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Politik Inland
06/26/2019

Schülerunion: Aussteiger berichten von Drill und Demütigung

Ehemalige Funktionäre des oberösterreichischen Ablegers der Schülerunion schildern fragwürdige Methoden bei Klausurwochenenden.

In Klebeband eingewickelt, mit Bällen beworfen und mit Nutella im Gesicht beschmiert: Derlei Demütigungen sollen laut ehemaligen Funktionären der Union Höhrere Schüler (UHS), dem oberösterreichischen Ableger der ÖVP-nahen Schülerunion, vorgefallen sein. Das berichtet Der Standard.

Das alles soll in den Wochen vor der Wahl zur Landesschülervertretung 2018 stattgefunden haben. "Wir mussten bis in die Morgenstunden unsere Reden halten und stundenlang stehen. Sie haben uns ins Bett geschickt und eine Stunde später wieder aus dem Schlaf gerissen", sagt eine Betroffene zum Standard. Nach einem Tränenausbruch sei ihr das verschreibungspflichtige Konzentrationsmittel Ritalin angeboten worden. 

Ziel der Demütigungen sei es gewesen, den Willen der Teilnehmer zu brechen. Ausgegangen seien die Methoden auch von dem heutigen UHS-Landesobmann und -geschäftsführer. Die UHS bestreitet alle Vorwürfe.

Betroffene hat Anwalt eingeschaltet

Nach Ausstieg der Betroffenen hätte die UHS illegal auf den E-Mail-Account zugegriffen, um eine Mail abzufangen. Sie hat deswegen bereits ihren Anwalt eingeschaltet. 

UHS-Chef Neuhuber distanzierte sich gegenüber dem Standard "mit aller Klarheit von diesen lächerlichen Vorwürfen, wie zum Beispiel, dass Ritalin ausgegeben wurde, es interne Plattformen gibt oder auf Seminaren Teilnehmer schikaniert werden. Wir können für uns ausschließen, dass Handlungen gegen den Willen von Teilnehmern stattgefunden haben."

Die Vorwürfe würden "gezielt zwei Tage vor der Landesschülervertretungswahl in Oberösterreich lanciert, um die UHS zu schädigen und Einfluss auf das Wahlergebnis zu nehmen". Es sei "schamlos, wie Schmutzkübelmethoden nun auch die Schülervertretungswahlen erreichen". Man behalte sich rechtliche Schritte vor.