungscommunity heran treten und sie zu dem Sprachprojekt einladen.

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