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Politik Inland
11/03/2020

Schönborn: "Unseren Hass bekommt ihr nicht"

Zahlreiche Reaktionen von Vertretern christlicher Kirchen. Islamische Glaubensgemeinschaft bietet Kooperation an. Kultusgemeinde schließt alle Synagogen.

Ähnlich den politischen Reaktionen waren auch jene von Vertretern der Glaubensgemeinschaften von zwei zentralen Botschaften geprägt: den Hass des Terrors nicht mit Hass zu beantworten - und die eigenen Werte entschlossen zu verteidigen, sich nicht der Gewalt zu beugen.

"Auf diesen blinden Hass darf Hass keine Antwort sein", sagte der Wiener Erzbischof Kardinal Christoph Schönborn. "Hass schürt nur neuen Hass" - und dies sei ebenso der falsche Weg, auf die schrecklichen Ereignisse der Nacht zu reagieren, wie in Panik zu verfallen, "denn wer in Panik gerät, ist immer in Gefahr, diese Panik weiter zu tragen". "Unseren Hass bekommt ihr nicht", unterstrich der Kardinal und erinnerte damit an die Worte eines Betroffenen der Terroranschläge in Paris.

Dagegen rief der Wiener Erzbischof auf, auch in diesen Stunden jene Werte hoch zu halten, die Österreich groß gemacht hätten: "Gehen weiter den Weg der Solidarität, der Gemeinschaft und Rücksichtnahme. Das sind Werte, die Österreich geprägt haben."

"Welch irregeleitete, menschenverachtende Ideologie war da am Werke? Wahllos in friedlich versammelte Menschen zu schießen. Gläubige Menschen müssen diese Tat im Namen Gottes verurteilen, sich innerlich mit der ganzen Geistes- und Glaubenskraft dagegen stemmen." Mit diesen Worten reagierte Salzburgs Erzbischof Franz Lackner, seit Juni Schönborns Nachfolger als Vorsitzender der Österreichischen Bischofskonferenz. Und weiter: "Wir beugen uns nicht der Gewalt und werden nicht in die Alltäglichkeit flüchten."

"Tief betroffen und fassungslos" hat sich die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ) über den Terroranschlag in der Wiener Innenstadt gezeigt. "Unsere Gedanken sind in diesen Stunden bei den Betroffenen, ihren Familien und den Einsatzkräften. Mögen Sie den Einsatz wohlbehalten überstehen", hieß es in einer IGGÖ-Stellungnahme auf Facebook.

Die IGGÖ hat auch uneingeschränkte Kooperation mit den Sicherheitsbehörden angeboten. Man wisse über den oder die Täter auch nicht mehr, als das Innenministerium am Dienstag bekannt gegeben hat, sagte eine Sprecherin. Die Polizei könne auch jederzeit in Kontakt mit den Extremismus-Präventionsexperten der Glaubensgemeinschaft treten. "Für uns ist es auch wichtig, ob es ein Zufall war, dass der Anschlag vor der Synagoge stattgefunden hat", sagte die Sprecherin zudem. Seit dem Abend des Anschlags sei man in ständigem Kontakt mit der Israelitischen Kultusgemeinde Wien (IKG).

Diese hat unterdessen alle Synagogen in Österreich geschlossen. Betroffen seien in Wien zudem sämtliche Einrichtungen, wie koschere Restaurants, Supermärkte und Schulen, sagte Erich Nuler, Sprecher des Krisenstabs. Zudem seien die Sicherheitsvorkehrungen österreichweit verstärkt worden. Gemeindemitglieder wurden weiterhin dazu aufgefordert, zu Hause zu bleiben. Nicht nur in Wien, auch in anderen Städten wie etwa Graz wurden die Einrichtungen der IKG zumindest für Dienstag geschlossen, hieß es weiter.

Auch Vertreter anderer christlicher Konfessionen meldeten sich zu Wort. Der evangelische Bischof Michael Chalupka schrieb noch am Montagabend via Twitter: "Wenn die Worte versagen, bleibt mir nur das stille Gebet für die Opfer und ihre Angehörigen und die Helferinnen und Helfer. Wien hält zusammen für das Leben in dieser Stadt. Terror wird den Zusammenhalt nicht spalten!"

Und der evangelisch-lutherische Superintendent von Wien, Matthias Geist, sprach von "einer unglaublichen Attacke auf ein friedliches Miteinander der Menschen in Wien". "Wir bleiben solidarisch mit allen Kräften, die die Würde aller Menschen und die Unversehrtheit des Lebens fördern und erhalten."

"Die Attentäter, die solcherlei Anschläge verüben, folgen keinesfalls dem Willen Gottes, sie wollen Angst und Misstrauen verbreiten und die Zuversicht und das gegenseitige Vertrauen der Menschen zerstören. Doch gerade das wollen und dürfen wir nicht zulassen." Mit dieser Botschaft hat sich der orthodoxe Metropolit Arsenios, Vorsitzender der orthodoxen Bischofskonferenz in Österreich, zu Wort gemeldet.

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